Die ganze Wohnung war verdunkelt, der Flur war vollgestellt, überall lagen Klamotten, Schuhe und Taschen rum. Als er ins Wohnzimmer kam, lag Steffi schlafend in ihre Wolldecke gekuschelt auf dem Sofa. Vor ihr auf dem Tisch lag ein Pizzakarton mit einer halben Pizza vom Vortag. Ach herrje, dachte sich Wincent. Hier war ja in den letzten Wochen gar nichts passiert. Warum hatte er nicht weiter nachgefragt? Dass es ihr scheinbar so schlecht ging, dass ihr um sich herum alles egal war, hatte er nicht vermutet. Er setzte sich neben sie aufs Sofa, schaltete den Fernseher aus und strich ihr über den Kopf. Dieser glühte und Wincent erschrak. Er legte ihr nochmal die Hand auf die Stirn und dabei merkte er, wie sie schwitzte. Er griff nach ihrer Hand. Die war eiskalt. “Steffi, wach auf.” flüsterte er ihr behutsam zu und rüttelte sie sanft an der Schulter. Aber sie rührte sich nicht. Erst, als er sie etwas kräftiger schüttelte, öffnete sie langsam die Augen. Sie sah ihn verschlafen an. “Was machst du denn hier?” Ihre Stimme klang heiser und kraftlos. “Ich wollte dich überraschen. Ich habe mir Sorgen gemacht. Und das scheinbar auch zurecht. Was ist hier los?” “Ich weiß es nicht. Mir war schon die ganze Nacht so kalt, und dann wieder heiß. Und heute morgen war mir schwindelig. und irgendwann muss ich wohl hier eingeschlafen sein.” nuschelte Steffi vor sich hin. “Hast du ein Fieberthermometer? Du glühst ja richtig.” “Ja, in meinem Nachtschrank.” Wincent stand auf, klappte den Pizzakarton zu und holte das Fieberthermometer. Er reichte es Steffi und sie steckte es brav in den Mund.
[2] Als es piepte, schaute Wincent schnell drauf. “40,1! Steffi, du hast hohes Fieber. Man, was machst du denn für Quatsch? Warum hast du mir nicht geschrieben?” Wincent war verärgert, aber zugleich auch extrem besorgt. Was wäre passiert, wenn er nicht gekommen wäre? Wenn ihr Kreislauf das nicht mehr mitgemacht hätte? Steffi hatte inzwischen ihren Kopf schon wieder auf Wincents Oberschenkel abgelegt und antwortete ihm nicht. Wincent war völlig überfordert mit der Situation und wusste nicht, was er machen sollte. Also rief er seine Mutter an. “Wichtig ist, dass sie viel trinkt. Guck mal, ob sie fiebersenkende Schmerzmittel hat. Und Wadenwickel helfen, um die Temperatur etwas niedriger zu kriegen. Wenn es morgen noch nicht besser ist, fahr mit ihr zum Arzt. Und sonst melde dich gerne, ja?” “Danke Mama.” Zum Glück hatten Mütter immer einen Rat! Er strich ihr sanft durchs Haar. “Was machst du nur für einen Mist.” murmelte er leise. Dann stand er auf, um sie vom Sofa in ihr Bett zu tragen. Dabei wäre er fast 3 mal über irgendwelche Klamotten gestolpert. “So ein Scheiß man.” fluchte er. Steffi sah ihn mit glasigen Augen an. Er legte sie ins Bett und hielt ihr die Flasche Wasser hin, die neben ihrem Bett stand. “Und die trinkst du jetzt aus!” mit zittrigen Händen nahm Steffi die Flasche entgegen und nahm ein paar Schlucke. “Mehr schaffe ich nicht.” flüsterte sie und senkte den Arm. Sie kam sich so hilflos und klein vor. Sie fühlte sich sehr schlapp und konnte kaum die Augen aufhalten.
[3] Es war ihr so unangenehm, dass Wincent sie in diesem Zustand sehen musste, aber sie war auch froh, dass er da war. Wincent deckte sie zu und gab ihr noch einen Kuss auf die heiße Stirn. Dann suchte er im Badezimmer nach Handtüchern, die er in kaltes Wasser tauchte und Steffi um die Waden wickeln konnte. Fiebertabletten konnte er leider nicht finden. Er schaute sich in dem Chaos um und begann, die Klamotten vom Boden zu sammeln und in die Wäschekörbe zu legen. Danach räumte er den Flur auf und machte sich an das dreckige Geschirr in der Küche zu schaffen. So hatte er sich seine freie Zeit mit Steffi natürlich nicht vorgestellt, aber er war froh, dass er jetzt bei ihr sein konnte. Er schickte Micha kurz eine WhatsApp um ihm zu danken, dass er ihn nochmal darauf hingewiesen hatte, dass etwas nicht stimmte. Vielleicht sollte er auch kurz auf Steffis Handy schauen, es machten sich sicher noch mehr Leute sorgen. Zumindest ihrer Mama sollte er auf jeden Fall schreiben. Als er ihr Handy entsperrte, sah er, dass sie wirklich unzählige Nachrichten hatte. Er wollte sie gar nicht alle durchlesen und überflog nur, ob irgendwas wichtiges dabei war. von Jula hatte sie mehrere Nachrichten und zwei verpasste Anrufe. Da entschied er, sie einmal zurückzurufen. “Man Steffi, endlich meldest du dich.” “Hey, hier ist Wincent. Hallo Jula.” “Oh Hi, ähm wieso rufst du denn an? Ist was mit Steffi? Wir wollten heute zusammen Fussball gucken, aber sie hat sich nicht gemeldet. Warte, bist du bei ihr?” “Ja, ich bin vorhin gekommen und habe sie mit hohem Fieber auf dem Sofa gefunden. Es geht ihr echt scheiße, aber jetzt pennt sie erstmal.” “Oh shit.” pustete Jula ins Telefon. “Braucht ihr noch irgendwas?” Wincent überlegte kurz. “Sie hat keine Tabletten gegen Fieber hier, und der Kühlschrank ist auch ziemlich leer. Da war wohl jemand länger nicht einkaufen. Ich würde sie ungern hier alleine lassen.” “Klar, verstehe. Kein Thema. Ich habe morgen frei und kann alles besorgen. Schreib mir einfach kurz, was ihr braucht und dann bringe ich das morgen vorbei.” Wincent atmete auf. “Danke Jula, das ist echt nett von dir.” “Kein Thema. Danke, dass du dich eben gemeldet hast. Die anderen machen sich auch schon Sorgen, weil sie sich in letzter Zeit so zurückgezogen hat.” “Ja ich weiß, aber ich konnte noch nicht mit ihr sprechen, was eigentlich los ist. Wahrscheinlich einfach zu viel Stress."
[4] Es beruhigte Wincent, dass er scheinbar nicht der Einzige war, der bemerkt hatte, dass es Steffi nicht gut ging. Aber umso dringender musste er mit ihr reden, wenn sie wieder fit war. Dieser Zusammenbruch war bestimmt die Krönung von all dem Stress der letzten Wochen. Zwei Stunden später hatte er das Chaos beseitigt und die erste Maschine Wäsche aufgehangen. Stolz begutachtete er sein Werk, als er von hinten zwei nackte Füße antapsen hörte. Er dreht sich um und Steffi stand auf ihren wackeligen Beinen nur mit einem viel zu großen Shirt bekleidet vor ihm. Irgendwie sah sie auch ein bisschen niedlich aus, mit ihren zerzausten Haaren und dem müden Blick. Sie schenkte ihm ein müdes Lächeln. “Danke.” Dann senkte sie den Kopf und ließ ihn gegen seine Brust fallen. Wincent schloss seine Arme um sie und drückte sie fest an sich. “Du bist mir so eine Pfeife. Ich hab mich ganz schön erschrocken, als ich hier reingekommen bin. Alle haben sich Sorgen um dich gemacht. Aber da reden wir in Ruhe drüber, wenn du wieder fit bist. Geht es dir denn ein bisschen besser?” “Ja, ein bisschen.” Wincent fühlte nochmal Steffis Stirn. “Du glühst aber immer noch ganz schön. Hast du Hunger?” “Nicht wirklich, aber vielleicht sollte ich mal ein bisschen was essen. Aber ich ich kriege bestimmt nichts runter.” “Du hast auch leider nichts mehr zu essen.” Dabei musste Wincent ein wenig schmunzeln. “Aber du solltest auf jeden Fall noch was trinken. Ich bestelle uns gleich was, langsam kriege ich nämlich Hunger. Morgen kommt Jula und bringt Einkäufe und Tabletten gegen dein Fieber vorbei.” Steffi wollte sich gerade von Wincent lösen, als sie leicht zusammen sackte. Wincent konnte sie gerade noch festhalten. “Mir ist schwindelig.” jammerte sie wieder in Wincents Arm. “Dann ab, zurück ins Bett. Ich helfe dir.”
[5] Steffi fühlte sich so elendig, wie lange nicht mehr. Für sie war es ganz schwer zu ertragen, dass sie nicht Herrscher über ihren Körper war und gerade noch nichtmal in der Lage war, alleine auf zwei Füßen zu stehen. Sie wusste nicht, wann sie sich das letzte Mal so dreckig gefühlt hatte und war froh, als sie wieder im Bett lag. Wincent setzte sich neben sie aufs Bett und bestellte über sein Handy Bratnudeln und eine Pho Suppe vom Chinesen. Auch wenn Steffi noch nichts essen wollte, würde ihr ein bisschen Brühe sicher helfen. Es dauerte keine Viertelstunde, da war Steffi wieder eingeschlafen. Wincent hing in der Zwischenzeit die nächste Ladung Wäsche auf, bis das Essen kam. Er ließ Steffi schlafen und schob sich schnell die Nudeln rein. Appetit hatte er überhaupt nicht, aber er musste etwas essen. Dann machte er Steffi nochmal neue Wadenwickel und legte sich dann zu ihr ins Bett. Sie war immer noch sehr warm und er achtete darauf, dieses Mal nicht zu viel Körperkontakt zu haben. Er griff nur nach ihrer Hand und hielt sie fest, um ihr zu signalisieren, dass er bei ihr war. Irgendwann schlief auch er erschöpft ein.
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Auf Halbem Weg - Steffi (1)
FanfictionTeil 1 Steffi und Wincent Steffi (28) gerät durch einen dummen Streich in Kontakt mit Wincent Weiss, den sie bis dahin so gut wie kaum kannte. Wie kam es zu diesem Treffen und wie wird es ausgehen?
