Kapitel 82

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Am nächsten Morgen wachten sie ziemlich verkatert auf. “Also die Kombi aus zu viel Alkohol, Stess und wenig Schlaf ist echt nicht so geil für den nächsten Morgen.” stöhnte Steffi und rieb sich die Augen. “Naja, mit zu wenig Schlaf könnte ich noch leben, wenn das immer so abläuft wie letzte Nacht. Aber stimmt, in Kombi nicht so vorteilhaft.” brummte Wincent neben ihr. “Mal gucken, wie es Amelie geht.” Wie aufs Stichwort klopfte es an Steffis Schlafzimmertür. Die Tür öffnete sich langsam und ein verwuschelter rothaariger Kopf linste durch den Türspalt. “Steffi, deine Tauben auf dem Balkon nerven. Kann ich mich zu euch kuscheln? Habt ihr was an?” Wincent rutschte ein Stück zu Steffi und klopfte auf die Matratze neben sich. “Na klar, komm ran hier. Zwei Frauen im Bett sollen mir auch recht sein.” Dafür kassierte er direkt einen Stoß von Steffis Ellenbogen. Amelie ließ sich müde neben Wincent fallen. So schlummerten die drei noch eine Weile vor sich hin. Gegen Nachmittag machte Amelie sich wieder auf den Weg nach Hause und Steffi und Wincent beschlossen, den Rest des Tages bei Steffi in der Wohnung auszukatern und am Sonntag den Tag in Hamburg zu verbringen. Als sie es sich gerade auf dem Sofa gemütlich gemacht hatten, brummte Wincents Handy. “Das ist Amelie, da muss ich rangehen. Nicht, dass etwas auf der Rückfahrt passiert ist.” er sprang vom Sofa auf, um in der Küche mit ihr zu telefonieren. 

[2] Kurze Zeit später kam er lächelnd zurück ins Wohnzimmer. “Was freust du dich denn so?” “Ich habe gerade ein Jobangebot bekommen.” Steffi sah ihn fragend an. “Mein Management wurde angefragt, ob ich bei The Voice Kids mitmachen möchte.” “Nicht dein Ernst?” Steffi sprang vom Sofa auf. “Doch, ich soll da neuer Coach werden. Wie verrückt ist das denn bitte?” Voller Freude fiel Steffi ihm um den Hals. “Das ist ja mega, das freut mich richtig für dich. Und wann geht das los?” “Anfang November sollen wohl erste Infotermine stattfinden, und Meetings für Videos und Bilder. Und im Februar sind dann die ersten Aufzeichnungen. Die Liveshows sollen dann Ende Februar stattfinden und das Finale im März.” Wincent konnte es noch gar nicht richtig glauben. Damit hatte er nie gerechnet. “Ich habe Amelie aber gesagt, dass ich das Ganze auf jeden Fall auch mit dir besprechen möchte.” “Wieso das denn? Ist doch ne mega Chance, die du auf jeden Fall nutzen solltest.” Wincent legte Steffi die Arme um die Hüfte. “Ich weiß, ich möchte sie auch gerne nutzen. Aber ich habe dir versprochen, dass ich mir auch Zeit für uns nehme und mein Job nicht immer an erster Stelle stehen wird.” “Du bist süß, und das bedeutet mir viel.” Steffi schaute ihm tief in die Augen. “Ich unterstütze dich da voll und ganz. Und vielleicht kann ich ja auch mal mit zu den Dreharbeiten kommen?” “Ganz sicher, soweit Amelie die Infos hatte, werden die Aufzeichnungen der ersten Shows an mehreren Tagen in Köln gedreht, da werde ich sicher ne zeitlang sein müssen.” “Das kriegen wir schon hin. Köln ist ja auch nicht so weit weg.” “Ich liebe dich. Danke für deine Unterstützung. Dann sag ich Amelie gleich mal Bescheid. Jetzt müssen wir das nur noch hinkriegen, nichts zu verraten, bis die offizielle Meldung im Januar kommt.” Er strich sich mit seinen Händen durchs Gesicht. “Na, das ist ja nicht so euer Spezialgebiet.” lachte Steffi. Sie hatte durch Instagram schon mitbekommen, dass die beiden extrem schlecht darin waren, Neuigkeiten vor seinen Fans geheimzuhalten und inzwischen hatte sich daraus auch schon ein Running Gag ergeben.

[3] Die nächsten Wochen vergingen wie im Fluge. Wincent hatte seine ersten Meetings für die The Voice Kids Show, zudem noch ein paar TV Auftritte mit Manu und Benni und mit Kevin arbeitete er fleißig am Album weiter. Steffi war in der Zwischenzeit noch einmal in München für ein paar Tage und freute sich, Fabi und die anderen im Studio auch mal wieder zu sehen. Ansonsten pendelte sie viel zwischen Bremen und Hamburg, wo sie Wincent vereinzelt ein paar Tage zwischendurch sehen konnte. Inzwischen hatte sie sich aber so sehr in der neuen Wohnung eingelebt, dass sie auch fürs Home Office ab und zu herkam, um hier ihre Ruhe zu haben. Auch wenn sie allein war, fühlte sie sich Wincent hier deutlich näher als in ihrer Wohnung in Bremen. Für ein Wochenende hatte sie ihre Mädels nach Hamburg eingeladen und sie machten sich ein paar schöne Tage dort. Sie war um jeden Tag froh, der sie etwas von der Arbeit ablenkte, denn dort gab es mal wieder eine Menge zu tun. Da es im November bei beiden arbeitstechnisch stressig bleiben würde, hatten sie sich für den Dezember fest vorgenommen, wieder mehr Zeit gemeinsam zu verbringen, um auch die Vorweihnachtszeit zu genießen. Es war sehr kalt draußen geworden und der Herbst zeigte sich von seiner ungemütlichen Seite. So oft sie konnte, verzog Steffi sich in ihre gemeinsame Wohnung, die inzwischen fast komplett eingerichtet war. Auch die Küche war bereits eingebaut und ihr Klavier hatte seinen Platz im Aufnahmezimmer gefunden. Hier konnte sie sich ab und zu mal einfach entspannen und sich aufs Sofa kuscheln, während sie das norddeutsche Schietwetter von drinnen beobachtete. Natürlich fehlte ihr Wincent in solchen Momenten besonders, aber sie telefonierten so oft es ging. Allerdings löste das Wetter in Steffi auch ein anderes Gefühl aus. Sie musste sich morgens wirklich zwingen, aufzustehen und hatte wenig Lust, die Wohnung zu verlassen. Generell wurde ihre Stimmung etwas betrübter, wie das Wetter eben auch. Sie hoffte aber, dass diese Stimmung bald durch die Vorweihnachtszeit, den Duft von Glühwein und Mandeln, den bunten Schaufenstern und der Musik bald wieder angehoben wurde. Doch das betrübte Gefühl breitete sich immer weiter in ihr aus.

Auf Halbem Weg - Steffi (1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt