Kapitel 56

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Am nächsten Morgen mussten sie leider relativ früh wieder aufstehen, da es für Wincent schon wieder in die nächste Stadt zum nächsten Konzert gehen würde. Erst jetzt überlegte Wincent, das es ja Montag war und das Steffi doch eigentlich arbeiten müsste. Er hatte sie noch gar nicht gefragt, wann sie wieder nach Hause musste. Er hatte gestern auf dem Weg in die Wohnung nur gesehen, dass sie mit Auto gefahren war. “Sag mal bist du jetzt extra nur für das Konzert hergekommen?” fragte er erschrocken. “Nein, keine Sorge. ich bin schon seit zwei Tagen hier. Ich musste ja ein bisschen mit Fabi üben. Und ich kann auch noch die paar Tage bis zum Abschluss mitkommen. Ich habe mit meinem Chef gesprochen und er hat mir erlaubt, dass ich von unterwegs arbeiten kann. Tagsüber bist du auf Tour ja eh beschäftigt. Da kann ich mich auch in den Bus zurückziehen.” Wincent strahlte sie an, als wenn man einem Kleinkind gerade einen Lolli angeboten hätte. Dann küsste er sie stürmisch und schmiss sie wieder zurück ins Bett. Alle Zweifel waren wie weggeblasen. “Irgendwann muss ich deinem Chef nochmal Danke sagen.” “Das ergibt sich bestimmt nochmal. Meine Kollegen sind eh schon ganz neugierig, dich kennenzulernen.” “Das werden wir hinkriegen. Und jetzt müssen wir mal aufstehen.” Er sprang aus dem Bett und machte sich auf den Weg ins Bad.

[2] In der Küche saß schon Fabi. “Guten Morgen mein Schatz” strahlte er ihn an.“ Diggi, ich muss dir echt nochmal Danke sagen, was du da mit Steffi gemacht hast.” “Man Wince, natürlich. Ich hätte dich auch eigenständig geköpft, wenn ihr das nicht wieder hinbekommen hättet.” “Ja, ich weiß.” gab Wincent kleinlaut von sich. “Das wird so schnell auch nicht wieder passieren. Man Fabi, das hätte ich nie für möglich gehalten aber gestern auf der Bühne dachte ich wirklich, ey das könnte wirklich die eine sein.” Fabi klopfte ihm anerkennend auf die Schulter. Als er zurück in sein Zimmer ging, stand Steffi gerade vorm Spiegel und band sich die Haare zurück. Er trat auf sie zu und umarmte sie von hinten. “Habe ich dir schonmal gesagt, wie schön du bist? Ich würde am liebsten der ganzen Welt zeigen, dass du zu mir gehörst.” Steffi zückte ihr Handy, schoss ein Foto von den beiden im Spiegel und schickte es Wincent direkt per WhatsApp. Dann drehte sie sich zu ihm und schaute ihm in die Augen. “Dann mach es.” sie lächelte ihn an. “Wirklich?” Er schaute sie ernst an. “Ja, ich hab auch keine Lust mehr auf das Versteckspiel. Jetzt will ich auch, dass alle wissen, wer an deiner Seite ist.” Wincent zückte sein Handy, um das Foto hochzuladen. Als Caption wählte er einfach nur ein Herz. Es bedeutete ihm wahnsinnig viel, dass Steffi bereit war, mit ihm diesen Schritt zu gehen. Für Steffi war das gerade eine spontane Entscheidung, aber sie hatte das Gefühl, dass es richtig war.Dann packten sie ihre Sachen zusammen. Amelie würde sie gleich abholen und dann würden sie zusammen nach Nürnberg fahren, wo der Rest der Crew schon warten würde. Zum Abschied nahm Steffi Fabi noch einmal in den Arm und bedankte sich für seine Hilfe. Als Wincent die beiden da so stehen sah, musste er auch nochmal beide drücken. Als sie runtergingen, stand Amelie schon unten. “Na du kannst aber froh sein, dass du ein entspanntes Management hast.” lachte sie, als sie beide hinten einstiegen. “Hö? Wieso? fragte Wincent. “Naja als alleinstehender Teenie-Star kann man dich deutlich besser vermarkten als ein glücklich Vergebener.” “Weißt du was? Das ist mir Scheiß egal. Ich bin ein offenes Buch, das wissen meine Fans. Und ich bleibe mir treu.” “Wincent, alles gut.” beruhigte Amelie ihn. “Wie gesagt, uns ist dein Liebesleben völlig egal. Naja also nicht egal, aber es hat nichts mit deiner Karriere zu tun. Mach das, worauf du Bock hast. Aber du kannst dir ja vorstellen, dass Instagram überquillt. Er nahm sein Handy in die Hand und las sich einige Kommentare durch. “Auf jeden Fall viele Herzen.” stellte er fest. “Aber viele fragen auch, ob ich jetzt wirklich eine Freundin habe. Das stelle ich jetzt nochmal kurz klar.” 

[3] Er hielt sich das Handy vor sein Gesicht: “Moin Leute, ich lese gerade eure Kommentare zu meinem letzten Post. Ihr wisst, dass ich immer ehrlich zu euch bin. Ja, das ist meine Freundin. Ich habe es tatsächlich auch mal geschafft. Ich bleibe euch natürlich so wie immer erhalten. Aber ich möchte euch bitten, auch meine Privatsphäre ein bisschen zu respektieren. Danke und Tschau, bis bald Leute.” grinsend steckte er das Handy wieder weg. “Übrigens, Steffi, von deinem Auftritt gibt es auch schon ein Video bei Youtube.” Schnell schaute sie nach. Da hatte sie ja überhaupt nicht dran gedacht, dass sowas auch passieren würde. Jetzt war sie etwas aufgeregt. Wincent lehnte sich zu ihr rüber, um sich das Video mit anzuschauen. Dabei griff er ihre Hand. Für Steffi war es richtig ungewohnt, sich selbst auf der Bühne zu sehen. Als Wincent am Ende vor ihr stand, kamen ihr wieder die Tränen in die Augen, so gerührt war sie von der Situation. “Ey, ich bin so unfassbar stolz auf dich, du machst das so gut!” Steffi schaute ihn an und gab ihm einen Kuss. “Und guck mal, die Kommentare. Die Leute rasten aus, weil sie es so toll finden.” “Ohman, soviel Aufmerksamkeit wollte ich eigentlich gar nicht.” “Ach, das legt sich auch wieder nach ein paar Tagen.” Na hoffentlich hatte Wincent damit Recht. Steffis Ziel war es nämlich nicht, sich damit in die Öffentlichkeit zu drängen. Sie wollte doch lediglich ihren Freund zurückhaben. Sie schaute ihn an. Immerhin hatte sie das geschafft. Alles andere würden sie jetzt auch gemeinsam durchstehen. Sie hoffte nur, dass es wirklich die richtige Entscheidung war, schon so früh an die Öffentlichkeit zu gehen. Aber sie hatte Wincent an ihrer Seite, er würde schon dafür sorgen, dass alles gut läuft.

Auf Halbem Weg - Steffi (1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt