Julia
Sie brachen früh am nächsten Morgen auf. Hanno und Flora hofften, bald die Grenze zu erreichen. Nachts hatte es keinen weiteren Vorfall mit einem Irrlicht gegeben. Die Gruppe war komplett und die Stimmung heiter. Alle hofften darauf, bald in ihrer neuen Heimat anzukommen, obwohl noch niemand wusste, wo genau sie diese finden würden. Doch die Steppe zu erreichen, wirkte bereits wie ein kleiner Sieg. Ja. Es war ein kleiner Sieg.
Agathe
Cleo hatte sie enttäuscht.
Agathe saß in ihrem dunklen Büro. Keine Kerze brannte und die Vorhänge blieben zugezogen. Der Raum war so düster, wie Agathe sich fühlte.
Als Cleo vor vielen Jahren verkündete, zum Militär gehen zu wollen, hatte Agathe zunächst Angst. Sie hatte darauf gehofft, Cleo in ihrem Rat von Beratern unterzubringen. In Sicherheit. Ihre Berater hielten ein Auge auf die Finanzen des Königreichs, auf die Gesetzte, die gesellschaftlichen Entwicklungen und, wie ihr Titel besagte, gaben der Königin angemessene Ratschläge. Inzwischen gaben sie ab und an auch ihren drei Ältesten Ratschläge. Aber damals? Sie wollte nicht, dass Cleo ihr Leben riskierte. Cleo hatte sich immer für Schwerter interessiert. Doch Agathe erinnerte das Interesse ihrer Tochter nur an die Flammen in ihrer Wohnung. Vor langer Zeit. Also gab sie Cleo Puppen und Stofftiere. Doch Cleo war stur und schließlich überredete ihr Mann sie, Cleo ein Holzschwert zu schenken. Zu Cleos siebten Geburtstag. Es war zwischen all den feinen Dingen, die ein Mädchen besitzen konnte, ihr liebstes Spielzeug.
Ja. Cleo war wohl das erste Mädchen, dass ein Holzschwert ‚kaputt' spielte.
An der Akademie zeigte Cleo Talent und nach den drei Schuljahren, flehte sie Agathe an, die Militärschule besuchen zu dürfen, anstatt zum Rat zu gehen. Agathe ließ sie. Voller Angst. Doch Cleo blühte auf und schließlich sah sie das Potenzial ihrer starken Tochter. Sie war eine fähige Hexe und eine fähige Soldatin.
Doch nun hatte sie versagt.
Sie hatte ihr Julia nicht zurückgebracht. War ihr Töchterchen einem Drachen zum Opfer gefallen?
Drachen. Sie galten als unbezwingbar.
Sie brauchte Waffen, die selbst einen Drachen töten konnten.
So nah waren Drachen noch nie gekommen, doch sollten sie Julia auf dem Gewissen haben, dann sollten sie vom Erdboden verschwinden. Wenn sie näher an ihre Heimat kamen, wäre das ihr letzter Flug.
Ja. Sie musste für alle Möglichkeiten vorbereitet sein.
„Schatz?" Die Tür zu ihren Büro ging auf und Friedrich kam herein. „Ich bin wieder da. Ich habe vorhin Cleo und Lea getroffen. Julia ist noch verschwunden?"
Erleichtert warf sie sich in Friedrichs Arme. „Was hat dich so lange aufgehalten?"
„Eine Hochzeit?"
Agathe seufzte. „Julia ist noch nicht zurück. Cleo hat versagt. Ich lasse nun andere Soldaten nach ihr suchen."
„Ich bin mir sicher, Cleo hat getan, was sie konnte." Friedrich wirkte müde. Tiefe Schatten lagen unter seinen Augen. „Die Hochzeit war erfolgreich. Noch während der Hochzeitsnacht haben Soldaten der Vampire einige Flüchtlinge zurück zur Grenze eskortiert, wo unsere Soldaten sie in Empfang genommen haben."
„Das ist zumindest eine gute Nachricht." Agathe nickte. „Friedrich? Ich will mein Kind zurück!"
„Unser Kind. Und, ja. Ich will unsere Kinder ebenfalls zurück. Ich fürchte, ich muss mich bei Peter entschuldigen."
„Entschuldigen? Wofür?"
„Dafür, dass ich ihn besser hätte unterstützen müssen." Friedrich küsste ihre Stirn. „König Heinrich hatte die ein oder andere Frage und er bezeichnete Babette als ungeeignet. Ich habe dich immer in allen Entscheidungen unterstützt. Das weißt du. Aber vielleicht hatte er recht. Ich weiß es nicht."
„Er darf seine Meinung gern für sich behalten. Peter braucht nur zurückzukommen, wenn er bereit ist, seine Pflichten zu erfüllen!"
„Und genau dabei kann ich dir nicht zustimmen. Nicht mehr. Ich fürchte, er würde sich nur wieder sträuben. Und was willst du tun? Ihn einsperren, bis er einer Heirat zustimmt? Schatz? Der Junge ist ein Sturkopf."
„Dann stimme mir eben nicht zu!" Sie ließ sich zurück auf ihren Schreitischstuhl fallen. „Ich suche auch nach geeigneten Kandidaten für Cleo und Lea. Es ist Zeit."
Friedrich setzte sich ihr gegenüber. „Cleo und Lea? Ich glaube nicht, dass Lea sich generell dafür interessiert und was Cleo betrifft. Ich hatte den Eindruck sie wäre von dieser jungen Hexe, Charlotte, sehr angetan."
„Ach? Bei meinen Kindern fällt dir das auf? Aber Peter?", spottete die Königin.
„Das Peter Babette nicht mochte ist mir sehr wohl aufgefallen. Dennoch habe ich versucht, ihn von einer Hochzeit zu überzeugen. Es ihm schönzureden! Nun ist er fort! Eine Enttäuschung, ich weiß, aber er ist unser Kind. Willst du Lea und Cleo ebenfalls vergraulen? Und das jetzt? Unsere Jüngste ist verschwunden!"
„Wäre es dir lieber, ich lasse Lea in ihrer Bücherwelt leben? Ohne Enkelkinder? Und Cleo auch? Es ist ihre Pflicht als Prinzessinnen des Königreichs. Die beiden sind das der Krone schuldig. Sie sind keine Bürgerinnen, die heiraten können, wen sie wollen. Und Charlotte ist Cleos beste Freundin. Und mehr wird sie nie sein. Eine gute Freundin."
Friedrich rollte mit den Augen. „Wunder dich nicht, wenn es anders kommt."
Cleo
„Ich werde dich vermissen Lea!", sie drückte ihre jüngere Schwester fest an sich.
„Ich dich auch!" Lea schniefte leise. Sie stand vor der Kutsche, welche sie zur Akademie fahren würde. „Und was wirst du machen? Bleibst du im Schloss und wartest auf Julia?"
„Nein" Cleo schnaubte. „Ich fahre für ein paar Tage zu Charlotte. Ich will nicht in Mamas Nähe sein. Nicht jetzt."
„Das verstehe ich. Und dann?"
„Dann werde ich mein weiteres Vorgehen planen. Und du?"
„Ich nehme mich der Akademie an und vermeide Mutters neustes Lieblingsthema. Heirat. Ohne mich!" Lea schnaubte und stieg in die Kutsche. „Der alte Rektor hat es nicht verdient, rausgeschmissen zu werden. Das Gespräch mit ihm war fürchterlich. Die Akademie war sein Leben. Aber unsere Königin war unerbittlich. Ich habe versucht, ihre Meinung zu ändern. Ich arbeite gern an der Akademie, aber ich will niemandem das Zuhause nehmen. Sie nimmt es ihm übel, dass Julia auf seinem Grundstück entführt wurde und wie die Akademie mit ihrem Verschwinden umgegangen ist. Mama meint, sie haben nicht rechtzeitig reagiert. Und das Julia an der Krankheit erkrankt war... Bevor die halbe Akademie erkrankte. Es war wohl eine Kleinigkeit. Wusstest du das? Ich habe es erst von dem Rektor erfahren. Er hat es beiläufig erwähnt. Du schreibst mir?"
„Natürlich. Versprochen. Und du schreibst mir, ja?" Cleo schloss die Tür und Lea lehnte sich aus dem offenen Fenster zu ihr.
„Ich schreibe dir. Natürlich. Und, Cleo? Du könntest Charlotte heimlich heiraten!" Sie zwinkerte Cleo zu, während sie dem Kutscher anwies loszufahren. Von ihrer Mutter hatte Lea sich beim Frühstück bereits verabschiedet.
Cleo winkte ihrer Schwester perplex hinterher.
Was?
(c: sasi)
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Hexe - Der Aufstand
FantasiaJulia möchte ein normaler, sterblicher Mensch sein. Ihre ältesten Geschwister sind Hexen, Zauberer. Julia möchte nichts davon. Sie möchte alles hinter sich lassen. Doch das Schicksal hat anderes mit ihr vor: Kurz vor ihrem 16. Geburtstag zeigt sich...
