130. Heimkehr

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Durch das Konzert war ich so platt gewesen,! dass ich am nächsten Tag erst gegen Mittag wach wurde. Verschlafen tapste ich runter zu den anderen und setzte mich zu ihnen an den Tisch. "Seit wann fahren wir?" fragte ich in die Runde und fuhr mir durch meine langen braunen Haare. "Wir sind mitten in der Nacht gestartet. Ich habe mit der Crew, nachdem ihr alle abgehauen seid, alles besprochen." meinte Mikko während er in ein Buch sah. "Und wann genau ist das jetzt?" erkundigte ich mich. "Zwei Uhr in der Nacht." Ich nickte und schlang meine Arme um Samu's linken Arm. Er grinste mich an und fragte mich ob ich was essen wollte, doch ich verneinte. "Wann werden wir wieder in Finnland sein?" quängelte ich leicht. "Das wird noch dauern." rief Dan vom Steuer hinter. Ich löste mich rasch von Dad und setzte mich auf. "Das hast du nicht zu entscheiden!" - "Eh, ich habe die ganze Nacht kein Auge zu gemacht! Schön dass ihr in Ruhe da oben in euren Betten schlafen könnt." beschwerte er sich. "Dann hättest du kein Busfahrer werden sollen." nuschelte ich in meinen nicht vorhandenen Bart. Ich lehnte mich zurück und faltete meine Hände auf meinem Schoß. "Das habe ich gehört liebste Yun." rief Dan zu mir nach hinten. "Wage es noch einmal meine Tochter so zu nennen und du lernst im hohen Bogen zu fliegen! Ist das klar? Achte lieber mal auf die Straße!" fauchte Dad ihn sofort an. Man hörte den Busfahrer daraufhin nur schwer schlucken. Samu hatte ihn eindeutig eingeschüchtert. Tja, in seiner Gegenwart sollte man mich am besten nicht irgendwie anmachen, Süße oder sonst wie nennen. Es fiel für Dad ja schon schwer wenn Santtu es tat, also war es bei fremden Typen natürlich noch krasser, wenn Samu davon irgendetwas mit bekam. Mit Sicherheit wäre Samu ihm sogar um den Hals gefallen und hätte ihm jegliche Knochen gebrochen. Wie es dann wohl sein würde wenn Jules und er ein Kind hatten? Durch diese Frage, die ich mir gestellt hatte machte ich mir Gedanken, wie es wohl sein würde mit einem Geschwisterchen. Ich mochte Jules sehr, doch ich glaubte ein Geschwisterchen wollte ich nicht haben. Samu's Aufmerksamkeit wäre dann nur noch auf das Baby gerichtet und ich wäre Luft... und zwar für beide. Jules und Samu! Ich hasste es ja jetzt schon dass Samu nur noch für Jules Augen im Kopf hatte! Mich ignorierte er voll kommen, wenn sie da war und auch wenn er mit ihr schrieb. Ich war total in Gedanken versunken, so dass ich gar nicht merkte wie wir auf einen Rastplatz fuhren. Samu musste mich mehrere Male anstupsen eh ich bemerkte dass wir nicht mehr fuhren. "Na komm. Zieh dich an und komm mit raus. Ein bisschen Bewegung schadet bestimmt nicht und außerdem können wir uns eine Kleinigkeit kaufen." sagte Samu lächelnd und stand auf. Ich stand auch auf und ließ Samu raus. Anschließend setzte ich mich wieder hin und stützte meinen Kopf auf meiner rechten Hand ab. "Hey, willst du nicht raus?" fragte mich Dan und sah zu mir herunter. Ich zuckte nur mit den Schultern und starrte gerade aus. "Dan!" knirschte Dad. Ich drehte mich um und sah ihn an. Er war aus irgendeinem Grund wieder rein gekommen. "Verschwinde nach draußen." Dan nickte und ging. Bevor er jedoch raus konnte packte Samu ihn am Kragen und zichte wütend: "Halt dich von meiner Tochter fern!" Anschließend ließ er ihn los in dem Samu ihn leicht weg schubste. Dan war wie versteinert, löste sich jedoch aus dieser Starre und eilte die Treppen runter. "Musste das wirklich sein?" fragte ich leise. Eigentlich wollte ich es nicht fragen, doch hatte ich es trotzdem aus gesprochen. "Ja." Bekam ich als Antwort. Dad schnappte sich sein Portmonee und verließ den Bus wieder. Seufzend stand ich auf und ging nur mit einem Top, meiner Schlaf Boxershorts und Barfuß raus an die frische Luft. Mikko und die restlichen Jungs sahen mich an. Kurz danach mussten sie auch schon anfangen zu lachen. "Wo ist Papa?" fragte ich. "In dem Cafe da drüben." zeigte Riku mir den Weg. Sami musste sich nur das Lachen verkneifen. Ich rannte zu dem Cafe auf das Riku gezeigt hatte. Als ich es betrat sahen mich einige dumm an, doch ich ignorierte die Blicke der fremden Leute. Ich sah Samu an der Kasse stehen, also lief ich zu ihm und stellte mich neber ihn. Ich nahm wie ein kleines Kind ein Zipfel seines T-Shirts. "Hey, willst du auch was?" fragte er mich daraufhin lächelnd. "Ein Käsebrötchen." Samu nickte und sagte der Kassiererin noch die Bestellung. Nachdem wir das Essen und Trinken hatten verließen wir das Cafe wieder. "Du bist so verrückt." lachte Samu lauthals los als wir auf dem Weg zu den Jungs waren. Ich zuckte daraufhin nur mit den Schultern und knabberte an meinem Brötchen. Als wir dann bei den Jungs waren stellte ich mich neber Mikko und Papa. Dan stand etwas weiter weg und aß etwas. Ab und zu schielte er mal zu mir und musste bei meinem Anblick schmunzeln, doch aus Angst vor Dad sah er immer wieder schnell weg.

Wir verbrachten eine lange Zeit auf diesem Rastplatz, eh wir wieder in den Bus stiegen und weiter fuhren. Ich verzog mich nach oben und zeichnete ein wenig. Währenddessen hatte ich über den Fernseher Musik laufen. Zum Glück hatte ich einige CD's von Linkin Park mit genommen, damit ich schön Musik hören konnte. Natürlich störte es die Jungs, dass ich die Musik so laut laufen hatte. Sie fragten mich immer wieder was das für ein Krach wäre, woraufhin ich mit 'Das ist kein Krach! Das ist gute amerikanische Musik!' antwortete. Durch das zeichnen und Musik hören vergingen die Stunden wie im Flug. Die Nacht über wollte Mikko auf einem Rastplatz verbringen, damit Dan ein wenig Schlaf bekam. Ich war eher weniger damit einverstanden, doch auch der Busfahrer benötigte Schlaf. Da ich aber bis Mittags geschlafen hatte war ich weniger müde als die anderen und so verbrachte ich ganz alleine ein wenig Zeit unten auf der Sitzbank. Ich ließ mir alles noch einmal mit dem Plan den Samu und ich hatten durch den Kopf gehen und auch seine Worte, die er gesagt hatte. Wollte ich wirklich dass Jules meine Mama wurde? Wollte ich wirklich dass die beiden sogar Kinder bekommen würden und wenn ja wie viele würden sie bekommen? Fragen über Fragen schwirrten durch meinen Kopf. Sogar Fragen die über die Beziehung von Santtu und mir handelten.

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