34. Die Quelle des Mutes

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  „Und du hast auch wirklich alles?", fragte die Prinzessin Hyrules. „Zum dritten Mal: Ja verdammt!", antwortete Raisa genervt. Ihre kurze Reise mit Zelda hatte noch nicht einmal angefangen und sie war schon so weit, dass sie der Prinzessin den Hals umdrehen könnte.
„Wir drehen nicht um. Du musst dir sicher sein", sagte Zelda und stieg auf ihren weißen Schimmel. „Du fragst mit Absicht, habe ich Recht?", fragte Raisa. Sie durfte sich wieder ein Pferd aus dem Stall der Königsfamilie aussuchen. Und ihre Wahl fiel natürlich wieder auf den schwarzen Hengst. Auf der Reise mit der schwierigsten Person überhaupt hatte er sie begleitet. Und da Raisa lebend zurück kam, sah sie dies als gutes Zeichen. Somit musste dieses Pferd mit.



„Ist ja gut, ich höre auf zu fragen", sagte Zelda. „Wo bleibt eigentlich dein Leibwächter? Er ist zu spät." Raisa machte sich zwar aus Pünktlichkeit selbst nichts, aber die Fehler von anderen zu kritisieren, war doch einfacher. „Da kommt er." Zelda deutete auf das hellbraune Pferd mit weißer Mähne, dessen Reiter mit dem auffälligen blauen Gewand bereits zu sehen war.
„Es ist sowieso total überflüssig, dass ich euch begleiten muss. Ich meine, Link begleitet dich doch. Warum muss ich da noch mit?" Interessant war, dass sobald Raisa etwas nicht passte, ihre Schweigsamkeit verflogen war und sie anfing zu reden. Aber auch nur solange, wie sie sich über irgendetwas beschweren konnte.
„Vater ist begeistert von dir und Revali. Ich kann nachvollziehen, dass er dich in meiner Nähe wissen möchte. Er glaubt, dass du einen guten Einfluss auf mich hast." Somit wusste Raisa auch, dass der König ein völlig falsches Bild von ihr hatte. Sie und einen guten Einfluss auf Zelda? Dass sie nicht lachte.



„Ich denke, wir wissen beide, dass dies unmöglich ist", sagte Raisa. Zelda nickte daraufhin nur. Raisa stieg auf den Hengst, als Link zu den beiden dazu stoß. „Wir können los", sagte Zelda ihrem Leibwächter. Dieser nickte nur und im Trab verließen die drei Hyrule Stadt. Als sie auf der Ebene von Hyrule ritten, schweifte Raisa's Blick gen Westen. Und sie tadelte sich auch gleich gedanklich dafür. Jedes mal, an jedem einzelnen Tag, sofern sie in Hyrule war, schaute sie mindestens einmal nach Westen. Und zwar unwillkürlich. Dabei wusste sie genau, dass im Westen der riesige Vogel, auch bekannt als Vah Medoh, und sein arroganter Pilot sich dort aufhielten. Das musste Ironie des Schicksals sein. Immer wenn sie versuchte diesen Vogel zu vergessen, schaute sie dort hin.



„Ist etwas? Oder warum schaust du so zu Medoh?", fragte Zelda. Raisa fühlte sich ertappt und dass ihr das grade bei dieser Sache passieren musste, machte es nicht besser. „Ich frage mich, ob der Spinner dort mit seinem Titanen überhaupt klar kommt", log sie Zelda an. „Natürlich kommt er das! Ich habe geforscht und beobachtet und alles notiert! Revali kann mit seinem Titanen wundervoll umgehen", sagte Zelda. Musste sie jetzt den Wind aus den Segeln nehmen?
„Wer es glaubt, wird selig", sagte Raisa nur dazu. „Wir befinden uns auf einer Reise, um die Götter anzubeten. Könntest du es also unterlassen derartige Redewendungen zu verwenden?", fragte Zelda schroff. „Du befindest dich auf einer Reise, damit du die Götter anbeten kannst. Verdreh hier nicht die Wahrheit!", fauchte Raisa zurück. Zelda gab daraufhin Ruhe, etwas, was Raisa sehr zu schätzen wusste.


Sie erreichten nun nach langem die Hylia Brücke. Diese erinnerte Raisa ein wenig an die unnormal riesige Brücke zum Niemandsland. Damals waren Revali und sie dem Leunen begegnet. Der Gedanke daran ließ sie Grinsen. Bei der Göttin war er sauer auf sie, weil sie sich dem Monster entgegengestellt hatte. Ach, war das herrlich.
„Wir sind bald in Phirone und somit auch bei der Quelle des Mutes. Das Ritual dort wird zwar zwei Stunden" – „Zwei Stunden?!", unterbrach Raisa Zelda. Das war nicht ihr Ernst! Dies würde sie niemals überleben! Zwei Stunden jemanden zusehen, wie er im Wasser stand und betete....
„Das Ritual wird zwar zwei Stunden brauchen, aber heute Abend bist du schon wieder zurück. Also beschwere dich nicht", sagte Zelda.



Die hatte leicht reden. Zeit war kostbar. Raisa hatte den Fehler einmal gemacht und ihre Zeit nicht zu schätzen gewusst und dafür musste sie auch büßen. Ironie des Schicksals das grade Zelda, die ihre Zeit nun stahl, ihr damals geholfen hatte. Sie hatte ihr Leben gerettet, welches Raisa beinahe verloren hatte. Das war auch der Grund, warum sie Zelda etwas schuldig war. Aber nun war diese Schuld beglichen und eigentlich wollte sie nie wieder irgendetwas für Zelda tun. Und nun?
Nun saß sie auf einem Gaul, neben ihr die besagte Prinzessin und Link war auch noch mit dabei. Und ein weiteres Mal tat sie etwas für Zelda. Indirekt zumindest. Der Befehl kam ja vom König.



Sie erreichten Phirone und somit war die Quelle des Mutes auch fast erreicht. Zum Ende hin galoppierten die Pferde relativ schnell zum Zielpunkt. Raisa schnaubte, als sie die Quelle des Mutes erblickte. Dafür der ganze Aufwand? Es sah aus, wie die Überreste eines alten Tempels in den es hinein geregnet hatte. Und ein Dach war auch nicht mehr da.
Ein langer Steg führten die drei näher zu der Statue der Göttin. Der Weg endete jedoch, bevor sie die Statue erreichten.



Raisa und Link waren dazu verpflichtet sich umzudrehen, als sich Zelda ihr weißes Kleid anzog. Das Link dies musste, konnte sie noch verstehen, aber sie selbst? Sie war doch auch eine Frau.
Jedenfalls stieg Zelda in das Wasser und fing mit ihren Gebeten an. Anfangs hatte Raisa noch zugesehen, allerdings wurde ihr das viel zu langweilig. Sie hatte sich somit das Gebiet rund um die Quelle angesehen, ein kleiner Zeitvertreib zumindest.
Ihr Weg führte jedoch zur Quelle und Zelda und Link zurück. Als Leibwächter war man da schon arm dran. Er musste die ganze Zeit hier stehen und sie im Auge behalten. „Das wievielte mal machst du das jetzt mit?", fragte Raisa ihn. „Das dritte Mal", antwortete er ihr. „Und du bist noch nicht irre geworden?", fragte Raisa verwundert.



Zelda seufzte unterdessen und ließ die Hände ins Wasser fallen. „So wird das nie etwas. Vater versteht nicht, dass ich die Siegelkraft so nicht erwecken kann. Ich kann noch so oft diese heiligen Quellen besuchen, es passiert einfach nichts", sagte sie traurig.
„Das liegt nicht daran, dass du zu wenig betest oder Quellen besuchst, du glaubst einfach nicht an dich. Du hast es doch bereits aufgegeben. Ohne den Glauben an dich selbst wirst du die Kraft des Siegels nie erwecken." Raisa hatte die Arme vor der Brust verschränkt und schaute zu der Prinzessin im Wasser herab. „Was weißt du schon davon?" Zelda sah zur Statue der Göttin auf.
„Nichts. Mir ist es auch gleich, ob du diese Kraft besitzt oder nicht. Fakt ist, dass du ein mangelndes Selbstbewusstsein hast, deinen Frust darüber an anderen auslässt und erst gar nicht wieder damit anfängst an dich zu glauben", erzählte Raisa. „Und was soll ich deiner Meinung nach tun? Mich jeden Tag vor den Spiegel stellen und sagen, dass ich die Beste bin?", fragte sie Sarkastisch. „Das wäre ein Anfang." Sie lachte spöttisch auf.



„Vielleicht nicht in diesem Ausmaß...", gab Raisa dann doch zu. „Ach was soll's. Ich habe eh schon alles probiert, wieso eigentlich nicht? Hinter verschlossener Hand werde ich sowieso schon verspottet, also ist es doch egal, was ich mache. Ich probiere es aus."
Und letzten Endes hatte sie doch einen guten Einfluss auf Zelda? Unglaublich...
„Ich verlange dafür etwas", sagte Raisa. Die Prinzessin sah fragend zu ihr auf. „Du kennst nicht zufällig jemand weisen, denn ich um Rat fragen könnte. Es muss jemand sein, der sich auf etwas einlässt. Jemand der einen glaubt."



Zelda senkte ihren Blick und überlegte. Dann sah sie jedoch lächelnd wieder auf. „Ich weiß da wirklich jemanden!"

Number 6Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt