101. a beautiful Night

505 16 2
                                        

Langsam entfernte ich ihr die Augenbinde und wartete auf eine Reaktion. Ich hatte aus Rosenblättern ein Herz auf dem Boden gestreut und einige Teelichter außen rum verteilt. Im Endeffekt sah es wunderschön aus, doch war die große Frage, ob es Jules gefiel. Ich hatte solch eine Angst es wäre ihr viel zu kitschig und im schlimmsten Fall würde ich sie sogar durch diese Aktion verlieren. Etwas nervös trat ich hinter ihr hervor und sah ihr fest in die Augen, doch sie sah mich nicht an. Sie starrte nur auf meine Brust. Verdammt, diese Frau quälte mich gerade auf die übelste Art und Weise und ihr machte es anscheinend auch nichts aus. "Jules." brach ich nach langem schweigen leise heraus. Keine Reaktion. Sie starrte immer noch auf meine Brust. Diese Qual hielt ich einfach nicht mehr aus! Ich musste etwas tun! Also legte ich meinen rechten Zeige- und Mittelfinger unter ihr Kinn und hob es leicht an, sodass sie mir ja wohl in die Augen schauen musste. "Jules, wir kennen uns zwar noch nicht so lange, doch als ich dich das erste Mal sah wusste ich das ich dich liebe und auch nur dich will. Es war Liebe auf den ersten Blick. Naja... okay, es war eher auf dem zweiten Blick. Trotzdem war ich als ich dich im Tattoo Shop sah total geflasht von dir. Ich will jetzt hier keine lange Ansprache halten und werde deshalb jetzt einfach alles direkt raus sagen. Jules..." Ich stoppte und atmete tief ein. Mir gingen tausende Fragen durch den Kopf, die ich alle nicht beantworten konnte und Vorstellungen vor denen ich große Angst hatte und einfach nur wünschte sie würden nicht eintreffen. Was wird sie nun sagen? Wie wird sie reagieren? Was wäre wenn sie sich einfach umdreht und mich hier alleine stehen lässt? Nein, das darf nicht passieren! Ich liebe sie doch. Ich nahm meinen ganzen Mut zusammen und setzte den Satz an. "Ich liebe dich und du bist die einzige Frau mit der ich mein Leben teilen will." Mein Herz raste und drohte schon zu explodieren so schnell und stark hämmerte es gegen meinen Brustkorb. Gespannt sah ich sie an und wurde immer verzweifelter. Ihr lief eine kleine Träne aus ihrem Augenwinkel. "So etwas hat noch nie jemand für mich gemacht. Das ist das süßeste was ich jemals gesehen habe." Mein Blick wurde ganz sanft. Hat sie wirklich gerade gesagt das sie es süß fand? "Ich liebe dich Samu." Dieser Satz zauberte mir ein Lächeln auf die Lippen. Ich legte meine Arme um ihre Hüften und zog sie dicht an mich ran. Sie legte ihre Hände auf meine Brust und sah mir in die Augen. "Ich liebe dich." flüsterte ich und hauchte ihr einen zarten Kuss auf die Stirn. Sofort kuschelte sie sich an mich ran und somit verbrachten wir noch ein Weilchen Arm in Arm hier an meinem Lieblings Platz. Gemeinsam genossen wir die Nähe des anderen und starrten auf die Ostsee hinaus.

"Samu." Jules löste sich leicht von mir und sah zu mir hinauf. Ich sah in ihre braunen Augen die mich an funkelten. "Mir ist etwas kalt..." Sie musste ihren Satz nicht beendet, denn ich zog sofort meine Jacke aus und legte sie um ihre Schultern. Zufrieden nahm ich sie wieder in meine Arme und bettete meinen Kopf auf ihrem.

Stundenlang blieben wir hier und sahen schweigend auf die Ostsee. Es war kein unangenehmes Schweigen. Nein, ganz im Gegenteil. "Wollen wir wieder gehen? So langsam wird es ziemlich spät." brach ich die angenehme Stille. Als Antwort bekam ich ein nicken von mir und so mit machten wir uns auf den Weg zurück zum Auto, doch davor baute ich alles ab. Jules war so frei und half mir dabei. Wir packten alles in den Kofferraum und stiegen ein.

Nachdem ich in meine Einfahrt gefahren war und den Motor ausgeschaltet hatte, stieg ich aus und öffnete meiner bezaubernden Schönheit die Beifahrertür. Während der Fahrt haben wir beschlossen das wir zu mir nach Hause fahren und sie die restliche Nacht bei mir verbringen würde. Wir betraten das Haus und zogen uns sofort die Schuhe aus. Jules war ziemlich froh endlich ihre High Heels auszuziehen. Lässig und überglücklich schlenderte ich in die Küche und schnappte mir eine Rotwein Flasche. Jules wartete schon im Wohnzimmer auf mich. Mit schmerzenden Füßen ließ sie sich auf die Couch blumbsen und rutschte runter auf den Boden. Ich setzte mich gegebüber von ihr auf den Boden und schenkte uns beiden einen Schluck in unsere Gläser ein. Wir stoßen an und nippten an unseren Gläsern. Den Abend ließen wir noch mit Rotwein, ganz vielen Selfies und kuscheln ausklingen. Gegen ein Uhr morgens beschlossen wir dann ins Bett zu gehen, doch bevor wir schlafen gingen, wollte ich noch unbedingt nach Yun sehen. Deshalb machte ich noch einen kleinen Abstecher in Yun's Zimmer. Ganz leise öffnete ich die Zimmertür und lugte hinein. Mein Blick fiel als aller erstes auf das Bett. Yun lag in Santtu's Armen ein gekuschelt und schlief ganz tief und fest. Santtu's Gesicht war in ihren Haaren vergraben. So wie die beiden da lagen war es eigentlich total süß, doch dann fiel mein Blick auf den Boden. Überall lagen Klamotten verteilt, sogar die... Unterwäsche?! Nein! Die beiden haben doch nicht wirklich...?! Ich sah auf den Nachtisch. Neber der Lampe lag ein Taschentuch und darin ein benutztes Kondom. Na warte! Morgen wird es richtig Stress geben! Wütend auf meinen kleinen Bruder schloss ich die Tür und ging in mein Zimmer. Jules wartete schon dort und lag auch schon nur in Unterwäsche bekleidet in meinem Bett. Wütend ließ ich mich auf meinem Bett nieder und starrte die Wand an. Jules kam zu mir gekrochen und setzte sich hinter mich. "Hey, was los?" fragte sie etwas besorgt und fuhr mir durch die Haare. "Ich bringe Santtu um. Weißt du was der Typ gemacht hat?" Ich drehte mich zu ihr um und sah sie Ernst an. "Der Typ hat während wir beide unser Date hatten mit meiner Tochter geschlafen! Meiner Tochter!" erzählte ich aufgebracht. Sie legte ihre Arme um mich und legte ihren Kopf auf meine rechte Schulter. "Samu, sie ist nun 16 Jahre alt. Jugendliche in diesem Alter stellen sich nun mal Fragen wie das ist und wollen einige Dinge vielleicht sogar ausprobieren. Sie liebt ihren Freund mit Sicherheit von ganzen Herzen und er mit Sicherheit auch sie. Wenn beide es wollten, ganz besonders Yun, dann kannst du nichts dagegen machen." Jules hatte schon recht gehabt, doch die beiden hätten sich verdammt noch mal Zeit lassen können!

LifesaverWo Geschichten leben. Entdecke jetzt