Julia
Am späten Nachmittag erreichten sie die Grenze. Der Wald der Feen nahm ein abruptes Ende. Anstatt der wundervollen Bäume kamen sie in einen Nadelwald. Um einige Bäume waren rote Bänder gebunden worden. Sie markierten hier die Grenze. Ein Schild war aufgestellt worden, auf welchem in großen roten Buchstaben stand: „Hier beginnt das Zentaurenland." Darunter hatte jemand einen Schädel gemalt. Sollte das Schild eine Drohung darstellen? Zusammen mit den roten Bändern?
Der Waldboden war etwas trockener und ein eisiger Wind zog zwischen den Bäumen her. Ein Wind, der es nicht bis in den Feenwald schaffte.
„Wir sind da!" Ein verhaltenes Jubeln ging durch die Gruppe. Sie hatten es geschafft.
Fiete stand stirnrunzelnd vor dem Schild. „Wie viele es wohl hiervon gibt? Ob sie an der gesamten Grenze zu finden sind? Das ist nicht besonders einladend..."
„Sicher ein paar. Oder es ist das einzige. Wer weiß." Peter zuckte mit den Schultern.
„Aber warum ausgerechnet hier? Hinter dem Feenwald?", fragte Fiete nun. „Nicht viele durchqueren ihn, richtig?"
„Richtig.", stimmte Peter zu. „Das ist seltsam. Vielleicht waren es Flüchtlinge? Die Eindringlinge fernhalten wollen? Aber dann ist dieser Standort dennoch nicht sinnvoll. Ist es eine Warnung? Aber an wen?"
„Vielleicht wird der Feenwald öfters als Fluchtroute genutzt." Julia stellte sich zu beiden und lehnte sich an ihren Bruder. „Kommt. Wir wollen weitergehen. Das Schild macht den jüngeren Kindern Angst."
Die Gruppe ging noch ein ganzes Stück weiter. Sie kamen an einem Bach entlang. Irgendwann wichen die hohen Bäume einigen trockenen Büschen und hohen Gräsern. Zwischen den Büschen führte ein schmaler Weg entlang. Am Horizont konnten sie Rauch aufsteigen sehen. Ein Anzeichen für ein Dorf.
Zu diesem Dorf wollten sie, um zu schauen, ob sie dort unterkommen konnten.
Die Büsche wurden dünner und dünner und bald wichen sie saftig grünen Wiesen. Der Wind war eiskalt. Das Dorf kam immer näher. Sie konnten nun sehen, dass eine hohe Holzmauer um die Häuser errichtet worden war. Ab und an kamen sie an einem Busch oder Baum vorbei und ein schmaler Bach zog an ihnen vorbei. Das Wasser war klar. Julia entdeckte ein paar kleine Fische. Dann, endlich, kamen sie an der Mauer an. Das Tor war verschlossen. Hanno klopfte eifrig daran. Es dauerte einen Moment, bis das Tor sich öffnete. Davor standen ein paar grimmig schauende Wachen. Zumindest hielt Julia sie für Wachen. Sie trugen keine Schwerter und einfache Kleidung. Es waren alles Menschen.
„Ja, bitte?", sagte eine etwa fünfzig Jahre alte Frau. „Wer seid ihr?"
Flora und Hanno schenkten ihr, ihr freundlichstes Lächeln.
„Hallo. Wir sind Flüchtlinge und suchen nach einem Ort, an welchem wir bleiben können", sagte Flora. „Wir haben einen langen Weg hinter uns."
Die Frau runzelte die Stirn. „Elfen, Wölfe und Menschen? In einer Gruppe? Das ist selten. Aber wir haben keinen Platz für weitere Flüchtlinge. Etwa drei Stunden von hier gibt es eine kleine Elfensiedlung. Vielleicht habt ihr dort Glück. Und einen halben Tag entfernt liegt eine weitere Siedlung. Hauptsächlich Menschen und Werwölfe. Es gibt noch drei weitere Siedlungen, doch die sind alle weiter entfernt."
„Können wir zumindest über Nacht bleiben? Wir haben Kinder dabei", bat Hanno nun. „Wir alle haben Hunger."
„Nein." Ein grimmiger Herr mit langem Bart schüttelte den Kopf. „Es gibt keinen Platz. Es tut uns leid. So etwas wie einen Gasthof haben wir hier nicht. Noch nicht. Aber zwei der größeren Dörfer haben einen. Wir können euch etwas Brot geben, für euren weiteren Weg. Mehr können wir nicht bieten."
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Hexe - Der Aufstand
FantasyJulia möchte ein normaler, sterblicher Mensch sein. Ihre ältesten Geschwister sind Hexen, Zauberer. Julia möchte nichts davon. Sie möchte alles hinter sich lassen. Doch das Schicksal hat anderes mit ihr vor: Kurz vor ihrem 16. Geburtstag zeigt sich...
