Kapitel 63

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Agathe

Drei Briefe waren für sie angekommen. Ein Brief war von Fritz, der andere von Julias Klassenlehrer. Den letzten Brief hatte jemand von Cleos Soldaten verfasst. Diesen öffnete die Königin zunächst. Der Brief selbst war sehr kurz: ‚Eure Majestät, die Aufgabe ist erledigt.' Unterzeichnet war der Brief mit ‚Ingo. Erster Schatten der Prinzessin Cleo.' Die sogenannten Schatten waren eine geheime Einheit ihrer Tochter, die darin spezialisiert waren bestimmte Aufgaben in aller Stille und Unbemerkt zu erledigen. Nur wenige wussten über sie Bescheid. Die Schatten nutzten zudem nur ihre Vornamen, für den Fall, dass sie entdeckt wurden. Sie ließen so ihre Vergangenheit und ihre Familien hinter sich, um ein Leben im Schatten zu führen. Sie waren besonders gut ausgebildete Soldaten und gehörten größtenteils zu kleineren Adelshäusern.

Agathe lächelte zufrieden. Diese Frau war also Tod.

Sie öffnete den nächsten Brief. Fritz schrieb, dass sein Assistent zusammen mit einer Hand voll Heiler den Ursprung der Krankheit zurückverfolgen konnten. Bei der Krankheit handelte es sich um einen schief gegangenen Heiliungszauber. Die neue Krankheit war aus Windpocken entstanden. Da die neue Krankheit aus Magie entstanden war, war es unmöglich, sie ohne Magie zu heilen. Dennoch hoffte Fritz, dass mit Medikamenten gegen Windpocken die Symptome zu lindern waren, bis Heiler bei den Betroffenen ankamen. Agathe freute sich über diese Neuigkeit.

Der letzte Brief hingegen erschütterte sie. Die Krankheit war an der Akademie ausgebrochen. Ihre Tochter war allerdings verschont geblieben, da sie und ihre Diener sich bereits angesteckt hatten. Dennoch hatte die Akademie Tote zu beklagen. Des Weiteren schrieb er von den schulischen Leistungen der jungen Prinzessin, die meist eher durchschnittlich waren. Allerdings hatte sie sich im Fechten und im Schwertkampf nicht verbessert und auch das Reiten schien ihr schwer zu fallen. Agathe seufzte. Ihre Ältesten waren ausgezeichnete Schüler gewesen... Warum musste ihre jüngste eine mittelmäßige Schülerin sein? Agathe legte großen Wert darauf, dass ihre Kinder gute Noten vorwiesen. Und wenn sich herumsprechen sollte, dass die junge Prinzessin sehr schlecht im Umgang mit Schwert und Degen war? Um mit Pferden? Das war peinlich... Besonders, wenn Agathe noch immer mit dem Gedanken spielte, Julia an Cleos Seite zu stellen. Als eine Nutzerin großer Magie käme Julia sicher auch ohne eine Waffe zurecht, doch sie sollte diese dennoch beherrschen, beschloss die Königin. Und vielleicht war Julia eine Spätzünderin?

An der Akademie sollte bald ein Fechtturnier stattfinden, daher hatte der Schulleiter die Freistellung der Prinzessin nicht genehmigt. Agathe war damit einverstanden. Es war die perfekte Gelegenheit für Julia, etwas Ehrgeiz zu entwickeln. Zwar würde sie die Hochzeit ihres Bruders verpassen... Doch Agathe hatte Sorge, dass Julia eine Szene machen würde. Ihr war bewusst, dass Julia die Verbindung von Babette und Peter nicht für Gut befand. Sie sollte Peter in seiner Rebellion nicht noch weiter bestärken. Schon gar nicht kurz vor der Hochzeit. Agathe hatte nicht an das Turnier gedacht, welches Tradition war, als sie den Termin für die Hochzeit beschlossen. Aber so war es sicher besser.

Auch Julias Fortschritte in Magie waren langsam, doch das war zu erwarten, da sie noch nicht ihre volle Magie nutzen konnte. Zum Schluss schrieb der Lehrer von einem Gerücht, welches ihm zu Ohren gekommen war. Die Prinzessin befand sich in einer Beziehung mit ihrem Diener. Ein Skandal!

Damit hatte Agathe nicht gerechnet. Ein Diener? Welcher? Einer der Wölfe, oder der Elf? Ein Diener war nicht standesgemäß. Sie überlegte, ob sie ihrer Tochter einen Besuch abstatten sollte, um mit ihr darüber zu sprechen, entschied sich dann aber dagegen. Stattdessen schrieb sie ihr einen Brief.

Als Prinzessin war es Julias Aufgabe, sich einen Adligen zu suchen. Keinen Diener. Aber sie war noch jung... Vielleicht hatte sie auch nur Spaß?

Sie wollte eine Antwort. Von ihrer Tochter.

Hexe - Der AufstandGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt