Kapitel 93

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Bang Chan POV:

Mein Herz raste. Seit ich hier in Ravis Rudel bei Woojin festsaß ging es mir immer schlechter. Ich verlor den Sinn des Lebens aus den Augen, bekam des öfteren grundlos Panikattaken und zweifelte teilweise an meinem eigenen Können. Es war die Hölle! Woojin machte es mir hier zur Hölle. Einst gehörte er zu meinem engsten Freundeskreis. Er gehörte zu den ersten Personen die ich aus meinem Rudel, dem Stray Kids Rudel kennen gelernt habe, dadurch das wir schon als Kleinkinder gemeinsam zusammen waren. Wir waren wie Brüder und als solchen hatte ich ihn bis vor kurzem auch angesehen. Doch die letzten Jahre hatten nicht nur mich und die Anderen geprägt. Ihn hatte es wahrscheinlich am schlimmsten getroffen. Und ich als Alpha des Stray Kids Rudels hatte das nicht mal bemerkt.

Ich hatte regelrecht auf gesamter Linie verkackt, versagt und war gescheitert! Ich war ein schlechter Alpha, konnte meinen Pflichten nicht richtig nachgehen und hatte unschuldigen Seelen das Leben zerstört! Nun bekam ich alles zurück. Die letzten Tage wurden schlimmer. Woojin schlug mich, schrie mich an und nahm mir meinen ganzen Stolz. Alleine schon dran zurück zu denken ließ mich unangenehm erschaudern. Anfangs hatte ich es nicht verstanden. Wie kam es nur so weit das er uns verraten hatte. Was war der Grund dafür und wieso hielt er ausgerechnet mich hier bei sich wie einen Hund. Doch je mehr Zeit ich mit dem neuen Woojin verbrachte, desto mehr verstand ich es. Die letzten Jahre hatten ihn gebrochen. Die Freude in seinen Augen war weg und wurde durch den Irrsinn ersetzt.


Er strebte etwas. Nach Macht. Macht die ich ihm nicht geben konnte. Und trotz dessen beharrte er darauf, redete immer davon aus mir den Stärksten zu machen. Wenn er nur wüsste! Wenn er nur wüsste wie sehr ich auf andere angewiesen war. Ich brauchte meine Familie. Ich wollte bei ihnen sein. Der einzige Antrieb stärker zu werden war für mich der, meine Familie beschütze zu können. Doch eben jene Familie hatte ich verloren. Wer wusste ob ich sie jemals wiedersehen würde... Wer wusste was sich Woojin mit all dem erhoffte. Das er ausgerechnet mich durch die ganze Scheiße gehen ließ.

Mein Atem wurde unregelmäßiger. Die Angst, die Frustration und der Schmerz krochen meine Knochen hoch und übermannte mich mit einem Cocktail aus negativen Gefühlen. Ich wollte erbrechen, so schwindlig war mir. Ich wollte zurück in mein altes Leben. Damals als alles noch Okay war. Etwas das nie wieder sein würde. Erinnerungen an die glücklichen Momente in meinem Leben waren das Einzige das mich an Tagen wie diesen aufheiterte. Glückliche Gesichter die nun wahrscheinlich ein ruhiges und ausgeglichenes Leben unter Changbins Führung leben würden.

Panisch presste ich mich an die Hauswand. All diese Gefühle wurden von Tag zu Tag drängender. Es wäre eine lüge wenn ich meinen Zustand als normal beschreiben würde. Nein. Meine Psyche war schon längst kaputt und schrie um Hilfe. „Scheiße! Was soll ich tun!" Wütend auf mich selbst krallte ich meine Hände in meinen roten Haaren fest und zog. Scheiße! Ich habs verbockt! Einfach alles! Selbst jetzt kann ich keine richtigen Entscheidungen treffen! Ich bin und bleibe ein Versager!

Mein Blick wanderte betrübt auf die große Tür. Gestern Abend saßen wir noch gemeinsam hier vor der Tür und planten unsere Flucht. Ich und Ravi, welchen ich nach dem Gespräch tatsächlich ziemlich sympathisch fand. Mir war bewusst das die Flucht nur auf ihn und mich bezogen war. Weder konnte ich Woojin mitnehmen, noch konnte ich ihm überhaupt von all dem erzählen. Würde ich es nach all der Folter überhaupt machen? Er war nicht mehr er selbst. Es würde sich nicht lohnen ihm helfen zu wollen. Dafür hatte ich den Moment schon verpasst.

Und nun? Wir waren so weit gekommen! Noch ein wenig und Ravi und ich hätten den ersten Teil unserer Flucht schon hinter uns gebracht. Doch nun musste ja alles schief gehen. Ich musste Woojin nicht mal davon erzählen, nein! Er hatte es schon selbst herausgefunden. Es gefiel ihm nicht und das machte mir Angst! Die letzten Tage hatten mir klar gemacht wie gefährlich mein ein paar Monate älterer Hyung war und ich sprach nicht von seinen dauernden Versuchen mich gegen meinen Willen zu markieren. Er war wortwörtlich blutrünstig. Es gefiel ihm Macht auszuüben, umso mehr versuchte er aus mir dasselbe zu machen wie das, was er nun war.

Lonely Wolf [bxb]Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt