Kapitel 5

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Julia

Julia starrte in ihr Spiegelbild, während ihre braunen Haare von Sophie hochgesteckt wurden. Die Dienerin mit den grün schimmernden Libellenflügeln reichte der älteren Dame Haarklammern an. Während Sophie unentwegt plapperte, sagte die Elfe kein einziges Wort. Liesa, erinnerte Julia sich. Die Dienerin hieß Liesa. Während Sophie sich um Julias Aussehen und Wohlergehen kümmerte, soweit Julia sich erinnern konnte, war Liesa meist in der Nähe der Königin. Sie servierte ihr Tee, flickte ihre Kleidung, räumte auf, putzte gelegentlich, kämmte ihr das Haar und richtete ihren Kindern Nachrichten aus. Wie Sekretärin, Hausmädchen und Kammerzofe in einer Person.

„Jetzt fehlt nur noch das Make up!", verkündete Sophie viel zu fröhlich für Julias miese Laune. „Was meint Ihr? Rosa Lippenstift? Passend zu den Blüten auf Eurem Kleid?" Sophie hielt einen hellrosafarbenen Lippenstift hoch. „Oder etwas Auffälligeres? Rot? Einige der Blüten sind auch rot."

„Rot", entschied Julia. „Ich habe heute Geburtstag. Ich sollte auffallen."

„Allerdings," stimmte Sophie zu.

Gerade als Julias Make up fertig war klopfte es an der Tür. Liesa sah fragend zu der Prinzessin. Mit einem nicken, gab sie der Dienerin Bescheid, dass Besuch eintreten durfte. Liesa eilte lautlos zur Tür und öffnete diese mit einer Verbeugung.

„Schwesterchen!", Cleo stürmte durch die Tür, ohne die Dienerin zu beachten und umarmte Julia ebenso stürmisch. Hinter ihr kamen Fritz und Lea herein. „Alles Gute zum Geburtstag. Am liebsten würde ich dir jetzt schon dein Geschenk geben, aber ich muss auf den Ball warten. Hat Mutter dir schon ein Geschenk gegeben?" Cleo trug die schwarze Uniform des Militärs, mit goldenen Verzierungen, welche darauf hinwiesen, dass sie die Machthabende war. Agathe ihr die Aufsicht über das Militär überlassen, sie wie Fritz sich um das Gesundheitssystem kümmerte und Lea um die Finanzierung des Gesundheitssystems.

„Nein, Mama hat mir noch kein Geschenk gegen. Ich habe sie heute bislang nur beim Frühstück gesehen. Aber Peter hat mir ein Armband geschenkt." Stolz hielt Julia ihr linkes Handgelenk hoch, an welchem ein filigranes Bettelarmband klimperte. Kleine, Diamant besetze Figürchen und Glöckchen hingen von dem Silberkettchen hinab und rasselten und klingelten bei jeder Bewegung.

Die beiden Dienerinnen räumten Schminke und Haarspangen auf, ohne die Geschwister zu beachten..

„Das ist wirklich sehr hübsch." Lea schubste ihre ältere Schwester, dabei raschelte der weite Rock ihres violetten Kleids. „Du hattest früher auch solche Armbänder Cleo. Bevor du zum Militär bist."

„Stimmt, aber dafür habe ich jetzt Muskeln!" Lachend strich sich Cleo durch die kurzen Haare. „Ich denke, ich werde meine Uniform anbehalten. In einem Kleid sähe ich vermutlich lächerlich aus."

„Du siehst sehr hübsch aus Julia. Bist du aufgeregt?", wollte Fritz wissen. Er trug einen dunkelblauen Anzug mit silbernen Stickereien.

„Eher unmotiviert", gab Julia zu und winkte Sophie und Liese zum Abschied, während die beiden Dienerinnen stumm den Raum verließen. „Eine Torte hätte mir gereicht."

„Was? Keine Geschenke?", protestierte Lea sofort.

„Oh! Eine Torte und Geschenke", korrigierte Julia sofort. „Geschenke sind super, allerdings fürchte ich, dass ich am Ende des Abends in Geschenken ertrinke. Mama hat so ziemlich alle Adelshäuser eingeladen. Alle! Selbst den Landadel und einflussreiche Kaufleute. Die Hälfte der Gäste kenne ich nicht."

„Das war bei meinem 16 Geburtstag auch so", beruhigte Fritz sie. „Und auch bei Cleos und Leas. Und als unsere Magie sich zeigte, hat sie noch so einen übertrieben großen Ball für jeden von uns organisiert. Immerhin musst du nur einen Ball ertragen, keine Zwei."

Hexe - Der AufstandGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt