Peter
Peter kramte durch seinen Kleiderschrank. Nichts gefiel ihm. Er besaß viele Kleidungsstücke, aber er konnte nichts finden, dass ihm auch nur annährend gefiel.
Eine weiße Hose mit gelbem Hemd? Nein. Einen schwarzen Anzug? Nein. Eine bestickte Weste mit goldenen Knöpfen zu einem gemusterten Hemd und einer schwarzen Hose? Nein. Er hatte im wahrsten Sinne des Wortes einen Schrank voller Nichts zum Anziehen. Nichts gefiel ihm. NICHTS!
Schlecht gelaunt stellte er sich vor seinen großen Spiegel. Dünn sah er aus, nicht besonders muskulös, mit großen grauen Augen und gepflegten Haaren. Um seinen Hals hing die Kette seiner Schwester und funkelte im Licht.
Lasse ich mir die Haare lang wachsen? ... Was ziehe ich nur an... Langsam komme ich zu spät zum Frühstück.
Das tragischste an der ganzen Sache war, dass ihm bewusst war, dass er viel besaß. Genervt zog er sich seinen bunt gemusterten Seidenmorgenmantel über und verließ sein Zimmer.
Einige der Diener betrachteten ihn amüsiert, andere schauten schnell weg und manche schauten ihm etwas zu lange hin, aber das war er gewohnt.
Er schlenderte die vielen Flure des Schlosses entlang, streckte einem der Gemälde die Zunge raus, da er sich von den mitwandernden Augen des Mannes auf dem Bild verfolgt fühlte und kam schließlich im Esszimmer an. Die Königin saß bereits am Tisch und trank Kaffee. Auch sein Vater war wieder da und las in einer Zeitung.
„Guten Morgen liebe Eltern", begrüßte er sie überschwänglich und setzte sich an den Tisch.
„Trägst du nur deinen Morgenmantel!" Seine Mutter sah ihn mit mürrischer Miene an.
„Guten Morgen, Mutter. Ich habe wunderbar geschlafen, danke das du fragst." Er zwinkerte ihr zu. „Und gerne teile ich dir mit, dass ich nicht nur diesen wunderbaren Morgenmantel trage. Nein! Ich trage auch Unterwäsche! Phänomenal, ich weiß. Du darfst aufhören Beifall zu klatschen! Danke."
„Ich klatsche nicht." Die Königin schmierte sich Erdbeermarmelade auf ein Buttercroissant.
„Das ist sehr bedauerlich."
„Warum trägst du nur einen Morgenmantel zum Frühstück?", mischte sich nun sein Vater genervt ein.
„Weil mir heute nach einem Morgenmantel ist, Vater. Wachst du nicht auch manches Mal auf und denkst dir, heute ist ein wunderbarer Tag für einen luftig frischen Morgenmantel? Am besten einer aus kühler Seide?"
„Nein."
„Wie schade. Du verpasst etwas."
„Peter? Morgen werden ein paar junge Damen zum Tee kommen. Du wirst ihnen Gesellschaft leisten. Darunter wird Babette sein, sowie die drei Töchter der Herzogin von Bach und die Tochter der Gräfin von Grasweg."
Grasweg. Bach. Kommen auch ‚Stein', ‚Mauer' und ‚Haus'? Wie sind nur diese albernen Nachnamen entstanden... Peter schmierte sich Butter auf ein Brötchen und belegte es dann mit Schinken und Gurke. „Und wie lange werden diese Damen bleiben?"
„Ein bis zwei Stunden. Du wirst dich mit ihnen unterhalten. Eine von ihnen wirst du heiraten. Ich dulde deine Albernheiten nicht mehr länger." Die Königin trank einen dramatischen Schluck Kaffee, dann funkelte sie ihn böse an. „Es ist an der Zeit. Vielleicht wirst du dann etwas vernünftiger."
„Wie du wünschst Mutter." Sein Brötchen schmeckte ihm schlagartig nicht mehr.
Die Königin nickte zufrieden. „Und zieh dir bitte etwas an..."
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Hexe - Der Aufstand
FantasyJulia möchte ein normaler, sterblicher Mensch sein. Ihre ältesten Geschwister sind Hexen, Zauberer. Julia möchte nichts davon. Sie möchte alles hinter sich lassen. Doch das Schicksal hat anderes mit ihr vor: Kurz vor ihrem 16. Geburtstag zeigt sich...
