Am nächsten Morgen wurde Steffi ziemlich unsaft von ihrem Wecker geweckt. Sie hatte nach dem Telefonat mit Wincent noch lange wachgelegen und darüber nachgedacht. Es ging ihr nahe, dass er so traurig am Telefon klang und es ihm auch scheinbar gerade wirklich nicht gut ging. Auch wenn sie ihn noch nicht lange kannte, war er ihr in den letzten Wochen sehr ans Herz gewachsen und sie konnte es noch nie gut ab, wenn es jemanden in ihrem Umfeld schlecht ging. Für diese Eigenschaft wurde sie nicht nur in ihrem Job oft gelobt. Viele ihrer Freunde kamen gerne mit ihren Problemen zu ihr, da Steffi ein Talent besaß häufig die richtigen Worte zu finden. Manchmal war das aber für sie noch zusätzlicher Ballast. Aber sie machte es ja auch gerne. Im Büro angekommen wartete schon ein volles Postfach auf sie, und schnell war die abgelenkt und dachte nicht mehr an gestern. Erst in der Mittagspause schaute sie wieder auf ihr Handy. Eine WhatApp von Jula "und? hast du ihn jetzt wegen morgen abend gefragt? Trefft ihr euch auf dem Konzert?" Sie ließ auch einfach nicht locker...sie schob die Nachricht weg und sah, dass noch eine zweite Nachricht wartete gelesen zu werden. Von Wincent. Steffi war irritiert. Was wollte er denn? Es war auch kein Telefon Emoji, sondern eine Textnachricht: "Hey, auch wenn ich es dir gestern schon gesagt habe, danke fürs zuhören, das hat mir viel bedeutet ♥." Ein Herz-Emoji? Okay. Was sollte das denn jetzt bedeuten? Ach wahrscheinlich war er einfach wirklich nur dankbar, dass er sich gestern ein bisschen die Sorgen von der Seele reden konnte. und schon wurde sie wieder von Ihrer Kollegin aus den Gedanken gerissen. Auch wenn es wahrscheinlich nichts zu bedeuten hatte, musste Steffi noch ein paar mal an die Nachricht denken. Nach Feierabend schickte sie nur ein "Immer gerne ♥" zurück. Das musste erstmal reichen. Es sollte jetzt auch nicht zu sentimental werden. Steffi setzte sich ins Auto und fuhr los.
Abends war sie noch mit ihrer besten Freundin Alina verabredet und darauf freute sie sich besonders. Sie hatten sich länger nicht gesehen, aber immer wenn sie sich trafen, waren die Gespräche Balsam für die Seele. Steffi hatte auch beschlossen, Alina alles von Wincent zu erzählen, denn auch sie musste irgendwo ihre ganzen Gefühle und Gedanken mal loswerden. Und Alina war in solchen Angelegenheiten immer super verständnisvoll und hatte eine gesunde Sicht auf die Dinge. "Wer weiß, wozu es gut war, dass ihr beide euch an der Tankstelle getroffen habt. Und wenn ihr euch jetzt nicht nochmal trefft, dann wird das schon seinen Sinn haben. Und wenn kein Sinn dahinter steckt, dann seht ihr euch vielleicht irgendwann auch nochmal wieder" mit diesen Worten im Kopf fuhr Steffi spät abends nach Hause und freute sich auf ihr Bett. Heute würde sie auch mal wieder früher schlafen. Wincent hatte kein Konzert und brauchte deswegen auch nicht auf ein Telefon-Emoji warten. Und hoffte sie insgeheim trotzdem darauf, dass er sich meldete? Woher kamen eigentlich seit kurzem diese Gedanken? Sie verdrängte ihn ganz schnell wieder und huschte ins Bett. Erstaunlicherweise konnte sie recht fix einschlafen und auch am morgen eine Stunde länger schlafen, da sie im Home Office arbeiten würde. Der nächste Tag verlief ohne besondere Vorkommnisse. Nach dem Konzert abends telefonierten sie kurz, wie abgesprochen, aber Wincent verabschiedete sich schnell, da er ja noch diesen Interviewtermin hatte. Was für ein Stress, dachte sich Steffi. Hoffentlich ging es im besser, darüber hatten sie gar nicht mehr gesprochen. Zumindest hatte sie aber fragen können, wann er am nächsten Tag in Bremen sein wird. "Das kann ich dir noch nicht sagen, hängt davon ab, wann wir hier morgen loskommen. Amelie hat noch ein paar wichtige Video Calls, die sie hier morgens noch im Hotel machen will und dann fahren wir irgendwann mittags direkt zur Halle." Damit hatte sich dann die Frage nach dem sehen auch direkt erledigt. "Nagut, dann hab ein schönes Konzert morgen in meiner Heimatstadt." Sagte Steffi und legte auf. Wincent merkte, dass sie irgendwas bedrückte und war froh darüber, dass er sich schon einen Plan ausgedacht hatte, wie er dies ändern konnte. Wie dumm es einfach von beiden war, kein Treffen zu vereinbaren! Tag des Konzertes in Bremen:
Endlich Samstag, endlich so lange liegenbleiben, wie sie wollte. Dachte sich Steffi und drehte sich nochmal um. Da brummte ihr Handy. Kann dieses verdammte Ding nicht einmal still sein. Sie ärgerte sich, dass sie es ständig neben sich liegen hatte, aber sie musste auch unbedingt drauf schauen, wer ihr da geschrieben hatte. Ein Telefon Emoji von Wincent. Sofort war sie hellwach. Wollte er doch nochmal mit ihr reden, weil es gestern so kurz war? Wie immer schickte sie sofort einen Daumen hoch und keine Minute später rief Wincent an. "Hey, was machst du gerade?" "Naja, es ist Samstag, ich kann ausschlafen. Also liege ich noch im Bett. Wieso fragst du? Zeit zum quatschen hätte ich also." "Lust auf ein Frühstück?" Fragte Wincent verschmitzt. Steffi war verwirrt. "Wie? Wo? Wann?" stotterte sie ins Telefon. "Also wie, ich würde sagen mit Brötchen. Wo, vielleicht in deiner Wohnung? Oder hier auf dem Parkplatz, wo ich gerade in meinem Auto sitze, aber das wäre nicht so gemütlich. Wann, naja ich bin bei der Konzerthalle, wenn du mir deine Adresse gibst, kann ich dir sagen wann ich da bin" Jetzt war Steffi völlig überfordert. Allein der Gedanke, dass Wincent gleich mit Brötchen vor ihrer Tür stehen würde, war so sureal, dass sie gar nicht wusste, was sie sagen sollte. "du glaubst mir nicht? Schau auf dein Handy" in dem Moment tauchte ein Standort von Wincent auf. Tatsächlich, er war keine 500m von ihr entfernt. Direkt danach folgte ein Foto von Wincent, wie er strahlend eine Tüte Brötchen in der Hand hält. "Du bist doch verrückt" lachte Steffi und schickte ihm ihren Standort. Dann sprang sie aus dem Bett, fischte schnell eine Jeans und ihren Lieblingspulli aus dem riesigen Klamottenberg vor ihrem Bett und band ihre Haare zu einem wüsten Knoten zusammen. Egal, für mehr war jetzt keine Zeit. Sie warf noch schnell einen Blick in ihre Küche. Zum Glück hatte sie gestern noch das restliche Geschirr abgewaschen. Da klingelte es auch schon an der Tür. Plötzlich begann Steffis Herz schneller zu schlagen. Ein bisschen nervös war sie jetzt doch. Sie hatten zwar fast jeden Tag telefoniert, sich aber ja erst einmal vor 4 Wochen gesehen. Hoffentlich wurde das gleich nicht komisch. Steffi wohnte im dritten Stock und konnte Wincent schon im Treppenhaus hören. "Wie weit oben wohnst du denn?" schnaufte er, als er endlich die letzten Stufen auf sie zu nahm. Steffie grinste nur und ging ein Stück zur Seite, damit er an ihr vorbei in die Wohnung konnte. "Komm erstmal rein, dann kannst du dich erholen." "Komm du erstmal her" erwiderte Wincent, breitete seine Arme aus und drückte Steffi an sich. Genau auf diesen Moment hatte er sich gefreut, seitdem er nach dem ernsten Telefonat entschieden hatte, Steffi in Bremen zu besuchen und genau das zu tun, was er jetzt tat. Sie dankbar und fest zu umarmen. Steffi drückte sich an seine Brust und nahm sofort wieder seinen Geruch wahr, den sie schon beim ersten Treffen so gut fand. Beide merkten, wie gut diese Umarmung tat und wie dringend sie nach den Gesprächen nötig war. Dann löste Steffi sich und nahm ihm die Tüte mit den Brötchen aus der Hand. "Schau dich hier bitte nicht so genau um, ich hatte jetzt nicht wirklich Zeit, hier noch aufzuräumen" Rief sie ihm aus der Küche zu. "Alles gut, du willst nicht wissen, wie es bei mir aussieht, wenn ich nach ner Tour nach Hause komme. Wenn Fabi nicht da wäre, wäre es das reinste Chaos" Seine Stimme klang etwas leiser, so als wenn er nicht mehr auf dem Flur stehen würde. Steffi ging zum Flur und sah, wie Wincent in der Tür zu ihrem Schlafzimme stand.Er dreht sich zu ihr um. "Ungefähr so, wie hier" lachte er. "Joar, willkommen in meinem Chaos, auch besser bekannt als mein Leben" sagte Steffi achselzuckend. Vor anderen Gästen wäre ihr das sicherlich peinlich, aber da sie inzwischen gemerkt hatte, das Wincent scheinbar auch ein großer Chaot war, machte es ihr nichts aus. "Jetzt lass uns erstmal frühstücken, ich habe Hunger" Sie gingen in die Küche.
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Auf Halbem Weg - Steffi (1)
FanfictionTeil 1 Steffi und Wincent Steffi (28) gerät durch einen dummen Streich in Kontakt mit Wincent Weiss, den sie bis dahin so gut wie kaum kannte. Wie kam es zu diesem Treffen und wie wird es ausgehen?
