Sie konnte nicht schlafen, inzwischen war es schon fast 2 Uhr Nachts. Immer wieder schaute sie auf ihr Handy. Da bekam sie eine Nachricht von Fabi. Er war heute den letzten Tag als Support mit, ab nächster Woche wurde er für drei Wochen eine eigene kleine Tour spielen. "Hey, was ist los bei euch? Bist du noch wach? Kann ich anrufen? Mache mir Sorgen!" "Okay" tippte sie zurück. Sie würde jetzt eh nicht schlafen können. Es klingelte und sie nahm ab. Bevor sie etwas sagen konnte, fing sie an zu weinen. Als sie sich wieder beruhigt hatte, erzählte sie Fabi von dem Telefonat und er erzählte ihr, was heute auf dem Konzert passiert war. “Wir haben alle versucht, mit ihm zu reden, was da heute passiert ist. Aber er macht komplett dicht. Lässt keinen in seine Kabine.” "Er war die letzten Tage schon so komisch, hat sich weniger gemeldet und wirkte so abwesend. Ich weiß nicht, was ich falsch gemacht habe. Ich wollte ihm doch nur sagen, dass ich hier auch mein Leben habe und das nicht komplett für ihn umkrempeln kann." "Steff, hör mir zu. Das ist wahrscheinlich auch nicht das Problem gewesen. Er weiß das sehr zu schätzen, was du für ihn tust. Wahrscheinlich zu sehr. Wenn du sagst, dass er schon seit ein paar Tagen schlecht drauf ist, weiß ich glaube ich, woran das liegt. Als wir vor ein paar Tagen in Berlin gespielt haben, hat er Yvonne getroffen. Sie hat das Interview mit ihm geführt. Eigentlich kommen die beiden inzwischen gut miteinander aus. Aber ich kann mir vorstellen, dass ihn das Aufeinandertreffen an die Trennung erinnert hat und er jetzt Angst hat, dass du ihn auch verlässt, wegen seiner Musik. Und dem wollte er zuvorkommen." "Ach Scheiße. Das hat er mir gar nicht erzählt. Ja sowas ähnliches hatte er beim Telefonat erwähnt. Er will mich nicht verletzen. Aber genau das hat er gerade getan. Dabei braucht er wirklich keine Angst haben. Man, Ich liebe ihn. Ich würde das alles, was wir zusammen geschafft haben, nie so schnell aufgeben. Wir waren auf einem so guten Weg. Wie kann ich ihm das denn klarmachen? Ich weiß nicht, ob er mit mir reden würde, wenn er so drauf ist wie jetzt gerade." "Ach man, ich würde euch so gerne helfen. Aber du hast Recht, aktuell würde er komplett abblocken. Nicht mal Amelie ist in den letzten Tagen an ihn rangekommen. Du müsstest auf den gleichen Weg auf ihn zu gehen, wie er seine Gefühle ausdrückt." "Mit Musik. Ich glaube, ich habe eine Idee. Aber dafür brauche ich deine Hilfe, Fabi" Nach dem Telefonat mit Fabi ging es ihr besser. Es beruhigte sie, dass sie nicht der Auslöser für Wincents Stimmungswandel war. Sie würde um das, was ihr wichtig war, kämpfen. Sie sprang aus dem Bett, schnappte sie Zettel und Stift und setzte sich an ihr Klavier.
[2] Die nächsten Tage verliefen für Wincent relativ gleich. Frühstück, Soundcheck, abends Konzert. Zwischendurch zog Wincent sich meistens in den Tourbus zurück. Auf Fragen, was los war, antwortete er nicht und redet auch nur das Nötigste mit der Crew. Wenn Fragen zu Steffi kamen, schnauzte er nur zurück, dass er seine Ruhe haben will. Wincent hatte Amelie nur gesagt, dass er Steffi im Moment nicht sehen wollte und auch nicht darüber sprechen konnte. Er wollte jetzt nur noch die Tour zuende bringen und müsste dann seine Gedanken sortieren. "Auf halbem Weg" hatte er von der Setlist gestrichen, er konnte die Zeilen nicht singen, ohne sie dabei vor sich zu sehen. Er wusste, dass seine Reaktion während des Telefonats eine Kurzschlussreaktion war. Er war unfair zu Steffi. Aber er brachte es nicht übers Herz, ihr das zu sagen. Sie fehlte ihm so unendlich, aber nach ihrer letzten Nachricht nach dem Konzert hatte sie sich nicht mehr gemeldet. Er hatte sie wahrscheinlich so sehr von sich gestoßen und verletzt, dass sie ihn schnell vergessen wollte. Wie konnte er nur so dumm gewesen sein? Hatten sie sich nicht vor ein paar Wochen noch gesagt, wie sehr sie sich bräuchten und alles schaffen würden? Er hasste sich selbst dafür, dass er immer wieder alles kaputt machen musste. Es war wohl besser, wenn er einfach alleine blieb. Er lag auf seinem Bett im Tourbus, starrte an die Decke und summte leise vor sich hin. “Ich fühle es noch als wär es gestern, du hast mich jeden Morgen wachgeküsst.” Scheiße, das Lied passte in diese Situation gerade verdammt gut. Er hatte es zwar für eine andere Frau geschrieben, aber es spiegelte seine Gefühle gerade total wieder. “Ich lasse dein Herz los, ich lasse es ziehen. Da draußen ist jemand, der es verdient. Fang an zu leben, geh raus in die Welt.” langsam rollten die Tränen an seinen Schläfen runter. “Dich gehen zu lassen fällt mir so schwer.” flüsterte er zu sich selbst. Er fühlte sich völlig kraftlos und unnütz. Da war der Gedanke wieder. Hätte er die Musik schon vor einiger Zeit aufgeben sollen? Nach dem Tourabschluss würde er sich erstmal Zuhause verkriechen. Doch daraus wurde erstmal nichts. Fabi hatte ihn gebeten, ihm bei seinem Auftritt in München als Überraschungsgast zu unterstützen. Er konnte Fabi diesen Wunsch nicht abschlagen, schließlich tat er auch alles für ihn. Aber er wusste jetzt schon, dass er sich quälen würde.
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Auf Halbem Weg - Steffi (1)
FanfictionTeil 1 Steffi und Wincent Steffi (28) gerät durch einen dummen Streich in Kontakt mit Wincent Weiss, den sie bis dahin so gut wie kaum kannte. Wie kam es zu diesem Treffen und wie wird es ausgehen?
