Einfach viel zu spät fiel ich irgendwann mitten in der Nacht in mein Bett.
Wie hatte das nur so ausarten können? Merlin, ich konnte mich nicht erinnern, wann ich das letze mal so viel gelacht hatte.
Seufzend setzte ich mich wieder auf und zog mir das Kleid schwerfällig über den Kopf, kurz überlegte ich, mich einfach nur in Unterwäsche unter die Decke zu kuscheln, es dauerte einiges an Zeit, bis ich mich dazu aufraffen konnte mich doch zu erheben und zu dem Schrank zu begeben, aus dem ich ein weißes Nachthemd zog.
Ausgiebig streckte ich mich, nachdem ich mir dieses übergestreift hatte und drehte mich gähnend wieder in die Richtung meines Bettes.
Der Mond strahlte ungewöhnlich hell in mein Zimmer, ich trat zum Fenster hin und blickte für einen Moment hinunter auf den Garten, der fast nahtlos in den Wald überging, der das Anwesen auf der Westseite umgab.
Fast überall waren ausschließlich Gestrüpp und Bäume zu sehen, einzig der Rosengarten wurde gepflegt, doch den konnte ich von hier aus nicht sehen.
Etwas anderes fiel mir dafür ins Auge. Die Stofftasche die auf der gepolsterten Fensterbank lag.
Mein Atem stockte während ich irritiert blinzelnd zu ihr hinunter starrte.
Wie hatte ich diese bloß vergessen können?
Zögernd zog ich das Buch hervor und starrte das in Leder gebundene Buch an, spürte wieder all die Unsicherheit in mir. Sollte ich es wirklich lesen?
Die Antwort war klar, nein, das sollte ich nicht.
Doch schon als ich das Buch heute Mittag aus dem dunklen Holzschrank gezogen hatte, war mir bewusst gewesen, dass ich es trotzdem tun würde.
Meine Unterlippe zwischen die Zähne ziehend befreite ich meinen Zauberstab aus der Schublade meines Nachtschrankes und begab mich unter die Decke "Lumos", flüsterte ich mit rauer Stimme und blinzelte gegen das brennen in meinen müden Augen an.
Zaghaft schlug ich das schmale Werk auf, direkt auf der ersten Seite steckte ein Bild, dass nun mit einem dumpfen Geräusch gegen meine Bettdecke fiel.
Zögernd schob ich die Fotografie zwischen meine Finger und hob sie näher an mein Gesicht.
Das Bild bewegte sich zwar nicht, hatte jedoch für eine Muggelkamera eine viel zu gute Qualität.
Ein Mann stand vor einer Scheune, wohl ein Pferdestall, denn neben ihm stand eines, welches er an den Zügeln hielt.
Der Mann kam mir seltsam bekannt vor und dennoch war ich mir sicher ihn noch niemals gesehen zu haben.
Er war groß, schien stattlich. Seine Haarfarbe konnte ich, dadurch dass das Bild in Brauntönen gehalten war nicht ausmachen, doch ich vermutete braun oder blond, außerdem war es ordentlich zur Seite gekämmt.
Er hatte ein schönes Gesicht, mit erhabenen Zügen und einem angenehmen Lächeln.
Neugierig drehte ich es um, in schön geschwungener Schrift stand oben 'Ramiro 19.07.1910'.
Einige Zeit starrte ich auf die Fotografie, versuchte irgendeinen Sinn in ihr zu finden. Er musste meiner Tante wichtig gewesen sein, wenn sie ein Bild von ihm in ihrem Tagebuch aufbewahrte.
Noch einmal betrachtete ich das Datum, es war fünfzehn Jahre vor meiner Geburt aufgenommen worden.
Noch immer mit einem schlechten Gewissen ließ ich das Bild neben mich gleiten und blätterte eine Seite weiter.
Die Schrift war erschreckend zu sehen. Ein eigenartiger Gedanke, dass sie diese Worte vor so vielen Jahren niedergeschrieben hatte, ihre intimsten Gedanken. Dinge die nicht für die Öffentlichkeit gedacht waren, jedoch zu schwer auf ihrem Herzen lasteten um sie nicht zu äußern.
Meine Lippen verzogen sich zu einem lächeln als ich die klischeehaften Worte 'Liebes Tagebuch,' am Anfang der Seite ausmachte.
Der erste Eintrag war drei Monate, bevor das Bild von diesem Ramiro aufgenommen worden war entstanden.
'ich hasse mein Leben!', mehre Male blinzelte ich, als ich den ersten Satz überflog. 'Welch grausames Schicksal man mir auferlegt, ich liebe Damien, ich liebe ihn so sehr das ich drohe in meinen Gefühlen zu ertrinken. Wieso nur musste Vater davon erfahren, wieso nur, darf ich ihn nicht lieben?'.
Die Verzweiflung in den Worten war so greifbar das mir mein Herz schwer wurde. Das schöne Gesicht meiner Tante in jungen Jahren erschien vor meinem inneren Auge, verzogen vor Kummer und Traurigkeit.
'Und nun. Nun soll ich einen anderen Mann ehelichen, einen Zauberer der meinem Stand gebührt, sagt Vater, keinen widerlichen Muggel. Ich verstehe es nicht, die Welt scheint mir so unendlich verkehrt. Wie kann etwas falsch sein, wo es sich doch so gut anfühlt? Mit Damien zusammen zu sein erfüllt mich, es macht mich glücklicher als ein Buch es jemals könnte und erfüllt mich mit einer Zufriedenheit die unvorstellbar ist. Oh Merlin, manchmal glaube ich, dass ich ihn so sehr liebe, das mein Herz stehen bleibt, so sehr schmerzt es wenn ich an ihn denke, ihn aber nicht sehen kann. Mein liebster Damien, wie sehr wünsche ich mir, eine Zukunft mit dir zu haben.'
Hier endete der Eintrag, ich schluckte und fuhr sanft über die Seiten. Das klang nicht, als würde die Geschichte ein Happyend haben.
Ich kannte den Vater meiner Mutter, ein unheimlich strenger Mann mit einem ebenso unheimlichen Hass auf Muggel.
In meinen Erinnerungen zierte das Gesicht Alexandra's immer ein Lächeln, doch dieses Buch schlug mir so viel Gefühl entgegen, welches nicht weiter hätte von 'glücklich sein' entfernt sein können.
Ironisch eigentlich, wenn man es genau betrachtete wies ihre damalige Situation mit meiner heutigen eindeutige Parallelen auf.
Nur dass mein Vater nichts von Tom wusste. Dennoch wollte er mich verheiraten.
Bearbeitet von G4m3girl
DU LIEST GERADE
Seelenspiegel -Tom Riddle-
Hayran KurguHarry Potter FF| Spielt in Tom Riddles Schulzeit | Hogwarts, dort ist Katharina glücklich. Zusammen mit ihren Freunden führt sie ein nahezu perfektes Leben, ein Alltag, der von Hausaufgaben, Streichen, verbotenen Ausflügen sowie gelegentlichen Rei...
