Kapitel 1

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„...gkook!" Langsam wurde ich aus meinem unruhigen Schlaf gerissen, der mich und meine restliche Energie viel mehr zu verschlingen schien, als mich von all dem Geschehenen zu erholen. Das stetige rütteln an meinen Schultern machte es auch nicht besser und eher schlecht als recht wurde ich vollendest aus meinem „erholsamen" Schlaf katapultiert, indem mir jemand meine warme Decke entriss und mich dabei vom Bett beförderte. Sofort rollte ich von meinem Bett und fiel blind von der plötzlichen Helligkeit und überfordert auf den Boden.

„Arg... Was zum...?!", jammerte ich mir den Kopf reibend, da ich gegen die Kommode gestoßen war und blickte missbilligt auf zu meiner Tante, welche mir entschuldigen entgegen starrte. „Sorry, Kookie. Aber du wolltest einfach nicht wach werden.", erwiderte sie mit einem entschuldigendem Unterton in der Stimme und drehte sich kurz darauf zu meinem Schrank, aus dem sie mir ein paar Klamotten herausfischte. Dadurch das sie für die letzten Wochen zu mir, beziehungsweise zu der Wohnung meiner Mutter gezogen war, hatte ich noch in meinem altbekannten Zimmer schlafen können und war somit keiner total fremden Umgebung ausgeliefert. Andererseits stach mein Herz beim Anblick der Wohnung noch schlimmer als damals als mein Vater oder mein Freund sich verpisst hatten. Kein Wunder. All die Sachen hier in der Wohnung verband ich mit meiner Mutter. Der einzigen Person die mir wichtig war und die nun schon seit einigen Wochen nicht mehr unter uns weilte.

„Kookie, wir bekommen heute besuch, also mach dich fertig und komm in die Küche. Das Essen ist schon fertig angerichtet." Schnaufend stand ich auf und verschwand kurzerhand im angrenzenden Bad. Meine Laune gegen Null und Nerven blank wie frisch poliertes Besteck. „Wer auch immer es ist, sag der Person, dass sie sich schön verpissen kann. Ich hab gerade kein Bock auf aufgesetzte Höflichkeit und Beileidsgeschwafel!" Ich hörte noch wie meine Tante ein leises seufzen von sich gab und stellte mich auch schon unberührt von der Geste unter die Dusche. All diese aufgezwungene Freundlichkeit und Rücksicht von den verschiedensten Fremden oder zumindest entfernten Verwandten/Bekannten die mir ihr Beileid aussprachen ging mir teilweise noch mehr auf den Senkel als in der Schule von meinen Mobbern meine Seele aus dem Leib geprügelt zu bekommen.

Sie kamen nie auf die einfache Idee sich bei uns zu melden. Nur an Weihnachten oder Geburtstagen lagen dann plötzlich billige Postkarten mit aus dem Internet abgeschriebenen Glückwunschsprüchen im Briefkasten und sahen jedes Jahr immer langweiliger und unpersönlicher aus. Dann wenn etwas passiert, dann wenn die einzige wichtige Person aus meinem Leben stirbt, meldeten sie sich plötzlich. Konnte ja sein das es an meiner Einstellung lag, doch sah ich es viel mehr als Beleidigung an als das es mich in irgendeiner art und weise beruhigen oder befriedigen würde.

Langsam schloss ich meine Augen. Sofort fiel ich in die tiefe Dunkelheit die mich nun umgab und versank immer weiter in meinen negativen Gedanken. Alleine schon den Gedanken was genau mich noch an diese Welt hält hatte ich mich schon zum tausendsten mal unbewusst gefragt. Und zu einem Ergebnis kam ich nicht. Nur die bitter traurige Erkenntnis das ich niemanden mehr hatte, an den ich mich wenden konnte, an den ich mich lehnen konnte wenn es mir schlecht geht spiegelte sich vor meinem inneren Auge wieder. Ich hatte nichts mehr... Schlecht gelaunt griff ich nach dem Shampoo und fing an mir die nassen Haare einzuschäumen. Es gab oder besser gesagt gibt sogar Momente in denen ich einfach in dem Spiegel sah und angewidert von mir selbst war. Zu wissen das man nichts hatte was einen an die Welt band. Zu wissen das man aus Prinzip aufhörte richtig Nahrung zu sich zu nehmen, nur um herauszufinden wann es so weit war, dass der Körper von alleine aufgab. Zu wissen das man bei jedem einzelnen Schritt den man tat einfach zusammen brechen konnte. Zu wissen das man schwach war!

Grummelnd fing ich nun an den erst meines Körpers einzuseifen, sah dabei an mir herunter und spürte auch sogleich wieder den aufkommenden Selbsthass. Sie dich an! Dünn wie ein Stock, blass wie eine Leiche und verdammt hässlich! Angewidert sah ich wieder hoch zum Duschkopf und wusch den restlichen Schaum ab. Was ist nur aus mir geworden?

Schnaufend trocknete ich mich grob ab und schlüpfte in meinem Zimmer in die mir bereit gelegten Klamotten, die zusammen mit meinem Handy auf meiner Kommode lagen. Wer wohl heute angerannt kam und sich mehr oder weniger bei mir ausheulte wie schrecklich das Leben doch sein konnte und was für ein trauriges Schicksal mir und meiner Mutter Wiederfahren war... Jeden tag bekam ich das selbe zu hören. Jeden verdammten Tag. Meistens sogar von Leuten die ich noch nie zuvor gesehen hatte und es war nicht die rede von Nachbarn. Denn bei denen wusste ich wenigstens wer sie waren.

Schweigend betrat ich die Küche, setzte mich auch schon auf den Stuhl vor mir und vergrub niedergeschlagen wie eh und je meinen Kopf unter meinen beiden Armen, die ich auf meinem Haupt ablegte. Wieso geschah das alles? Wieso gerade ich? Was hatte ich in meinem vorherigen Leben nur verbockt das ich so leiden musste? Was hatte ich getan das ich so viel einstecken musste? Bedrückt schloss ich meine Augen. Tatsächlich hatte ich schon seit mein Vater uns damals verlassen hatte kein einziges mal mehr geweint. Selbst als mich diese Spaßten aus meiner Schule mich als Boxsack missbrauchten nicht. Ich ließ es einfach geschehen. Es war wie eine Blockade, die mich daran hinderte meinem gegenüber meine wahren Gefühle zu zeigen. Es gab nur die blanke Panik, Wut oder leere. Sobald etwas passierte das mich eigentlich traurig stimmen sollte, spürte ich einfach diese tiefe leere die mich frustrierte und an den Rand des Wahnsinns trieb.

Auf einer Seite praktisch, wenn man mal wieder von einer Horde an pubertierenden Idioten verprügelt wird, auf der anderen Seite mehr als nur belastend wenn man vor dem Grab einer mehr als geliebten Person stand und nicht eine einzige Träne aus den Augenwinkeln gepresst bekam...

Lautes Klingeln ließ mich aus meinem kurzen Schlummerschlaf erwachen, weswegen ich grummelnd aufsah und die dumpfen Stimme meiner Tante und die einer undefinierbaren männlichen Person wahrnahm. Dadurch das ich noch müde ohne Ende und mein Blick noch relativ verklärt war, erkannte ich anfangs auch nur zwei Umrisse die sich aus dem Flur Richtung Küche bewegten. Wer war das? Mit gerunzelter Stirn sah ich etwas auf, nur um plötzlich einen Fremden und doch mir allzu bekannten man in die Küche eintreten zu sehen. Was zum... Mein Blick wurde klarer und wüsste ich nicht das ich gerade erst noch geduscht hatte, so würde ich ehrlich denken noch schlafend im Bett zu liegen.

„Jungkook. Wie du du bestimmt schon gemerkt hast, ist dein Vater heute extra für dich hier her geflogen. Ist das nicht schön?", strahlte mir meine Tante entgegen, wobei sie meinen lang ‚verschollenen' Erzeuger langsam in die Küche schob. Nein oder...? Bitte nicht...



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sleepy Jungkook

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sleepy Jungkook... so cute X3 

Lonely Wolf [bxb]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt