Julia
Schatten reiten durch die Dunkelheit. Feuer. Ein Dorf in Flammen. Die wütenden Schreie der Königin. Torsten und Annemarie. Babette in einem großen Haus. Feuer. Ein Wald. Ein Dorf. Ein Drache.
Sie hörte etwas klappern. Räder? Die Hufe von Pferden? Doch der Schlaf hielt sie gefangen. Ihre Augenlieder fühlten sich schwer an. Sie roch etwas. Regen? Neben ihr jammerte jemand leise im Schlaf. Fremde Stimmen unterhielten sich, doch Julia war zu müde um sich darum zu kümmern. Irgendwo donnerte es. Eine Tür wurde geöffnet. Dann sank sie wieder in tiefen, stillen Schlaf.
Leopold
Das Wetter hatten sich am frühen Morgen verschlechtert. Erst hatte es nur geregnet, jetzt stürmte es. Daher hatte er sich in die Kutsche gesetzt. Die Prinzessin schlief und lehnte beinahe regungslos an der Kutschwand. Prinz Peters Schlaf war unruhig. Hin und wieder stöhnte oder jammerte er leise. Die beiden Menschen neben Leopold überwachten ihren erzwungenen Schlaf eisern, als könnten sie jederzeit aufspringen und sich verteidigen. Doch ihre Geiseln sahen alles andere als gefährlich aus.
Die Prinzessin im Nachthemd mit dicken, bunt geringelten Wollsocken an den Füßen und der Prinz in einem Brautkleid, welches ein großer Schokofleck zierte. Und so wurden sie entführt? Das hatte beinahe etwas humorvolles.
Was würde wohl die Prinzessin von ihm denken, wenn sie aufwachte und realisierte, dass sie entführt worden war? Was würden die beiden Wölfe denken? Und war das noch wichtig? Warum machte er sich Gedanken darüber? Warum hatte er ein schlechtes Gewissen?
Er lehnte sich an die Kutschwand und ließ sich von dem heulenden Sturm ein gute Nacht Lied vorsingen, bis er einschlief.
Jemand rüttelte an seiner Schulter. Leopold öffnete verwirrt die Augen. „Wir sind da!", sagte der Mann mit der langen Nase. „Du hast fast die gesamte Fahrt verschlafen Junge!"
„Oh!" Er sah aus dem Fenster der Kutsche und lächelte. Dort waren die vertrauten Häuser seiner Heimat. Sein Dorf. Einen Freudenschrei unterdrückend öffnete er die Tür der Kutsche und stolperte hinaus. Er war zuhause. Die Luft roch nach Wald und Kräutern. Nach Moos und feuchter Erde. Und nach Apfelkuchen. In einem der Häuser wurde wohl gerade gebacken.
„Und wo sollen wir mit den vieren hin?", fragte die Langnase.
„Ich suche unseren Ältesten. Er hat sicher etwas geplant. Es dürfte noch etwas dauern, bis die vier aufwachen." Dem Standort der Sonne nach war es Nachmittag.
„Gut. Wie bewachen die vier dann." Der Rothaarige, er saß noch in der Kutsche, verschränkte die Arme. „Mensch, habe ich einen Hunger! Ich hoffe, jemand hat etwas zu Essen für uns!"
„Ich bin sofort zurück!" Leopold eilte davon, zum Haus des Dorfältesten. Es war nicht weit entfernt. Doch bevor er dort war, hörte er eine vertraute Stimme.
„Leopold!" Seine Mutter rannte auf ihn zu. Ihre violetten Flügel zitterten vor Freude, als sie dir Arme um ihn warf. „Geht es dir gut? Ich habe die Kutschen gesehen!"
„Mir geht es gut Mama." Er ließ sich in ihre Arme sinken. „Es hat alles geklappt. Die Prinzessin ist hier!"
„Mir gefällt der Plan nicht." Sie schluchzte leise. „Wo ich dich doch endlich wieder habe!"
„Mama!" Er seufzte. „Es muss sein. Jemand muss es tun. Ist der Älteste da?"
„Franz? Ja. Er ist da. Lass uns gehen. Er erwartet dich schon." Sie nahm ihn an die Hand, wie früher, als er noch ein Kind war.
„Wie läuft der Laden?"
„Oh, wie immer." Seine Mutter lächelte. „Aber ohne dich haben wir nun mehr zu tun. Und unser Garten vermisst dich auch. Dein Vater hat sein Bestes gegeben, aber er hat nicht deinen grünen Daumen."
Noch bevor sie am Haus des Dorfältesten ankamen, kam er ihnen entgegengeeilt. Ein paar Elfen folgten ihm mit grimmigen Gesichtern.
„Leopold! Ich hörte, dass du angekommen bist. Ist die Fahrt gut verlaufen?"
„Ich denke? Ich habe den größten Teil verschlafen. Aber unsere Geiseln sind noch nicht wach", antwortete er und ließ seinen Blick über die Elfen wandern. Drei, führ Elfen sehr muskulöse, Herren und zwei groß gewachsene Frauen, die identisch aussahen. Die beiden Töchter des Ältesten, Inga und Ilse, und seine drei Neffen, Johann, Elias und Emil. Sie waren alle zwischen zweiunddreißig und zweiundvierzig Jahre alt, da der Älteste und sein einhundert Jahre jüngerer Bruder sehr spät noch einmal geheiratet hatten.
„Wunderbar! Wir haben bereits einen Platz für sie hergerichtet. Dort hat sie es schön kuschelig!" Ilse zeigte auf den Dorfladen. „Ein Lagerraum war frei."
„Oh. Ich hätte nichts dagegen, unseren Gast bei uns aufzunehmen!", wand seine Mutter ein.
„Sie ist kein Gast", widersprach Johann ihr. „Der Lagerraum ist ausreichend."
Als sie an den Kutschen ankamen hatten sich mehrere Elfen davor versammelt und unterhielten sich aufgeregt. Die beiden Kutscher, Leopold wusste inzwischen, dass ihre Namen Jürgen und Uwe waren, hielten die Schaulustigen so gut es ging fern. Die vier anderen Versperrten den Schaulustigen die Sicht in die Kutschen.
Die Gruppe bahnte sich einen Weg durch die Menge und der Älteste warf einen Blick auf die bewusstlose Prinzessin. „Das ist sie also?" Er runzelte die Stirn. „Sie sieht nicht wie eine grausame Hexe aus... Und wer ist der ... junge Mann?"
„Ist das ein Brautkleid?", fragte Leopolds Mutter leise. Er nickte.
„Das ist ihr Bruder. Er tauchte unerwartet auf, daher haben wir ihn auch mitgenommen." Leopold zuckte mit den Schultern. „Jetzt haben wir zwei Geiseln. Und... Die Prinzessin ist nicht grausam."
„Nicht?" Inga glaubte ihm nicht. „Sie ist eine Hexe und die Tochter der Königin. Du bist ihr Besitz. In der anderen Kutsche befinden sich zwei weitere Sklaven!" Sie stand vor der anderen Kusche, in welcher Marko und Finn lagen. „Werwölfe! Versklavte Wölfe, Leopold! Und das ist nicht grausam? Wo wollen wir sie unterbringen?"
„Ich nehme sie gerne auf!", verkündete Leopolds Mutter sofort.
„Würden sie versuchen, die Prinzessin zu befreien?", fragte der Dorfälteste.
„Wenn wir die Prinzessin in einen Lagerraum sperren, schon. Ich denke nicht, dass sie versuchen würde zu fliehen. Sie kennt sich hier nicht aus." Ihm gefiel der Gedanke an den Lagerraum nicht. Das war kein Ort, für eine so liebe Person.
„Ich habe ein Gästezimmer. Wir können es absperren! Wenn dir das so wichtig ist, Franz! Das arme Kind!" Seine Mutter verschränkte die Arme. „Dort können die vier bleiben. Ich lasse nicht zu, dass ihr ein Kind in einen stickigen Lagerraum sperrt!"
Der Älteste seufzte. „Na gut. Dann bringen wir sie dorthin." Dann sah er zu den Menschen. „Vielen Dank für Ihre Hilfe. Wenn sie mögen können sie alle bei mir im Haus unterkommen. Ich habe Platz."
„Danke." Der Blonde, Sebastian, wie Leopold nun wusste, nickte grimmig. Die anderen drei hießen Jona, Georg und Hans. Georg und Hans waren Brüder und sahen sich sehr ähnlich, nur dass Hans rotes Haar einer Halbglatze gewichen war, während Georgs Haar sehr dicht war. Jürgen hatte ihm ihre Namen während der Fahrt gesagt.
„Unsere Pferde sind müde", sagte dieser. „Wo können wir sie unterstellen? Sie hatten nur sehr wenige Pausen. Mehr konnten wir nicht riskieren. Futter und Wasser brauchen sie auch."
„Ich zeig Ihnen unsere Ställe", wand Emil sich ihm zu. „Futter und Wasser haben wir natürlich auch."
Dann brachten sie ihre Geiseln, die die vier Menschen wieder trugen, in Leopolds Elternhaus, wo sie sie auf das alte Gästebett legten. Dabei achteten sie darauf, dass Finn genügend Abstand zu den anderen hatte. Soweit das Bett es zuließ. Leopold bestand darauf. Seine Mutter stellte ihnen Wasser und Obst hin. Der Älteste war mit dem Raum zufrieden. Es gab ein Fenster, aber es war zu klein, um hindurchzuklettern und das Zimmer konnte abgeschlossen werden. Zudem gab es einen Zugang zu einem kleinen Bad. Auch hier war das Fenster zu klein, um daraus zu fliegen.
Leopold seufzte. Das war es also? Er hatte es geschafft... Sein Blick viel auf Julia. Sie schlief friedlich und ahnte nichts. Er widerstand dem Drang, sie wieder aus ihrem Gefängnis rauszutragen, als seine Mutter widerwillig abschloss.
„Es sind Kinder!", murmelte sie.
(c: sasi)
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Hexe - Der Aufstand
FantasíaJulia möchte ein normaler, sterblicher Mensch sein. Ihre ältesten Geschwister sind Hexen, Zauberer. Julia möchte nichts davon. Sie möchte alles hinter sich lassen. Doch das Schicksal hat anderes mit ihr vor: Kurz vor ihrem 16. Geburtstag zeigt sich...
