Kapitel 74

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Marie

Die Prinzessin war nicht zum Unterricht erschienen. War sie noch nicht zurück? War ihr etwas passiert? Marie hörte ihrer Lehrerin kaum zu. Frau Drüse ging mit ihnen das Turnier durch und gab jedem Tipps, wie sie sich verbessern konnten. Zwei Schüler aus ihrer Klasse hatten so gut abgeschnitten, dass sie bereits für den Unterricht im Fechtkampf im zweiten und dritten Jahr aufgenommen worden waren. Sie beglückwünschte sie voller Stolz. Die beiden schienen zufrieden.

Und wenn jemand nicht will? Obwohl er aufgenommen wurde? Muss der Schüler dann doch? Wie bei Julia? Wo ist sie nur?

„Marie?" Frau Drüse stand nun vor ihr. Sie hatte sie nicht auf sich zukommen sehen. Marie blinzelte.

„Ja?"

„Hörst du zu?"

„Tut mir leid... Ich mache mir Sorgen um die Prinzessin." Marie verzog das Gesicht. „Ich werde jetzt versuchen zuzuhören."

„Gut!" Frau Drüse nickte. „Also ich hatte dir gerade gesagt, dass du mehr auf deine Füße achten musst. Ja?"

„Ja. Danke."

„Gut. Lass den Verbleib der Prinzessin Sorge der Erwachsenen sein. Vermutlich ist sie in der Stadt unterwegs und kommt bald wieder. Kein Grund, besorgt zu sein."

„Ich versuche es."

„Das ist gut." Frau Drüse lächelte. „Ihre seid befreundet, natürlich machst du dir da Sorgen. Aber jetzt sind wir im Unterricht. Ja?"

Marie nickte.

Dann widmete die Lehrerin sich wieder ihrem Unterricht. Marie seufzte. War Julia wirklich nur in der Stadt? Das konnte sie sich nicht vorstellen. Bislang hatte die Prinzessin sich an die Schulregeln gehalten. Warum sollte sie sie auf einmal brechen? Nur, weil ihr Bruder da war? Und ihre Diener waren auch fort. Etwas stimmte nicht. Sie war sich sicher!"

„Marie?", rief Frau Drüse nun. „Zuhören!"

„Verzeihung!"

Leopold

Leopold saß ihm Wohnzimmer des Ältesten. Dieser hatte einen Brief an die Königliche Familie verfasst. Mit all ihren Forderungen. Die sofortige Freilassung aller Sklaven und ein Gesetz, dass die Sklaverei verbietet. Im Gegenzug würde die königliche Familie ihre Tochter und ihren Sohn zurückbekommen. Wenn sie sich den Forderungen widersetzte, würde sie ihre Tochter nie wieder sehen. Der Kutscher Jürgen hatte sich bereit erklärt, den Brief bis nach Schlossstadt zu bringen und ihn von dort aus zu verschicken. Anonym.

„Leopold?" Der ältere Elf sah ihn streng an. „Jetzt brauchen wir nur noch eine Haarsträhne der Prinzessin, um zu zeigen, dass wir es ernst meinen. Bring diese mir bitte! Es istnoch nicht alles getan. Es ist erst der Anfang. Ich zähle auch dich. Wir sindunserem Volk verspflichtet. Wir dürfen sie nicht verraten. Nicht wahr?"

„Natürlich." Er stand auf. Ichdarf sie alle nicht enttäuschen... Aber...

„Oh! Und nimm Inga mit. Sie ist begierig darauf, diese Aufgabe zu übernehmen!" Der Elf lachte.

Inga, die ihren Namen gehört hatte, eilte in das Wohnzimmer. „Am liebsten würde ich ihr alle Haare abschneiden! Für das, was wir erleiden müssen!"

Ihr Vater zuckte mit den Schultern. „Wenn du meinst. Aber eine Haarsträhne genügt."

Leopold gefiel das nicht. Die Prinzessin hatte nichts getan. Sie war unschuldig. Ein freundliches Mädchen.

„Und Leopolds Mutter wollte sie wie einen Gast behandeln!" Inga schüttelte den Kopf. „Die Prinzessin! Sie muss ein verzogenes Biest sein! Immerhin hat sie gebundene Diener! Und ist im Luxus aufgewachsen! Da kann doch nichts aus einem werden!"

Hexe - Der AufstandGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt