Kapitel 52

164 13 3
                                        

Julia

„Bist du bereit?" Peter kam den Gang entlang gerannt und hakte sich bei ihr unter. „Denn ich bin es nicht. Babette ist eben mit ihren Eltern angekommen und ich konnte ihr geradeso entkommen! Jede Minute ohne Babette ist wertvoll!"

Julia betrachtete schmunzeln sein ‚Meisterwerk'. Schwarze Flecken, vermutlich Farbe, zogen sich über seine Anzugjacke und die honiggelbe Hose. An der Jacke waren an den Ärmeln, am Saum und am Kragen hellgraue Rüschen angenäht worden und er trug eine rosafarbene Bluse unter der Jacke...

„Ist das mein rosa Unterkleid?" Julia erkannte den Stoff sofort. „Das, das kaputt war?"

„Ich habe es aus deinem Kleiderschrank genommen. Das stört dich doch nicht? Finn hat es für mich umgenäht."

Julia musste lachen. „Ich wollte es reparieren lassen... Aber das geht auch. Schicke Kette!"

Peter zupfte an Julias Kette, zu der er zusätzlich eine hellblaue Perlenkette trug. „Danke."

Sie kamen an der Tür an, die zur Tribüne führte. Dort warteten bereits ihre Familie, sowie Babette mit ihren Eltern und die Vampire. Doch neben Babette waren die Vampire relativ unspektakulär. Julia musste sich zusammenreißen, um nicht loszulachen. Babette hatte ihr Haar zu zwei Dutts hochgesteckt und trug ein zu enges honiggelbes Kleid mit einem übertrieben hohen Kragen, der ihr bis zu den Ohren reichte. „Peter! Da bist du ja." Sie sah ihn mit strengem Blick an. „Was ist mit deinem Anzug passiert?"

Auch Agathe betrachtete den Anzug. „Hast du Farbe drüber gekippt? Und was sollen die Rüschen?"

Annemarie kicherte leise. „Das ist sehr ausgefallen", sagte sie. Sie trug ein blassblaues Kleid mit hellgrüner Scherpe. „Sind wir nun vollzählig?"

„Nein, Es fehlt noch Fritz Verlobte, ihre Eltern und der Sohn meines Mannes." Die Königin lächelte träge.

Ein Diener stand an der Tür. Er würde sie ihnen öffnen, sobald sie vollzählig waren und ihre Ankunft ihren Gästen verkünden. Er nickte ihnen freundlich zu.

Bald darauf kamen Paula, ihre Eltern und Torsten. Paula trug ein schönes oranges Kleid, ihre Eltern trugen beide grau. Sie schienen nervös und sahen sich mit großen Augen um. Die Königin begrüßte sie freundlich und richtete ihr Kleid.

Auf ein Zeichen der Königin öffnete der Diener ihnen die Tür und kündigte sie den Gästen an. An der Wand der Tribüne warteten bereits Julias Diener auf sie, deren steife Uniformen festlich, aber unbequem aussahen. Julia nickte ihnen als Begrüßung zu und erntete dafür von Finn ein strahlendes Lächeln, dann setzte sie sich auf ihren Platz neben Peter, an dessen linker Seite Babette und ihre Eltern saßen. Hinter ihnen saßen Fritz, der zu seinem honiggelben Anzug ein dunkelblaues Hemd trug, seine Verlobte mit ihren Eltern, sowie Cleo und Lea, beide in honiggelb. Sie trugen identische, schlichte Kleider. Lea hatte sich einen hellgrünen Schal um die Schultern gelegt und Cleo fühlte sich eindeutig nicht wohl in dem Kleid. Missmutig zupfte sie an ihren Ärmeln. Neben Julia saßen ihre Eltern und das königliche Paar der Vampire. Ihre Kinder saßen hinter ihnen. Unter ihnen im Saal standen ihre Gäste und sahen mit teils neugierigen, teils beunruhigten Blicken zu den Vampiren. Für Torsten blieb der Platz neben Annemarie über. Er saß dort, als sei der Platz für ihn geschaffen und als sei er die Hauptperson des Abends.

Peter sah zu Julia und rollte mit den Augen.

Die Königin stand auf, um den Ball offiziell zu eröffnen. „Meine verehrten Gäste", sagte sie mit lauter Stimme, „vielen Dank, dass Sie alle unserer Einladung gefolgt sind. Heute ist ein besonderer Abend. Wir feiern meine jüngste Tochter, Julia, die sich auf dem Weg ganz an unsere Spitze befindet. Sie können sich vermutlich vorstellen, wie stolz ich auf sie bin. Und ebenso freue ich mich, die Verlobte meines Sohns Fritz und ihre Familie heute bei uns willkommen zu heißen und natürlich auch Prinz Peters Verlobte und ihre Familie. Dies ist eine aufregende Zeit. Zum ersten Mal begrüßen wir die von Bluthofs bei einem unserer Bälle. Ich hoffe, unsere Königreiche werden gemeinsam in Freundschaft und tiefer Verbundenheit wachsen. Lasst uns heute Nacht also feiern. Auf Julia, eine der größten unserer kleinen Gemeinschaft!"

Hexe - Der AufstandGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt