Marko
Es hatte angefangen zu regen. Marko saß in der Küche und sah aus dem Fenster. Sophie hatte ihn gebeten Knoblauch klein zuschneiden. Doch bislang hatte er noch nicht angefangen. Zu viel ging ihm durch den Kopf.
Gegenüber von ihm saß Finn und schälte Kartoffeln. Finn saß im Schneidersitz auf dem Küchenstuhl und schien tief in Gedanken versunken zu sein, während er eine Kartoffel nach der anderen schälte und dann in eine Schüssel mit Wasser legte. Sophie schnitt Zwiebeln klein. Ab und an wischte sie sich eine Träne mit einem Küchentuch aus dem Gesicht und schimpfte über die Zwiebeln, die sie ungewollt zum Weinen brachten. Wo Leopold war, wusste er nicht. Irgendwo etwas putzen?
Sophie räusperte sich. „Marko? Wo bist du mit deinen Gedanken?"
„Nirgendwo und überall."
„Dann komm mit deinen Gedanken bitte hierher zurück. Das Essen kocht sich nicht von selbst."
„Leider." Marko widmete sich der Knoblauchzehe und begann sie klein zu schneiden. „Wann kommt die Prinzessin zurück?" Die Prinzessin hatte an manchen Tagen kürzer Unterricht als an anderen und Marko war sich nicht sicher, ob heute ein langer oder ein kurzer Tag war.
„In etwa einer Stunde." Sophie lächelte. „Bis dahin sollten wir das Essen fertig haben. Sie hat sicher Hunger."
Marko hatte auch Hunger. Großen Hunger. Aber er musste noch warten. Als Diener aßen sie immer nach der Prinzessin. Sophie bestand darauf.
Die Tage vergingen wie im Flug. Über eine Woche war er nun schon hier. In der Vollmondnacht hatte er als Wolf auf seinem Bett gelegen und sehnsüchtig aus dem Fenster geschaut. Er vermisste die Freiheit der Berge. Er hatte sich nicht getraut zu fragen, ob er nachts über das Gelände streifen durfte. Die Antwort wäre doch sicher ‚nein' gewesen, nicht wahr? Sophie hätte ihm das niemals erlaubt und er traute sich nicht die Prinzessin direkt zu fragen. Sie war nett und freundlich, aber sein Leben hing davon ab, dass sie ihm wohlgesinnt war. Er wollte nicht um das Falsche bitten.
In der Vollmondnacht hatte auch Finn aus dem Fenster gesehen. Er hatte sich mit seiner Decke auf die breite Fensterbank ihres Zimmers gesetzt... Und so hatte Marko nicht nur den Mond betrachtet, sondern auch den schwächlichen Wolf. Im Mondlicht sah sein helles Haar silbern wie der Mond aus.
Leopold hatte die Nacht auf dem Sofa im Wohnzimmer der Prinzessin geschlafen... Offensichtlich hatte Marko ihm etwas Angst gemacht...
Die Arbeit an der Akademie war anstrengend. Nicht unbedingt wegen der Aufgaben, die ihm hauptsächlich von Sophie zugeteilt wurden, nein: Die Angestellten waren ein Problem. Besonders die Gärtner.
Jeden Nachmittag ging Sophie rüber in das Büro des Hausmeisters der Akademie und besprach mit ihm, welche Arbeiten zu erledigen waren, nachdem er und Leopold mit ihrer Arbeit für die Prinzessin fertig waren und jeden Nachmittag hoffte Marko, dass er nicht den Gärtnern zur Hand gehen musste.
Die verbalen Angriffe der Gärtner machten ihn wütend... Und traurig. Sollte er der Prinzessin davon erzählen? Würde das etwas ändern?
Bislang hatte er darüber geschwiegen und auch Leopold hatte kein Wort gesagt.
Die Gärtner gaben ihnen furchtbare Namen und beschimpften sie, wenn keine Schüler in Hörweite waren. Vor den Schülern hielten sie sich etwas mehr zurück. Vermutlich um professionell zu wirken.
So weit er es mitbekommen hatte, war auch der Ton in der Wäscherei rau, auch wenn dort niemand beschimpft wurde. Gestern hatte Sophie ihn und Leopold dort aushelfen lassen, da einige Angestellte erkrankt waren und Hilfe benötigt wurde. Er hatte einen Werwolf namens Theo kennengelernt, der über Müdigkeit und Rückenschmerzen klagte und Marko und Leopold um ihre Mittagspause beneidete.
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Hexe - Der Aufstand
FantasyJulia möchte ein normaler, sterblicher Mensch sein. Ihre ältesten Geschwister sind Hexen, Zauberer. Julia möchte nichts davon. Sie möchte alles hinter sich lassen. Doch das Schicksal hat anderes mit ihr vor: Kurz vor ihrem 16. Geburtstag zeigt sich...
