Kapitel 106

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Julia

Der Wald war mehr als nur verwunschen. Je weiter sie gingen, desto atemberaubender wurde, was sie sahen. Grüne Baumstämme, durchsichtige Blätter, große Schmetterlinge mit Flügeln wie Kristall, fremde Beeren und Pilze. Es war wunderschön. Einige der Beeren erkannten sie wieder. Solche hatten ihnen die Feen gebracht. Daher pflückten sie diese und aßen sie.

Feen sahen sie keine mehr. Anscheinend fürchteten sie sich vor den Drachen. Julia konnte ihnen das nicht übelnehmen. Josef lag schnurrend auf ihren Schultern. Julia genoss die Wärme, die der kleine Kater mit ihr teilte. Fiete hatte sich in kleines, weißes Pony verwandelt und trug Finn, damit Marko eine Pause hatte. Marko trottete nun neben Julia her und leckte ihr ab und an über die Hand.

Finn kicherte. Das Reiten machte ihm deutlich Spaß. Ein paar der Elfenkinder wollten auch reiten, doch die Erwachsenen erklärten ihnen, dass nur Finn jetzt reiten durfte. Sofia und Collin hatten sich zu Julia und Leopold gesellt und unterhielten sich mit Leo. Die beiden waren sehr nett und schienen erleichtert darüber, nun nicht Heiraten zu müssen. Julia runzelte die Stirn.

„Ihr wolltet heiraten?", fragte sie. Marko rieb seinen Kopf an ihrer Hand, dann trottete er zu Fiete und Finn. War er vor dem Thema geflohen?

Sofia nickte. „Ja. Und schnell eine Familie gründen. Damit wir sicher vor den Soldaten sind. Aber... Das war der einzige Grund. Wir haben uns eigeredet, dass es die richtige Entscheidung ist, dass wir es wollen, doch..." Sofia seufzte. „Ich bin noch nicht bereit für eine Ehe. Und streng genommen möchte ich keine Kinder. Ich wollte nie Kinder. Ich weiß nicht, ob ich überhaupt heiraten will."

Collin legte den Arm um sie. „Was sie mir erst heute Morgen gesagt hat."

„Was?" Leo sah entsetzt zu Sofia. „Du hattest ihm nichts gesagt? Wegen der Hochzeit? Und der Kinder?"

„Oh! Nein!", wand Collin schnell ein. „Was die Hochzeit betrifft, geht es mir fast genauso. Ich bin auch noch nicht bereit dafür... Das wusste ich. Wir haben uns gemeinsam eingeredet, dass wir bereit sind. Wegen der Soldaten."

„Ich wusste es", murmelte Leo.

„Ich habe ihm vorher nie gesagt, dass ich keine Kinder will. Die Soldaten nehmen keine Ehepaare mit kleinen Kindern mit, daher dachte ich... Ich muss."

„Ich wollte immer Kinder." Collin klang traurig. „Aber wenn Sofia nicht will? Und sie ist erst neunzehn. Wenn wir erst einmal weit weg sind, können wir uns die Zeit lassen, die wir brauchen."

Julia machte das traurig. Niemand sollte so leben müssen. Sofia machte sich Gedanken über Dinge, die für sie selbst so fern waren. Alles, was Julia wollte, war ein Kind sein. Sorglos. Ein normaler Teenager. Nicht, dass sie das jemals gewesen war... Aber vielleicht jetzt. Endlich.

Ich will frei von der Krone sein.

„Worüber redet ihr?" Peter kam zu ihnen. Fiete folgte ihm.

„Hochzeiten", antwortete Leo.

Peter wurde bleich. „Eh... Ja. Mein Lieblingsthema. Hochzeiten! Wie wundervoll... Ich gehe dann mal wieder!" Und er eilte fluchtartig davon, um sich mit Gisele und Lavinia zu unterhalten. Fiete lachte leise.

„Warum reden wir über Hochzeiten?", fragte er.

„Oh... Das ist nicht so wichtig!" Sofia schenkte dem Drachen ein flüchtiges Lächeln und zog Collin davon.

„Erneut habe ich Elfen in die Flucht getrieben!" Fiete schien zufrieden. „Und ihr habt Peter in die Flucht getrieben."

„Wie läuft es mit euch beiden?", fragte Julia. „Du und Peter? Ist alles gut?"

Hexe - Der AufstandGeschichten, die süchtig machen. Entdecke jetzt