Kapitel 99

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Julia

Nach einer Weile trafen sie im Wald auf weitere Überlebende des Dorfs. Drei Teenager zwischen dreizehn und vierzehn, ein Teenager trug ein etwa zehn Monate altes Baby, die anderen beiden zwei Kleinkinder. Bei ihnen war eine Hand voll Kinder zwischen vier und neun Jahren. Zwei Erwachsene begleiteten sie. Die Freude war groß, als sie alle aufeinandertrafen. Julia beobachtete die glücklichen Gesichter der Elfen und zum ersten Mal fühlte sie so etwas wie Erleichterung.

Leopold seufzte zufrieden. „Das sind alle Kinder, die noch fehlten", murmelte er und wischte sich eine Träne aus den Augen. „Alle haben es geschafft!"

„Es haben Kinder gefehlt..." Sie seufzte. „Es fehlen noch so viele. Nicht wahr?"

Leopold drückte ihr einen Kuss auf die Stirn. „Ja. Es fehlen viele, Juli. Aber sieh doch, wie viele hier sind."

Julia nickte.

Josefine betrachtete die Gruppe skeptisch und versteckte sich hinter ihrem Onkel. Fiete lächelte und redete beruhigend auf sie ein. Peter stand bei den beiden. Er wirkte unschlüssig. Als wüsste er nicht, was er tun soll. Finn war von Markos Rücken geklettert und umarmte Julia.

„Es gibt also noch mehr Überlebende? Meinst du der Älteste ist auch irgendwo im Wald?", fragte er leise.

„Ist es schlimm, wenn ich das nicht hoffe? Ich weiß nicht... Er war so furchtbar. Ich hoffe, ich begegne ihm nie wieder." Julia kämmte mit den Fingern durch Finns Haar. „Genau wie Inga."

„Vielleicht sind sie auch... tot." Finn drückte sich enger an sie. „Vielleicht sind nur wir übrig."

„Ja. Vielleicht", stimmte Leopold zu. „Aber in dem Fall haben diese Kinder ihre Familien verloren." Er konnte den Blick nicht von den Neuankömmlingen abwenden. „Das ist meine Schuld."

Marko knurrte leise. Er stupste Finn mit der Nase und drückte sich an ihn und Julia. Ein weiteres Knurren war von ihm zu hören.

„Nein, Leo." Julia konnte ihm nicht zustimmen. „Es war nicht deine Schuld... Zumindest nicht allein. Es war nicht dein Plan. Nicht deine Idee. Du hast ... das nicht verschuldet. Es war der Plan des Ältesten. Er hat dich benutzt."

Doch Leopold schüttelte den Kopf.

„Was wird jetzt aus diesen Kindern?", fragte Finn. „Die, die allein sind."

„Andere werden sich um sie kümmern." Leopold raufte sich die Haare. „Aber zuerst brauchen wir alle ein neues Zuhause."

Sie beobachteten, wie die Erwachsenen sich der verwaisten Kinder annahmen, dann ging die Gruppe weiter. Bis zur Grenze war es nicht mehr sehr weit. Vielleicht würden sie sie schon am Abend erreichen. Oder am nächsten Morgen. Finn war wieder auf Markos Rücken geklettert und Josefine ging neben Julia und Leopold her. Hand in Hand mit Julia. Fiete und Peter gingen direkt hinter ihnen und unterhielten sich über das Leben der Drachen in der Wüste.

Nach wenigen Stunden mussten sie eine weitere Pause machen. Die Kinder waren schlapp und die Erwachsenen unruhig. Ein Gewitter zog auf und sie brauchten einen Unterschlupf. Doch wo würden sie einen finden?

Die ersten Regentropfen fanden ihren Weg durch das dichte Blätterdach und die Gruppe suchte sich Plätze dicht an den Bäumen, um nicht nass zu werden.

„Hier ist eine Höhle!", rief Pepe nach einiger Zeit. Er und sein Vater hatten sich ein ganzes Stück von der Gruppe entfernt. Und tatsächlich! Zwischen mehreren Bäumen war der Eingang zu einer geräumigen Höhle, in welcher die gesamte Gruppe Schutz vor dem Gewitter fand.

Sie saßen dicht beieinander. Finn saß auf Julias Schoß mit den Beinen über Markos Wolfskörper, damit ihn niemand versehentlich stieß. Marko schlief tief und fest und schnarchte leise. Julia saß neben Leopold und lehnte sich müde an ihn. Immer wieder hörten sie das laute Donnern des Gewitters, bei welchem Finn zusammenzuckte. Peter war ebenfalls eingeschlafen. Josefine hatte sich wieder ein einen Kater verwandelt. Genau wie ihr Onkel. Die beiden Kater kuschelten sich, genau wie Finn an Julia. Fiete leckte liebevoll über Josefs dunkles Fell. Gisele, Lavinia und Maleen saßen neben Peter und sie unterhielten sich mit Liam. Pepe spielte mit der kleinen Elfe, die leise kicherte.

Hexe - Der AufstandGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt