Kapitel 50

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Bei Steffi auf der Arbeit war gerade extrem viel zu tun, und ihr Chef hatte keine gute Laune. Sie wusste, dass sie gar nicht erst danach fragen brauchte, ob sie sich nochmal 2 Tage frei nehmen konnte, um Wincent für ein paar Tage auf Tour zu begleiten. Das müsste sie Wincent wohl oder übel mitteilen. Sie hatte so gehofft, dass es klappt und sie sich endlich wieder sehen können. Sie schrieb ihm eine Nachricht und erhielt kurze Zeit später schon die Nachricht. “Schade, irgendwie soll es nicht sein :( Lass uns nachher nach dem Konzert telefonieren.” Er schrieb schon in den letzten Tagen immer nur kurze Nachrichten zurück, und die Telefonate hielt er auch relativ kurz. Als Steffi ihn darauf mal ansprach, sagte er nur, dass er gerade viel um die Ohren hätte und der Touralltag langsam Spuren hinterlassen würde. Sie freute sich aber darauf, später wieder seine Stimme zu hören. Bald war es geschafft. Dann war die Tour vorbei und sie würden endlich wieder etwas mehr Zeit miteinander haben.Das Telefonat war dann aber irgendwie angespannt. Wincent war sehr schweigsam und hatte nicht viel zu erzählen. Er wirkte total in Gedanken verloren. 

[2] Steffi: “wir haben uns jetzt schon einen Monat nicht mehr gesehen. Ich bin froh, wenn die Tour vorbei ist.”

Wincent: “Das liegt aber nicht nur an mir. Du hast ja an den Wochenenden auch andere Pläne, als zu mir zu kommen. Du wusstest, wie lange die Tour gehen wird.”

Steffi: “Ja, ich habe aber auch noch ein Privatleben mit meinen Freunden und meiner Familie. Ich kann und will nicht alle hinten anstellen, damit ich jedes Wochenende bei dir sein kann. Und ja, ich wusste, wie lange die Tour geht. Aber du hast auch Offdays zwischendurch, die du lieber für andere Dinge nutzt. Ich hab alle deine Entscheidungen und Planungen akzeptiert. Aber du kannst nicht von mir verlangen, dass ich mein Leben komplett umkrempel und nur nach dir richte.” 

Wincent: “Also ist das jetzt alles meine Schuld? Weil ich gerade derjenige mit dem unflexiblen Job bin? Ich kann nunmal nicht einfach Home Office machen oder so. Meine Fans brauchen mich, denen ist es wichtig, dass ich für sie da bin und Konzerte spiele.”

Steffi: “Willst du damit sagen, dass dein Job wichtiger ist, als meiner? Ich werde hier auch gebraucht, vor Ort.” 

Wincent: “Ich will damit gar nichts sagen. Du willst mich glaube ich nicht verstehen. Es wird mich wohl nie jemand verstehen können. Vielleicht war das alles ein Fehler. Ich kann dir einfach nicht das geben, was du dir wünscht. Und vor allem nicht, was sich deine Familie für dich wünscht.”

Steffi: “Willst du mich gerade verarschen? Das habe ich nie gesagt. Und was meine Familie denkt, hat hier auch nichts zu suchen. Du verlangst viel Verständnis von mir, und das habe ich dir immer gegeben. Aber im Gegenzug dazu erwarte ich auch ein bisschen Verständnis für mein Leben. Warum sprichst du jetzt von einem Fehler? Das ist doch Quatsch.”

[3] Wincent: “Nein. Ich war schonmal in genau dieser Situation vor ein paar Jahren. Und danach ist die Beziehung kaputt gegangen. Ich will dich nicht verletzen, aber ich weiß wo das hier hinführt.”

Steffi: “Wie meinst du das? Wo soll das hinführen?”

Wincent: “Wir sind beide gerade unglücklich. Du wirst irgendwann bereuen, dich auf das alles hier mit mir eingelassen zu haben. Und dann würdest du dir wünschen, du hättest einen stinknormalen Typen an deiner Seite.” 

Steffi: “Du spinnst doch. Das werde ich ja wohl selber entscheiden dürfen, ob ich das hier alles will oder nicht. “

Schweigen. Steffi hörte Wincent atmen.

Wincent: “Aber ich will das gerade nicht mehr…”

 Seine Stimme klang leer und ausdruckslos. Dann war die Verbindung unterbrochen.

Auf Halbem Weg - Steffi (1)Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt