Julia
Am nächsten Morgen waren die Feen fort.
Leopold brachte ihr einen Brief von Ingried. Die ersehnte Antwort.
Ingried freute sich darauf, ihre kleine Schwester wiederzusehen und schreib, Julia könnte jederzeit vorbeikommen.
Julia freute sich.
Am Wochenende hatte sie genügend Zeit, um in die Stadt zu fahren und ihre Schwester zu besuchen.
Was den Test in Magie betraf, hatte sie ein schlechtes Gefühl. Sie hätte definitiv dafür lernen sollen. Genau wie für den Test, den sie alle am Montag geschrieben hatten. Am Freitag würden sie einen Test in Geschichte schreiben, daher saß sie nun vor dem Frühstück an ihrem Schreibtisch und lernte.
Im Unterricht erwartete sie heute den ganzen Tag Fechten, Schwertkampf und Magie. Sie hätte auf alle Fächer gerne verzichtet.
Helga war ihre Fechtpartnerin und sehr talentiert, anders als Julia.
Der Tag verlief schleichend. In Fechten stolperte sie über ihre eigenen Füße, im Unterricht im Schwertkampf bekamen Julia und Marie einen Lachkrampf und wurden daher rausgeschickt. In Magie gelang es ihr eine Vision heraufzubeschwören. Sie waren je nach magischer Begabung in Gruppen aufgeteilt worden. Neben Julia gab es nur einen weiteren Seher in ihrer Klasse. Sie sollten versuchen, eine Vision aus einem bestimmten, gewollten Zeitpunkt zu sehen. Vergangenheit, Gegenwart oder Zukunft. Elias hatte es auf Anhieb geschafft, eine Vision gewollt zu sehen. Ein kurzes Bild aus der Vergangenheit. Julia hatte drei Anläufe gebraucht. Sie hatte versucht eine Vision zur Gegenwart zu sehen, doch stattdessen hatte sie ebenfalls ein Bild aus der Vergangenheit gesehen. Sie sah ihre Mutter als junges Mädchen, wie sie auf einer Wiese Blumen pflückte. Kurz darauf wurde der Unterricht abgebrochen, da Marie versehentlich den gesamten Flur mit allen Räumen überflutete.
Am Abend kehrte Julia an ihren Schreibtisch zurück, um zu lernen.
Es klopfte an ihrer Tür und Leopold kam mit einer heißen Schokolade herein. „Kommt Ihr voran?", fragte er.
Julia stöhnte und nahm dankbar die heiße Schokolade entgegen. „Vielleicht käme ich voran, wenn der Stoff nicht so langweilig und frustrieren wäre."
„Kann ich Euch helfen? Ich war immer gut im Lernen für Tests."
„Aber du hast jetzt frei. Du solltest etwas machen, was dir Spaß macht."
Leopold setzte sich auf ihr Bett. „Und wenn ich Euch gerne helfen möchte? Wie wäre es, wenn ihr mir alles erzählt, was Ihr für den Test wissen müsst? Oder ich könnte Euch dabei helfen Lernzettel zu schreiben..."
„Ja, das würde mir tatsächlich helfen. Vielen Dank."
Leopold half ihr dabei Lernzettel zu schreiben und fragte sie jeden Abend ab. Der Freitag kam sehr schnell und sie saß in ihrem Klassenraum, um den Geschichtstest zu schreiben. Zum ersten Mal fühlte sie sich gut vorbereitet. Zu jeder Frage wusste sie die Antwort. Am Ende gab sie zufrieden das ausgefüllte Blatt Papier ab.
In der Pause saß sie mit ihren Freunden draußen. Es war ein sehr warmer Herbsttag.
„Ich glaube, ich falle durch." Philip seufzte. „Mir ist so gut wie nichts eingefallen."
„Ich denke, ich werde eine gute Note bekommen." Helga lehnte sich an einen großen Baum.. Marie und Pia saßen auf der Wiese und unterhielten sich darüber, was sie alles machen wollten, wenn sie alle Tests und Prüfungen hinter sich hatten. In der nächsten Woche warteten Prüfungen in Fechten und Schwertkampf auf sie.
„Wir könnten alle gemeinsam in die Stadt!", schlug Marie vor.
„Und am Wochenende könnten wir zusammen für die Prüfungen üben", ergänzte Pia.
„Das würde mir echt helfen." Philip fuhr sich durch die Haare. „Ich kann nicht in noch mehr Prüfungen durchfallen, sonst kürzen mir meine Eltern am Ende noch das Taschengeld!"
„Ich besuche am Samstag meine Schwester, aber am Sonntag habe ich Zeit." Julia setzte sich neben Marie. „Ich kann definitiv noch etwas Übung gebrauchen."
„Dich lassen sie doch sicher nicht durchfallen." Helga zog die Beine an und schlang ihre Arme darum. „Immerhin bist du die Prinzessin."
„Ich glaube nicht, dass das ein Grund ist, mich nicht angemessen für meine miserablem Leistungen zu benoten. Wenigstens habe ich nicht zu befürchten, dass mir das Taschengeld gekürzt wird. Aber meine Mutter erwartet gute Noten..." Julia lehnte sich an Marie. „Zumindest der Test heute ist richtig gut gelaufen! Ich habe ein gutes Gefühl."
Der Rest des Tages verlief sehr ruhig. Am Abend machte Julia es sich auf dem Sofa mit einem Buch gemütlich. Sophie saß auf einem kleinen Sessel und strickte. Sie hörte ihre drei Diener lachen. Anscheinend hatten sie Spaß.
Nach einiger Zeit kam Leopold um die Ecke. „Finn braucht mehr Wolle, soll ich ausrichten", wand er sich mit einem schelmischen Grinsen an Sophie.
„Ich habe ihm vorhin drei Wollknäule gegeben, die kann er unmöglich bereits alle verstrickt haben."
„Hat er auch nicht... Marko und ich haben damit... Naja... Wir haben uns damit beworfen und jetzt ist die Wolle so stark verknotet, dass man sie nicht mehr auseinanderbekommt."
Sophie sah ihn ungläubig an. „Ihr habt was?"
„Die Wolle ruiniert?"
„Also wirklich!" Sophie schnaubte. „Dann könnt ihr sie auch wieder auseinanderknoten."
„Haben wir versucht." Leopold zuckte mit den Schultern. „Es geht nicht."
Sophie seufzte. „Marko und du, ihr habt beide Wollverbot! Finn kann sich neue Wolle aus meinem Zimmer holen. Aber es ist nichtmehr viel da. Damit wird aber kein Unfug getrieben, junger Mann! Wenn du schonmal hier bist: Die Prinzessin fährt morgen in die Stadt. Du kannst sie begleiten und neue Wolle kaufen. Ich gebe dir Geld mit."
Julia hörte amüsiert dem Gespräch zu. Leopold sah kurz zu ihr. „Mach ich", willigte er ein und zwinkerte Julia zu. „Was möchtet Ihr in der Stadt machen?"
„Habe ich das nicht erzählt?", antwortete sie verwundert und spürte, wie sie leicht errötete.
„Mir zumindest nicht."
„Ich besuche morgen Ingried. Darauf freue ich mich schon. Ich habe sie lange nicht mehr gesehen. Sie hat zwar Briefe geschickt, aber das ist nicht dasselbe."
„Grüß sie von mir, ja?" Sophie strickte weiter und warf Leopold einen letzten bösen und gleichzeitig amüsierten Blick zu.
„Sie freut sich sicher darauf, Euch zu sehen." Leopold setzte sich neben Julia. „Wie lange wollt Ihr bleiben?"
„Das weiß ich noch nicht, warum?"
„Naja... Wolle kaufen dauert nicht so lange... Dann fahre ich vermutlich vor Euch zurück? Oder soll ich auf Euch warten?"
Julias Wangen wurden noch röter. „Dass musst du nicht. Fahr ruhig zurück zur Akademie, wenn du die Wolle gekauft hast."
„Na gut. Ich sage dann mal Finn, dass er sich neue Wolle holen kann." Leopold verließ das Wohnzimmer. Sophie sah ihm Kopfschüttelnd nach. „Die Wolle ruiniert...", murmelte sie.
Julia widmete sich wieder ihrem Buch. Ich fahre Morgen in die Stadt mit Leopold... Allein.
Naja... Bis auf die Wachen, aber die zählen nicht...
(c: sasi)
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Hexe - Der Aufstand
FantasíaJulia möchte ein normaler, sterblicher Mensch sein. Ihre ältesten Geschwister sind Hexen, Zauberer. Julia möchte nichts davon. Sie möchte alles hinter sich lassen. Doch das Schicksal hat anderes mit ihr vor: Kurz vor ihrem 16. Geburtstag zeigt sich...
