Kapitel 145

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Hallo mein Schatz, schön dich mal wieder zu sehen." freute sich Steffis Oma, als sie am Nachmittag vor ihrer Tür stand. Steffis Oma hatte Kuchen gebacken und freute sich, ihre Enkelin mal wieder zu sehen. Aber sie sah ihr auch an, dass sie etwas bedrückte. "Ich habe einfach Angst, dass mich diese ganzen Eindrücke und Erfahrungen überrennen. Durch Wincent hat sich so vieles in meinem Leben verändert, natürlich zum Positiven. Ich bin unendlich dankbar, Oma, was ich mit ihm erleben darf. Ich habe nur manchmal das Gefühl, dass wir da beide zu sehr im Tunnel sind und vielleicht auch als selbstverständlich ansehen. Ich meine, es ist für dieses Jahr wieder so viel geplant und ich komme gar nicht hinterher, das alles zu verarbeiten." "Ach mein Kind, ich bin mir ganz sicher, dass ihr euren Weg gehen werdet. Aber vielleicht hilft es dir, deine Gedanken und Erlebnisse mal aufzuschreiben? Einfach festzuhalten. So kannst du immer mal nachlesen, wenn du dich an gewisse Dinge erinnern möchtest und deine Gefühle und Gedanken dazu für den Moment loslassen. Ich mache das schon mein ganzes Leben." Sie stand auf und kramte ein Notizbuch heraus. "Ich wusste, dass irgendwann der Moment kommen wird, es dir zu geben. Es gibt viele dieser Bücher, auch für deine Mama, deine Tante und deine Cousins. Darin habe ich Erinnerungen aufgeschrieben, die ich mit euch verbinde, damit ich sie niemals vergesse." Sie überreichte Steffi das Buch. Diese schaute ihre Oma sprachlos an. "Ich, ähm, weiß gar nicht was ich sagen soll. Wow." sagte sie gerührt. Dann fiel sie ihr um den Arm und fing an zu weinen. Sie war so dankbar für alles, was ihre Oma für sie getan hatte. 

[2] Als sie wieder in ihrer Wohnung war, packte sie ein paar Sachen zusammen und das Buch, was sie von ihrer Oma bekommen hatte, und machte sich auf den Weg nach Hamburg. Sie wollte unbedingt dort in dem Buch blättern, ganz ungestört. Natürlich schrieb sie Wincent kurz davon und er wollte sich abends noch kurz bei ihr melden. Sie hatte es sich gerade mit einem Tee und dem Buch auf dem Sofa gemütlich gemacht, als er sie anrief. "Hey, ich vermisse dich so sehr." seufzte er ins Telefon. "Wie geht es dir? Und was ist das für ein Buch von deiner Oma?" "Mir geht es gut, ich bin nur etwas platt von den ganzen letzten Wochen." und dann erzählte sie ihm noch etwas mehr über das Buch von ihrer Oma. "Wie war dein Tag?" fragte sie dann. "Frag lieber nicht...es läuft nicht wie geplant und das nervt uns alle ziemlich. Aber lass uns da bitte nicht drüber reden. Erzähl mir lieber etwas schönes. Ich genieße es gerade, deine Stimme zu hören."  Steffi wusste gar nicht wirklich, was sie ihm erzählen sollte und beschloss deshalb, ihm einfach ein bisschen aus dem Buch von ihrer Oma vorzulesen. Es war für sie, als würde sie zurück in ihre Kindheit tauchen und Wincent dabei mitnehmen. 

[3] Wincent hatte es sich in seinem Bett in München gemütlich gemacht und das Handy neben sein Ohr gelegt. Er lauschte Steffis Stimme und genoss diese Geborgenheit und Ruhe, die sie ihm gab. Es half ihm tatsächlich dabei, einfach komplett abzuschalten und seine Gedanken zu verlieren. Er stellte sich die Geschichten bildlich vor und musste dabei auch immer wieder daran denken, wie er früher aufgewachsen war. Ähnlich behütet und liebevoll. Genau so wünschte er sich das später auch für seine Kinder und Enkelkinder. Irgendwann musste er wohl eingeschlafen sein, denn als er das nächste Mal aufs Handy schaute, war das Telefonat beendet und es war 03:00 Uhr. von Steffi hatte er noch zwei Nachrichten bekommen. "Du schnarchst! 😂" und "Schlaf gut, Ich liebe dich ♥" Er musste grinsen. "Ich liebe dich auch. Danke.! Liest du mir morgen wieder was vor? Das beruhigt mich voll." Dann drehte er sich um und schlief sofort weiter

Steffi konnte gar nicht mehr aufhören, im Buch ihrer Oma zu lesen. Noch lange, nachdem Wincent am Telefon eingeschlafen war, laß sie weiter. Am nächsten Morgen fasste sie dann einen Entschluss. Sie machte sich einen Kaffee, schnappte ihren Laptop und setzte sich in das Musikzimmer. Dort hatte sie immer das Gefühl, Wincent am nähsten zu sein. Und dann begann sie, zu schreiben.

Auf Halbem Weg - Steffi (1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt