“Ich wollte wieder zu euch runterkommen, als ich gehört habe, dass ihr über meinen Vater geredet habt.” Oh Shit, wahrscheinlich hatte er genau den Satz von Angela gehört, den er besser nicht gehört haben sollte. “Ja, das haben wir. Deine Mum hat mir einiges über ihn erzählt.” “Ich bin nicht wie er. Niemals.” sagte Wincent und drehte sich zur Seite. Seine Stimme klang verletzlich und unsicher. “Nein, so hat sie das doch auch gar nicht gemeint. Aber du bist halt auch echt ein Dickkopf. Und das kannst du auch nicht abstreiten.” Steffi legte ihm behutsam eine Hand auf die Schulter und drehte ihn vorsichtig wieder zu sich. “Schau mich an und lass uns darüber reden. Ich merke doch, dass dich das sehr beschäftigt.” Wincent schaute sie noch immer unsicher an, er haderte mit sich, jetzt mit Steffi über seinen Vater zu reden. Aber er wusste auch, dass sie wahrscheinlich eh nicht nachgeben würde. Sie schaffte es mit ihrer Art einfach immer, dass er irgendwie das Verlangen hatte, mit ihr über das zu reden, was ihn beschäftigte. Das hatte ihn schon von Anfang an so an ihr fasziniert. Sie hatte so eine beruhigende Wirkung auf ihn und er wusste, dass seine Worte und Gedanken immer gut bei ihr platziert waren. “Ich will nicht hören, dass ich so bin wie er. Ich kenne diesen Menschen doch gar nicht. Wie soll ich denn da sein wie er?” “Wince, es gibt sowas wie Erbgut und Genetik.” lächelte Steffi ihn an. “Das du dir keine Verhaltensmuster abgucken konntest, ist doch klar. Deine Mum meinte das doch überhaupt nicht böse. Aber wahrscheinlich machst du dir um Shay so viele Gedanken, weil ihr beide größtenteils ohne Vater aufgewachsen seid, oder?” Damit hatte Steffi natürlich genau ins Schwarze getroffen.
[2] Wincent wollte sich das nicht eingestehen und würde das auch nie laut aussprechen, aber im Grunde hatte sie Recht. In seinem Unterbewusstsein hatte es sich festgesetzt, dass er für Shayenne irgendwo die einzige männliche Bezugsperson war. Und dann löste sich plötzlich etwas in ihm und er begann, Steffi alles über seinen Vater zu erzählen, seine Gefühle, Erlebnisse und Gedanken, die er jahrelang mit sich herumgetragen hat. Steffi saß einfach neben ihm, hielt seine Hand und hörte aufmerksam zu. Dass Wincent sich ihr gerade so sehr öffnete, bedeutete ihr wahnsinnig viel und sie wollte ihm unbedingt das Gefühl geben, bedingungslos für ihn da zu sein. Er hatte in seinem Leben schon einige Tiefschläge miterlebt und hatte sich aus allen rausgekämpft und immer den Starken gespielt. Umso wichtiger war es auch, dass er seine schwache Seite zuließ. Mit jeden Satz fiel es ihm leichter, mit Steffi über seine Vergangenheit zu sprechen und wie er aktuell zu seinem Vater steht. “Ich denke nicht viel darüber nach, aber ab und zu frage ich mich schon, warum das alles so gelaufen ist. Ich kann das einfach nicht verstehen. Gerade wenn ich kleine Kiddies sehe, kann ich einfach nicht nachvollziehen, wie man damit plötzlich nichts zu tun haben will. Mit seinem eigenen Fleisch und Blut! Ich begreife das einfach nicht. Und so werde ich NIE sein.” sagte er klar und deutlich. “So wirst du auch nie sein. Aber das heißt nicht, dass du für Shayenne den Vater spielen musst. Du wirst irgendwann selbst noch lange genug Vater spielen müssen.” aufmunternd lächelte Steffi ihn an. “Und du wirst der beste Papa der Welt sein.”
[3] “Und bist du dann die beste Mama der Welt dazu?” fragte Wincent sie etwas zögerlich. Seit ihrem ausführlichen Gespräch über den Kinderwunsch hatten sie darüber nicht mehr gesprochen, aber Wincent wollte wenigstens ab und zu von ihr wissen, wie und ob ihre Meinung dazu sich geändert haben könnte. “Das werden wir dann sehen, wenn es vielleicht soweit ist.” lächelte Steffi ihn geheimnisvoll an. Verdammt, dachte Wincent. Bei dem Thema hat sie echt eine verdammt harte Schale. Auch Steffi merkte an seinem enttäuschten Blick, dass er nicht mit ihrer Antwort zufrieden war. “Wince, ich weiß, dass du etwas anderes hören willst, ich bin jetzt noch nicht soweit. Aber inzwischen kann ich mir echt gut vorstellen, ein Baby mit dir zu bekommen. Besonders nachdem ich gesehen habe, wie du mit der kleinen Emilia umgegangen bist.” Sie sah ihn an und biss sich dabei unsicher auf die Unterlippe. “Du weißt genau, was das in mir auslöst, wenn du das machst.” raunte Wincent ihr fordernd zu und zog sie an sich. “Und es macht mich glücklich, dass sich der Gedanke bei dir langsam verfestigt. Wir haben Zeit, okay? Lass uns die Zeit aber zum Üben nutzen.” er zwinkerte ihr zu, fuhr ihr mit der Hand langsam über ihren Po und legte seine Lippen sachte auf ihre. Das sie ihm gesagt hatte, dass sie sich tatsächlich ein Baby mit ihm vorstellen konnte, löste in ihm ein ganz besonderes Gefühl aus und er wusste, dass er Steffi jetzt unbedingt ganz nah an sich spüren wollte.
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Auf Halbem Weg - Steffi (1)
Fiksi PenggemarTeil 1 Steffi und Wincent Steffi (28) gerät durch einen dummen Streich in Kontakt mit Wincent Weiss, den sie bis dahin so gut wie kaum kannte. Wie kam es zu diesem Treffen und wie wird es ausgehen?
