Kapitel 140

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Er setzte sich in seinen Schneeklamotten in den Warteraum, konnte aber nicht wirklich stillsitzen. Das erste Mal kam ihm jetzt in den Sinn, ob er jemandem Bescheid sagen müsste, entschied sich aber dagegen. Er wollte zunächst abwarten, was die Ärzte sagen, bevor er alle verrückt machte. Es reichte, wenn er sich selber verrückt machte. Das Warten kam ihm vor wie eine Ewigkeit und eigentlich bräuchte er jemanden, mit dem er reden konnte. Und dann fiel ihm plötzlich ein, dass Fabi ihm erzählt hatte, dass er Familie besuchen wollte, die in der Nähe von Innsbruck wohnten. Vielleicht war er noch da. Er wählte seine Nummer und schnell ging Fabi ran. "Wince, was gibts? Seid ihr gar nicht mehr auf der Piste?" "Fabi? Bist du noch in Innsbruck? Wenn ja, wie schnell kannst du im Krankenhaus sein?" "Oh, äh, ja ich kann in 20 Minuten da sein. Was ist denn passiert? Geht es euch gut?" fragte Fabi. "Steffi hatte einen Unfall. Ich warte hier in der Notaufnahme." "Okay, ich bin gleich da Bro." Fabi legte auf und Wincent spürte ein wenig Erleichterung. Er war völlig überfordert mit der Situation gerade und war froh, dass Fabi gleich da sein würde. Von Steffi hatte er noch nichts gehört. Jedes Mal, wenn ein Arzt oder eine Schwester an ihm vorbei ging, schaute er aufgeregt zu ihnen, aber sie schenkten ihm keine Beachtung.  Wenig später kam Fabi auf ihn zu und Wincent fiel ihm dankbar um den Hals. Dann erzählte er ihm aufgeregt, was auf der Piste passiert war. Nervös warteten die beiden, bis die Sanitäterin auf die beiden zukam. "Johanna?" fragte Fabi verdutzt. "Hey Fabi, lange nicht gesehen. Was machst du denn hier?" "Ähm, ich bin mit meinem Kumpel hier, Wincent. Meinem Mitbewohner." stammelte er und deutete auf Wincent. "Ja und ich würde jetzt gerne wissen, was mit meiner Freundin ist." platzte dieser nervös dazwischen. "Ähja, genau. Also Ihrer, äh deiner Freundin geht es gut soweit. Sie ist wieder wach, aber noch etwas benommen. Sie hat eine leichte Gehirnerschütterung und wir lassen sie heute Nacht hier zur Beobachtung. Ansonsten hat sie Prellungen an der Schulter und den Rippen und ein angebrochenes Handgelenk, wie vermutet. Keine inneren Verletzungen. Wenn es ihr morgen gut geht, kann sie wieder nach Hause. Aber die Skisaison ist erstmal für dieses Jahr beendet." Wincent atmete erleichtert auf. "Kann ich zu ihr?" "Ja, natürlich. Zimmer 206." Sie zeigte den Gang entlang und Wincent marschierte los. "Schön, dich mal wiedergesehen zu haben, Fabi." rief sie den beiden noch hinterher, als Fabi zu Wincent eilte. "Das erklärst du mir später noch!" raunte Wincent ihm zu. Als sie das Zimmer betraten, lag Steffi mit geschlossenen Augen im Bett. Am Kopf hatte sie ein großes Pflaster und man konnte die Beule deutlich sehen. Wincent tat es richtig weh, sie so in diesem Krankenbett liegen zu sehen und setzte sich zu ihr auf die Bettkante. Er beugte sich zu ihr und gab ihr einen sanften Kuss auf die Wange. "Hey meine Süße." flüsterte er und strich mit seiner Hand über ihre Wange. Langsam öffnete Steffi die Augen und blinzelte ihn müde. "So sollst du mich doch nicht nennen." sagte sie leise. "Zumindest nicht, wenn ich in diesem scheußlichen Hemd hier liege." sie deutete auf ihren Körper und lächelte müde. "Oh Gott, bin ich froh, dass du immer noch die Alte bist." Wincent musste schmunzeln und drückte ihr einen leichten Kuss auf ihre Lippen. "Du hast mir einen richtigen Schrecken eingejagt. Mach das nie wieder!" "Wie geht es dir denn?" fragte Fabi, der sich inzwischen auch neben das Bett gesetzt hat. Steffi wurde langsam etwas munterer und war froh, dass sie endlich bekannte Gesichter vor sich hatte. "Es geht. Mein Schädel dröhnt noch etwas und beim Atmen habe ich leichte Schmerzen. Es sind zwei Rippen geprellt. Ansonsten alles okay, die Schmerzmittel hier sind der Wahnsinn." lachte sie. "Und Hunger habe ich." Erst da merkte Wincent, dass es inzwischen Abends war und er auch seit dem Frühstück nichts mehr gegessen hatte. "Ich besorge uns mal ne Pizza." Fabi sprang auf und verließ das Zimmer. 

Auf Halbem Weg - Steffi (1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt