Kapitel 125

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Mit dieser positiven Stimmung kamen sie wieder bei seiner Mum an. “Ach schön, dass ihr wieder da seid. Shay hat sich immer noch nicht blicken lassen.” “Ich gehe mal hoch zu ihr.” sagte Steffi, nachdem sie sich aus ihren Winterklamotten geschält hatte. Wincent ging in der Zeit ins Wohnzimmer, um noch ein kleines Workout zu starten. “Shay? kann ich reinkommen?” Steffi öffnete langsam ihre Tür. Shayenne lag mit Kopfhörern auf dem Bett und starrte an die Decke. Steffi legte sich einfach zu ihr, nahm einen der Kopfhörer aus ihrem Ohr und steckte ihn in ihr Ohr. “Und du bist alles was bleibt, auch wenn jeder Strick reißt, unser Weg sich auch teilt.” Steffi fühlte nache Shayennes Hand und drückte sie fest. “Dein Bruder liebt dich über alles. Sei nicht so hart zu ihm. Er gibt sich gerade echt Mühe, zu akzeptieren, was bei dir passiert. Das ist nicht so leicht für ihn. Du bist halt immer noch sein kleines Mädchen. Und das wirst du wohl auch immer bleiben. Auch wenn du das jetzt gerade nicht möchtest.” Shayenne schaute sie dankbar an. “Ich möchte und kann ihm eigentlich auch gar nicht böse sein. Zumindest nicht lange. Immer, wenn wir uns gestritten haben, höre ich mir das Lied an und dann bin ich auch nicht mehr sauer.” Sie nahm den Kopfhörer aus dem Ohr und setzte sich auf. “Ich habe einfach Angst, dass er Jonas nicht mag. Guck mal, ich mag dich so gerne, und würde mir wünschen, dass mein Bruder meinen Freund auch so gerne mag.” “Das werden wir heute Abend doch sicher herausfinden, oder? Du hast Jonas doch eingeladen?” Shayenne nickte und musste dabei lächeln. “Dann ist doch gut. Und mach dir keine Sorge. Deine Mum und ich sind ja auch dabei und wir werden schon dafür sorgen, dass Wincent sich benimmt.” Erleichtert fiel Shayenne ihr um den Hals. “Warum kannst du nicht viel öfter hier sein?” Du weißt, dass du mich immer anrufen kannst, Süße. Sag einfach Bescheid und ich bin für dich da, ja?” Steffi hatte selber keine Geschwister und kannte das Gefühl nicht, aber in etwa konnte sie sich vorstellen, wie es war, eine kleine Schwester zu haben. Shayenne war ihr inzwischen so sehr ans Herz gewachsen und sie nahm sich vor, sie im neuen Jahr öfter zu besuchen. 

[2] Nachdem Shayenne Steffi noch ein bisschen von Jonas erzählt hatte, gingen sie zu Angela, um ihr beim Essen vorbereiten zu helfen. Wincent war gerade unter der Dusche und kam wenig später zu den dreien. Shayenne ging ohne Worte auf ihn zu und drückte sich an ihn. Wincent legte erleichtert die Arme um sie und warf Steffi einen dankbaren Blick zu. “Ich hab dich lieb meine Kleine.” Er drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. “Ich dich auch. Sehr sogar.” Sie kuschelte sich an seine Brust und Wincent strich ihr behutsam über den Kopf. “So, genug gekuschelt, ihr könnt schonmal den Tisch decken.” kommandierte Angela die beiden an die Arbeit. Als die beiden im Esszimmer verschwunden waren, legte Angela Steffi eine Hand auf die Schulter. “Danke dir.” Dann klingelte es an der Tür und Shayenne rannte nervös los, um sie zu öffnen. Steffi ging schnell zu Wincent, der schon auf dem Weg war, ebenfalls zur Tür zu gehen. “Wincent warte, lass sie sich alleine begrüßen. In dem Alter ist das vor anderen noch etwas peinlich.” sie zog ihn sanft zurück und etwas murrend ließ Wincent sich von Steffi zurück ins Esszimmer ziehen, wo auch schon Angela wartete. Wenig später kam Shayenne freudestrahlend mit Jonas im Schlepptau dazu. “Mum, das ist Jonas.” “Hallo Jonas, ich bin Angela.” sie umarmte ihn herzlich und Steffi musste sofort daran denken, wie es war, als sie das erste Mal auf Wincents Familie getroffen war. Jonas überreichte ihr ein kleines Blümchen und trat dann auf Wincent zu, um ihm die Hand zu reichen. “Hi, Jonas.” “Willkommen in der Familie, ich bin Wincent, der große Bruder.” Jonas lächelte in etwas unsicher an. “Das habe ich mir gedacht, Shay hat schon viel erzählt.” “Na, ich hoffe, nur Gutes.” lachte Steffi. “Hey, ich bin die Freundin vom großen Bruder.” sie nahm ihn ebenfalls in den Arm. “Hier, das ist für euch. Ich hoffe, ihr mögt Wein?” er überreichte Steffi eine Flasche Weißwein. “Ohja, vielen Dank. Die wird sicher nicht lange halten.” sie grinste Wincent zu und er bedankte sich ebenfalls. Na immerhin machte er einen anständigen Eindruck. Auch bei Shayenne fiel die erste Anspannung ab und sie war froh, dass die Begrüßung schonmal gut geklappt hatte.

[3] “Dann setzt euch doch schonmal. ich hole das Essen.” rief Angela und machte sich auf den Weg in die Küche. Wenig später hatten alle ihre Teller voll und inzwischen war das Eis bei allen gebrochen. Jonas erzählte, wie es bei ihm in der Schule lief und dass er nach dem Abitur gerne zur Polizei wollte und schon fleißig für den Aufnahmetest büffelte. Damit hatte er Wincent direkt in ein Thema verwickelt, der alles über den Test und co. wissen wollte. Steffi bemerkte, wie Shayenne die beiden ganz genau beobachtete und sie dabei immer gelassener wurde. Nach dem Essen stand Angela auf, um den Nachtisch zu holen. “Wincent, kannst du mir dabei bitte helfen?” Shayenne nutzte die Gelegenheit, um die beiden in der Küche direkt nach ihrer Meinung zu fragen und sprang ebenfalls auf. Als die drei in der Küche verschwunden waren, atmete Jonas einmal tief durch. “Nichts gegen deinen Freund, aber ich hatte echt Angst, ihn kennenzulernen.” sagte er noch etwas schüchtern, aber mit einem Lächeln zu Steffi. “Du, alles gut. Kann ich verstehen. Shay hat dir sicherlich erzählt, was er für einen Aufstand gemacht hat, oder?” Naja, sie meinte schon, dass er das wohl alles nicht so gut findet und sie sich deswegen gestritten haben. Ich will natürlich nicht, dass sie wegen mir Ärger bekommt. Aber ich mag sie wirklich gerne und will sie echt nicht verletzen.” Steffi lächelte ihm aufmunternd zu. “Das glaube ich euch auch. Und Wince hat das inzwischen hoffentlich auch verstanden. Ist für ihn halt nicht leicht, gerade weil er so häufig nicht da ist.” “Dafür bin ich ja jetzt da.” lachte Jonas jetzt schon viel selbstbewusster. “Ich finds ja auch gut, dass er Shayenne so beschützen möchte. Ist schon nicht immer so leicht für sie. Wie schaffst du das eigentlich, damit klarzukommen, dass er in der Öffentlichkeit steht?” wollte er neugierig wissen. “Ach, man gewöhnt sich irgendwie dran. Aber es gibt immer Momente, in denen ich da auch nicht mit klarkomme. So geht es Shay sicher auch.” Jonas seufzte. “Nicht nur Shay. Ich habe jetzt auch schon die ersten Nachrichten bekommen, dass ich mich nur an Shay ran mache, um vom Ruhm ihres Bruders zu profitieren.” Ohje, daran hatte Steffi noch gar nicht gedacht. “So ein Bullshit, was die Leute da draußen sagen. Also das wichtigste ist auf jeden Fall, dass ihr euch solche Kommentare wirklich nicht zu Herzen nehmt. Ihr wisst ja, dass es nicht so ist. Wenn das zu viel wird, sagt gerne Bescheid. Aber ich denke, erstmal braucht Wincent davon nichts wissen.” “Okay, danke dir. Shayenne hat echt ne tolle Familie.” Steffi nickte ihm zu. “Ja das stimmt, ich wurde auch direkt herzlich aufgenommen. Schön, dass du jetzt auch dazu gehörst.” Und das meinte Steffi wirklich so. Sie mochte Jonas, denn er schien wirklich vernünftig zu sein.

Auf Halbem Weg - Steffi (1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt