Kapitel 68

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Es war das erste Mal, dass Wincent im Urlaub vor Steffi wach war. Er war einfach so aufgeregt und freute sich wie ein kleiner Junge. Schon früher war er immer ganz neidisch, wenn seine Klassenkameraden ihm erzählten, dass sie in den Ferien im Disneyland waren. Seine Mum konnte sich das alleine mit zwei Kindern leider nie leisten. Und jetzt würde er einfach gleich da sein. Ungeduldig schaute er auf sein Handy. in 20 Minuten würde der Wecker klingeln. Steffi schlief noch seelenruhig neben ihm. Er öffnete Instagram. Während des Urlaubes hatte er kaum etwas gepostet. Aber heute wollte er der ganzen Welt mitteilen, was er erleben durfte. Warum nicht jetzt schonmal anfangen? Fragte er sich und machte eine Story. “Moin Leute. Heute nehme ich euch mal ein bisschen mit. Wir gehen nämlich heute ins Disneyland und ich bin richtig aufgeregt! Bis später, eure Winnie Maus.” “Winnie Maus? Dein Ernst?” brummte es neben ihm aus der Decke. “Du bist wach, dann los, aufstehen, wir müssen uns beeilen.” Wincent hüpfte wie ein aufgescheuchtes Huhn im Bett rum. “Du brennst doch, der Wecker hat noch nicht mal geklingelt” murmelte Steffi müde und genervt. “Ja und? So sind wir noch früher da. Los komm schon, du Schlafmütze.” Er fing an Steffi unter der Decke zu pieksen. “Alter, du bist ja schlimmer als ein Kleinkind.” Sie wand sich neben ihm, um seinen Fingern auszuweichen. Aber Wincent packte sie mit dem anderen Arm und begann einen richtigen Kitzelangriff. “Ich hör erst auf, wenn du aufstehst.” “Okay jetzt reichts.” rief Steffi energisch. Sie setzte sich auf, schnappte ihr Kissen und pfefferte es Wincent ins Gesicht. “Was ist mit dir passiert? Wo ist mein Morgenmuffel Winnie? Ich will nicht diese verrückte Winnie Maus neben mir haben.” jetzt musste auch sie lachen und wurde endlich wacher. 

[2] Nach einem schnellen Frühstück machten sie sich mit dem Bus auf den Weg. Wincent war total hibbelig und er wurde nicht enttäuscht. Die ganzen Eindrücke, bunten Lichter und Figuren überwältigten ihn und er kam aus dem Staunen gar nicht mehr raus. Sie verbrachten den ganzen Tag damit, mit den Attraktionen zu fahren, sich alles genau anzugucken und in den Shops zu bummeln. Wincent wusste nicht mehr, wann er sich zuletzt so wie ein kleiner Junge gefühlt hatte. Natürlich wurde alles über Instagram festgehalten und er machte auch von Anfang kein Geheimnis darum, mit wem er hier war. Sein Postfach explodierte, die meisten wünschten ihm viel Spaß und waren ganz neidisch. Natürlich gab es auch wieder einige nicht so nette Kommentare, aber die konnten ihm heute gar nichts anhaben. Er wollte die Zeit unbedingt genießen und Spaß haben. Auch Steffi hatte ihren Spaß und die beiden alberten eigentlich den ganzen Tag nur rum. Sie merkten gar nicht, wie schnell die Zeit verging, als es langsam dunkler wurde. “Gleich beginnt die Parade.” rief Steffi aufgeregt. “Da fahren riesige Wagen mit allen Figuren durch den ganzen Park und alles leuchtet.” Sie suchten sich einen Platz zwischen den anderen Leuten und warteten, dass es losging. Wincent hatte sich hinter Steffi gestellt und ihr die Arme um den Bauch geschlungen. Nach der Parade kam noch ein grandioses Abschlussfeuerwerk. “Das ist echt Wahnsinn. Danke für den schönen Tag.” flüsterte Wincent ihr von hinten ins Ohr. 

[3] Kurze Zeit später mussten sie den Park leider verlassen. “Wir müssen unbedingt nochmal wiederkommen, man konnte ja gar nicht alles sehen.” schwärmte Wincent. “Unbedingt, ich bin sofort dabei.” Als sie wenig später am Campingplatz ankamen, merkten sie erst, wie kaputt sie waren. “Also Kind sein ist echt anstrengend.” lachte Wincent und schmiss sich ins Bett. Dann checkte er noch kurz seine Nachrichten. “Amelie bekommt immer noch richtig viele Interviewanfragen, und jetzt kommen sogar schon Fragen, ob wir nach Frankreich ziehen würden. Man die Leute haben auch echt Langeweile.” “Ich hab hier auch gerade nen Artikel gelesen, dass du mich betrügen würdest, weil du scheinbar mit einer anderen Frau im Urlaub bist. Angeblich wurde ich vor ein paar Tagen von Fans in Berlin gesehen.” lachte Steffi. “Schön, dass du das noch mit Humor nimmst. Aber es ist schon ziemlich nervig, finde ich. Ich habe ja kein Problem damit, wenn die Presse was über mich schreibt. Aber diese Lügen kann ich nicht haben. Am liebsten würde ich jede einzelne Zeitung anrufen, und das richtig stellen.” “Was hälst du denn davon, wenn wir zusammen einfach ein Interview als Richtigstellung geben?” schlug Steffi ihm vor. “Mh ich weiß nicht, meinst du nicht, dann ziehen wir die Aufmerksamkeit noch mehr auf uns?” “Naja, so haben wir sie doch auch bei uns, oder bei dir. Und das mit Unwahrheiten. Ich möchte auch nicht, dass meine Familie und Freunde das über dich lesen. Und sie fanden es auch nicht witzig, als die Nachrichten kamen, ich würde dich nur ausnutzen.” “Stimmt, so habe ich das noch gar nicht betrachtet. Vielleicht ist deine Idee ganz gut, einmal ein klares Statement abzugeben. Aber dazu müssten wir auf jeden Fall jemanden Vernünftigen finden, der das Interview führt. Ich gebe das mal an Amelie auf.” “Ne, lass mal. Ich würde dafür gerne Lara fragen. Ich denke, damit tun wir ihr auch einen Gefallen.” Wincent musste kurz überlegen, aber dann fiel es ihm ein. Lara, die Frau von Micha arbeitete ja beim Radio. Das war eine ziemlich gute Idee von Steffi. die beiden waren befreundet, da würde Lara also schon dafür sorgen, dass sie auch im guten Licht dastehen würden. Und Steffi würde sich wahrscheinlich auch wohler fühlen mit jemanden, dem sie vertraut. 

[4] “Aber lass uns erstmal das Projekt Wohnung angehen, okay?” “Na klar, aber ich frage Lara einfach schonmal, wie es ihr grundsätzlich passen würde. Sie muss das ja auch noch mit ihrem Chef abstimmen. Wie sieht denn überhaupt dein Plan nach dem Urlaub aus? Ab wann gehts im Studio weiter?” “Also ich wollte nach unserem Urlaub noch 2 oder 3 Tage bei meiner Familie sein. In der Zeit können wir ja auch die Besichtigung machen.” Dann gehts erstmal für eine Woche nach München und dann machen wir uns nen Plan, wie wir bis zum Jahresende weiterarbeiten wollen. Danach stehen ein paar Meetings für Merch und Weihnachtsaktionen an. Da bin ich also definitiv wieder im Norden und werde da sicher ein paar Tage haben, die wir für Möbelshoppen etc nutzen können. Und Kevin wollte auch nochmal vorbeikommen und gucken, was wir für das Mini-Studio in der Wohnung alles an Equipment brauchen.” “Ohman, also viel Arbeit.” “Ja, aber das schaffen wir ja wohl. Und ein paar freie Tage bleiben uns ja noch.” Er gab ihr einen sanften Kuss, dann drehten sie sich um und schliefen müde aber glücklich ein.

Auf Halbem Weg - Steffi (1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt