Kapitel 27

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Am nächsten Morgen wachte Steffi mit einem Stechen im Kopf auf. Das waren gestern wohl doch ein oder zwei Bier zuviel. Aber nach dem ganzen Stress brauchte sie diesen Abend gestern dringend. Sie stand auf, nahm eine Kopfschmerztablette und sprang unter die Dusche. Danach machte sie sich zwei Toasts und wanderte damit aufs Sofa. Sie schaute auf die Uhr. 11:30 Uhr. Da würde Wincent wohl schon wach sein. Sie suchte seinen Kontakt und wartete auf das Freizeichen. "Hallo, schöne Unbekannte" begrüßte sie Wincent. "Haha sehr witzig, sorry nochmal." "Ach komm, alles gut. Ich würde meine Hand nicht ins Feuer dafür legen, dass ich sowas auch mal vergesse. Bei deiner stressigen Woche doch auch irgendwie verständlich. Aber wie war es denn gestern Abend?" "Ach es war witzig, haben uns länger nicht gesehen, obwohl wir so dicht wohnen. Hab auch heute etwas Kopfschmerzen. Aber ich soll dich schön von allen grüßen." "Na ich bin ja auch schon bekannt bei deinen Freunden, oder?" "Naja die sind ja schon neugierig, wo ich am Wochenende so war. Sind auch schon gespannt, ob sie dich Mal kennenlernen." "Das kriegen wir sicher hin. Spätestens zur Sommertour in Bremen. Aber jetzt erzähl doch mal, was bei dir auf der Arbeit los war. Das klang ja ziemlich stressig alles." Steffi begann zu erzählen. Sie war froh, dass er ihr einfach nur zuhörte und sie sich bei ihm auskotzen konnte.

[2] Die kommende Woche war für Steffi zwar genau so stressig wie die davor, aber sie hatte sich fest vorgenommen, sich zumindest mittags und abends kurz Zeit zu nehmen, um Wincent eine Sprachnachricht zu schicken oder kurz anzurufen. Und sie merkte, dass es ihr damit auch deutlich besser ging. Auch wenn er sicher nur die Hälfte von dem verstand, worüber sie sich aufregte, hörte er sich alles ruhig an und schaffte es immer, sie wieder zu beruhigen. Im Gegensatz dazu hörte sie gespannt zu, wenn er vom neuen Album sprach. Wobei das in letzter Woche nicht so viel war. Er arbeitete mit Kevin wohl an einem neuen Song, zu dem er ihr aber noch nichts sagen konnte oder wollte. Aber wenn sie wieder in München war, würde er ihr bestimmt was neues zeigen. Und sonst fragte sie einfach Kevin. Zum Glück war jetzt Wochenende und danach müsste sie nur noch bis Mittwoch überstehen, um endlich nach München fahren zu können. Sie hatte in den letzten Wochen so viel gearbeitet, dass sie sich Donnerstag und Freitag sogar freinehmen konnte und kein Home Office bei Wincent machen bräuchte. Wincent hatte ihr versprochen, die Tage auch nicht so viel im Studio zu sein. Sie hatten also fast 4 Tage komplett. Darauf freute sie sich so sehr, auch weil sie einfach mal auf andere Gedanken kommen musste. 

[3] Für heute Abend war sie mit Jula und Nicole zum Essen verabredet. Bei den beiden gab es zur Zeit nur ein Thema "wann kommt der Antrag?" Beide waren schon fast 10 Jahre mit ihren Partnern zusammen. Für Steffi unvorstellbar, diese lange Zeit. "Ach Leute, macht euch doch keinen Stress. Ich wette mit euch, dass ihr definitiv vor mir heiraten werdet." "Na wer weiß, vielleicht fragt Wincent dich ja bald." Lachte Jula. "Wir sind ja noch nicht mal zusammen, also irgendwie nicht." Überlegte Steffi. "Aber wollt ihr das nicht mal klären, wie das weitergehen soll? Du kannst doch jetzt nicht jedes zweite oder dritte Wochenende nach München fahren und am Ende wird da nichts draus." fragte Nicole. "Ach ich weiß doch auch nicht. Solange geht das mit uns ja noch gar nicht und eigentlich ist ja schön so, wie es ist." Entgegnete Steffi. "Man Steff, dich muss man manchmal auch echt zu deinem Glück zwingen oder? Es ist doch offensichtlich, dass ihr euch mögt. Ihr habt es euch ja sogar schon gesagt. Worauf willst du denn noch warten?" "Ach kacke man, das ist alles nicht so einfach. Ich hab Angst." "Dass du wieder verletzt wirst? Das kann ich ja verstehen." Besänftigte Nicole sie. "Aber ist es dafür nicht eh schon zu spät? Du bist doch schon voll verknallt." "Ja, das stimmt." Steffi schaute betrübt zu Boden. "So habe ich mich ewig nicht gefühlt. Ich mag ihn wirklich richtig gerne. Und ihr habt ja Recht. Ich muss für mich wissen, in welche Richtung das gehen soll." "Mach dir da nicht solche Gedanken. Ja, du solltest mit ihm klären, in welche Richtung es geht. Ihr müsst ja nicht sofort heiraten. Auch den Anfang zu einer Beziehung hin kann man langsam angehen." Steffi schaute die beiden dankbar an. "Mich nervt es ja selber, dass ich mir immer selber im Weg stehe und meinen Scheiß Kopf nicht ausschalten kann. Warum muss das denn auch immer alles so kompliziert sein? Es wäre viel einfacher, wenn er hier wohnen würde und nen ganz normalen Job hätte." "Normal kannst du doch gar nicht" lachte Jula. "bisher war dein Liebesleben irgendwie ja immer ein Abenteuer. Und das klingt doch auch nach einem richtig schönen Abenteuer. Du packst das, du bist viel stärker als du eigentlich glaubst!" 

[4] Abends im Bett dachte Steffi noch über die Worte von Jula und Nicole nach. Was war nur mit ihr los? Sie war sonst immer diejenige, die die anderen aufbaute und gute Ratschläge gab. Sie wusste doch auch eigentlich, dass sie stark genug für die Herausforderung mit Wincent war. Sie würde dafür kämpfen. Und Jula sah das schon richtig, wenn sich daraus wirklich mehr entwickeln sollte, könnte das wirklich ein Abenteuer werden. Voller Vorfreude auf die Tage mit ihm schlief sie ein. Auch Wincent grübelte in den letzten Tagen darüber, ob das, was er da geplant hatte, auch richtig war. Steffi war mit ihren Gedanken zur Zeit ganz woanders und er fühlte sich ein bisschen schuldig, dass er für zusätzlichen Stress sorgte, weil er so weit weg war. Er versuchte, während der Telefonate ihr viel Verständnis entgegenzubringen. Er wusste ja selber, wie es war wenn man viel Stress hat und wenig Zeit für Freunde und Familie. Und für sich selbst. Auf der einen Seite war es natürlich gut, dass sie sich da so ähnlich waren aber er hoffte, dass ihnen ihre Lebensumstände da nicht im Wege stehen würden und sie die richtigen Kompromisse finden würden. Aber da machte er sich eigentlich keine großen Sorgen. So wie er Steffi kennengelernt hatte, war sie offen für neues und in ihrem Job scheinbar auch ein bisschen flexibel. Das musste er leider verlangen.

Auf Halbem Weg - Steffi (1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt