Mittlerweile war schon wieder so einige Zeit ins Land gestrichen. Die Recken nutzten diese Zeit, um individuell und effektiv an sich zu arbeiten und um stärker zu werden. Die Spannung stieg allmählich, denn obwohl die Recken nun ziemlich gut vorbereiten waren, so hatte Zelda noch immer keine Erfolge mit ihrer Siegelkraft. Und diese Kraft war notwendig, um Ganon zu besiegen.
„Was trödelst du hier so herum? Ich will raus aus dieser Stadt!" Raisa verschränkte ihre Arme und drehte sich zu Revali um. Dieser hatte sich grade vor einen Stand gestellt, welcher, wie war es auch anders zu erwarten, Pfeile verkaufte. Er antwortete ihr nicht, wandte sich jedoch von dem Stand ab und ging an ihr vorbei. „Wie lange willst du da noch stehen bleiben?", rief er schließlich.
Raisa stand noch einen Moment lang verdattert da, ehe sie sich fragte, was er sich eigentlich herausnahm.
Revali und Raisa waren in Hyrule Stadt, um Besorgungen zu erledigen. Nun, um genau zu sein, wollte Raisa gar nichts aus Hyrule Stadt. Sie kam ja nicht einmal gerne an diesen Ort.
„Du hasst diese Stadt wirklich, oder? Ach Moment, ich vergaß, du hasst ja alles Mögliche", sagte Revali. In letzter Zeit hatte Raisa dank ihm oft das Bedürfnis etwas kaputtzumachen oder ihn zu schlagen. So anstrengend war es mit ihm Zeit zu verbringen. Und das konnte sie, wo sie nun schon seit geraumer Zeit jeden Tag mit ihm verbrachte, beurteilen.
„Ich gebe dir noch zehn Minuten. Wenn du dann nicht fertig bist, gehe ich. Mir egal, was dann ist", sagte Raisa, sichtlich genervt über sein Verhalten. Während Revali also in seinen letzten zehn Minuten noch weitere Besorgungen machte, ließ Raisa ihren Blick über die ganzen Hylianer schweifen, die sich wie wild gewordene Tiere auf Wahren stürzten. Doch nach einiger Zeit verlor Raisa ihr Interesse daran. Dachte sie zumindest. Sie erblickte einen herausstechenden, roten und lockigen Schopf in der Menge, der sie selbst dazu brachte, das Gesicht zu verziehen. Dieselben Haare hatte eine gewisse, nicht mehr lebende Person, auch.
Als Revali zurückkam, sah er Raisa's angespannte Gesichtszüge und zog nur eine Augenbraue nach oben. „Hast du einen Geist gesehen oder was ist jetzt schon wieder?", fragte er.
„Einen Geist gesehen? Das beschreibt es eigentlich ziemlich treffend." In Gedanken setzte Raisa einen weiteren Punkt auf ihre Liste, welche Gründe sammelte, diese Stadt schnellstmöglich zu verlassen. „Können wir jetzt gehen?", fragte sie zwischen zusammengepressten Zähnen.
Bevor er antwortete, ließ Revali seinen Blick umherschweifen, um den Grund für Raisa's noch schlechtere Laune ausfindig zu machen. Dabei bemerkte er eine Hylianerin mit auffälligen roten Haaren auf ihn und Raisa zukommen. Und mit einem Mal dämmerte ihm, was Raisa hatte.
„Verzeihung", sagte die fremde Hylianerin. Raisa sah dabei auf, machte ein so emotionsloses Gesicht, wie sie nur konnte. Dabei war sie innerlich alles andere als emotionslos. Das, was sie vor sich zu sehen bekam, war nicht möglich. Das konnte einfach nicht sein... Das war eine verdammte Unmöglichkeit! Wie konnte diese Hylianerin nur Seina so ähnlich sehen?
„Was ist?", fragte Raisa recht kühl. Revali schenkte ihr daraufhin kurz einen mahnenden Blick.
„Ihr seid doch die ehrenwerten Recken, oder nicht?", fragte die Rothaarige. „Ja, die sind wir." In Revali's Stimme war ein Hauch von Arroganz und Stolz herauszuhören. Wenn nicht, dann wäre er vermutlich auch krank. Aber Raisa wollte nichts sagen – sie konnte auch gar nicht. All die negativen Erinnerungen kamen wieder hoch.
„Ich habe es an Euren Schälen in der Farbe der Königsfamilie erkannt", klärte sie auf. Raisa vermied jeglichen Augenkontakt und versuchte auch nicht weiter dem Gespräch zuzuhören. Ihr war klar, dass dies nicht Seina war, dennoch hegte die Erscheinung dieser Frau Wünsche in Raisa, dass sie es wäre.
„Nun, das ist schließlich ihr Zweck", erwiderte Revali. „Also... Ihr werdet also wirklich gegen diese Verheerung kämpfen...und siegen, oder?", fragte diese Frau weiter.
„Ich gehe jetzt", sagte Raisa zu Revali, ohne diese Hylianerin weiter zu beachten, geschweige denn ihre Frage zu beantworten. Dass er die gesamte Zeit über sowieso schon am Zeitverschwenden war, ging ihr dermaßen gegen den Strich. Doch dass er dies auch noch mit dem exakten Abbild von Seina machen musste, brachte das Fass dann zum Überlaufen. Um es auf den Punkt zu bringen: sie hielt es keine Sekunde länger auf und machte sich deshalb auf, die Hauptstadt zu verlassen.
Ein paar Worte drangen bei ihrem Abgang jedoch noch zu ihr durch: „Das ist unglaublich! Wie viele Leben dadurch wohl gerettet werden?" Es hörte sich nach einfacher Begeisterung an, von jemandem, der die Recken ermutigen oder ihnen Dank aussprechen wollte. Und obwohl Raisa nicht direkt angesprochen wurde, bei ihrem Abgang wohlgemerkt, so hatte sie noch nie so sehr das Gefühl gehabt, dass etwas an sie gerichtet war. Leben retten.... Was für Worte von einer Person, die jener Person so ähnlich sah, die Raisa nicht retten konnte.
Das ließ Skepsis in ihr aufkommen, auch, weil dadurch alte Wunden aufgerissen wurden. War es nicht einfach alles des Zufalls zu viel? Raisa machte noch auf dem Absatz kehrt, unterdrückte jegliche Art von Gefühlen der Trauer und der... Sehnsucht könnte man fast schon sagen, und ließ ihre Skepsis und ihr Misstrauen über sich herrschen. „Wolltest du nicht gehen, edle Vertreterin der Hylianer, welche sich von ihrer eigenen Rasse abwendet?", fragte Revali spöttisch. Sie verkniff es sich mit den Augen zu rollen und schaute ihn mit gehobenem Haupt einfach nur in die Augen.
Allerdings wusste sie, dass Revali sie mit diesen Worten weder provozieren noch verletzen wollte, er tat es einfach nur, um sie aufzuziehen. So etwas taten beide seit geraumer Zeit ziemlich oft. Noch etwas, was sich gegen früher geändert hatte. Denn damals ging es eben nur darum, den anderen fertig zu machen. Tatsächlich hatten sie aber nie darüber gesprochen, es sowohl ihr als auch ihm einfach klar. So viel war klar geworden, irgendwie...
„Ich habe meine Meinung eben geändert", erwiderte sie schlicht. „Du bist ein Buch mit sieben Siegeln", sagte Revali daraufhin nur. „Danke, du nicht", gab sie zurück.
Die Hylianerin, die zu Raisa's Leidwesen noch immer nicht gegangen war, räusperte sich, um auf sich aufmerksam zu machen. Und Raisa's Aufmerksamkeit hatte sie – mehr als so manch einer vor der Rothaarigen. Raisa spürte einfach, dass da irgendetwas nicht stimmte. Und auch wenn der Anblick dieser Hylianerin nicht einfach für sie war, so würde sie dies dennoch ertragen, nur um dahinter zu kommen. „Raisa?", fragte sie unsicher und fast schon vorsichtig, wohl nicht wissend, wie sie Raisa ansprechen sollte. „Was?", fragte Besagte. „Also... Ihr seid, genauso wie der andere Recke der Hylianer, wie ein Hoffnungsträger unserer Rasse, deshalb...", die Hylianerin machte eine kurze Pause, „wäre es mir eine große Ehre mich Euch Zeit verbringen zu dürfen. Wenn auch nur kurz." Was für eine dumme Bitte. Als würde sie jemals... Wobei?
Raisa musste sich bei ihren Gedankengängen ein hämisches Grinsen verkneifen. Gut, dann sollte sie einfach mal mitspielen. „Wir waren sowieso auf dem Rückweg. Gehst du mir allerdings auf die Nerven, dann verziehst du dich", sagte Raisa beiläufig, ehe sie Richtung Stadttor ging.
Revali sah ihr mehr als verdutzt hinterher. War das grade Raisa, sie da vor ihm ging? Musste ja, aber ihr Verhalten war ungewöhnlich. Eigentlich war sie niemand, der so schnell seine Meinung änderte. Auch würde sie eigentlich einer dahergelaufenen niemals erlauben mitzukommen. Oder lag es einfach daran, dass diese Hylianerin Seina ähnlich sah? Vermutlich... Das würde wohl alles erklären.
Er hoffte nur, dass Raisa sich da nicht in irgendetwas verrannte...
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Number 6
FanfictionDie Hylianer fanden einen weiteren Titanen, der gegen die Verheerung Ganon eingesetzt werden sollte. Kurzerhand entschloss sich Prinzessin Zelda noch einen weiteren Recken aufzunehmen. Doch wen? Alle Völker Hyrules waren bereits vertreten. Nach lang...
