Kapitel 67

127 16 2
                                        

Peter

Das Wochenende war da. Von dem Fenster seines Zimmers aus konnte er die Anreisenden Gäste sehen. Diener hatten ihm seinen Hochzeitsanzug herausgelegt und standen bereit, um ihm beim Ankleiden zu helfen.

„Ich kann das allein!" Peter schickte sie genervt davon.

Die Diener wollten protestieren, immerhin war es so Tradition, doch er blieb unerbittlich. Als die Diener fort waren wand er sich dem Anzug zu. Ein schwarzer Hochzeitsanzug. Peter wollte ihn am liebsten in Flammen aufgehen lassen. Er ließ den Anzug liegen und holte die Kiste hervor, die er in einem seiner Kleiderschränke versteckte. Er öffnete die Kiste und betrachtete das Kleidungsstück, den Schmuck und die Schuhe, die darin lagen. Er hatte alles einem der kleinen Läden in der Stadt gekauft, in welchem er auch das Geschenk für Julia gekauft hatte. Die Verkäuferin war amüsiert gewesen, als Peter sich gerade dieses Kleidungsstück heraussuchte. Auch den albernen Zylinder hatte er von Babette mitgehen lassen. Ohne die dämliche Schleife, natürlich. Sie hatte es nicht gemerkt. Mit einem Lächeln strich er über den hellen Stoff. Es war an der Zeit, seinen Plan auszuführen.

Auch wenn dieser ursprünglich etwas anders ausgesehen hatte... Obwohl... Nein. Eigentlich stand seine Entscheidung fest, als er den Inhalt der Kiste kaufte. Vielleicht hatte er sich viel eher entschieden, als ihm bewusst war.

Außen an seinem Schrank hing ein langer Mantel, für die besonders kalten Herbsttage. Peter lächelte.

Babette

„Du siehst wunderschön aus!" Ihre Stiefmutter hatte Tränen in den Augen. „Wie eine richtige Prinzessin!"

„Bald werde ich eine Prinzessin sein!" Babette betrachtete ihr Spiegelbild. In ihrem Haar trug sie ein wunderschönes, silbernes Diadem mit gelben Diamanten. Ihr Kleid war üppig und mit funkelnden Diamanten, weiße und gelbe, übersäht. Weißer Tüll und weiße Spitze. Auf dem Rock waren große, weiße Stoffrosen aufgenäht. Ihr Schleier reichte bis zum Boden. Große Stoffblumen zierten auch diesen. An ihren Füßen trug sie ein funkelndes Paar Schuhe. „Dieses Kleid wird niemand so schnell vergessen!"

„Allerdings!", stimmte ihre Stiefmutter zu. „Das erinnert mich an meine Hochzeit! Ich war so glücklich!"

„Ich weiß. Ich war dabei. Du sahst hübsch aus."

„Danke. Dein Vater wird weinen, wenn er dich sieht! Ich bin furchtbar aufgeregt! Gleich wirst du heiraten! Und dann wirst du einen neuen Abschnitt deines Lebens beginnen! Als Prinzessin! Kleine Prinzen und Prinzessinnen bekommen!" Sie wischte sich die Tränen mit einem Taschentuch aus dem Gesicht und lächelte Babette an. „Ich bin sehr stolz auf dich!"

Babette lächelte. Es lief alles nach Plan.

Julia

„Und wenn ich eine Erkältung vortäusche?" Julia wollte nicht an dem Turnier teilnehmen. Die letzte Woche war fürchterlich gewesen und Julia hatte sich bei all den Nachhilfestunden nicht das geringste verbessert.

„Das geht nicht!" Sophie reichte ihr einen weiteren Kaffee. „Bist du denn gut vorbereitet?"

„Nein!"

„Oh ich bin sicher, du wirst dich wunderbar schlagen!" Die alte Dienerin strich ihr über das Haar.

„Ich sollte jetzt bei der Hochzeit meines Bruders sein!" Julia schnaubte. „Stattdessen muss ich bei dieser Zumutung mitmachen!"

„Es ist ein Turnier, keine Zumutung Juli." Marko zwinkerte ihr zu. „Wo bleibt dein Sportsgeist."

„Ich bin mir sicher, dass ich noch nie welchen hatte."

Hexe - Der AufstandGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt