Jules stieß die Luft aus und sah mich schweigend an. Ich stand auf und wollte zu Yun, doch Jules hielt mich auf. "Wo willst du hin?" - "Zu Yun." - Nein." meinte sie und stand auf. "Lass mich das machen. Ich glaube das du gerade der letzte Mensch auf Erden bist den sie jetzt sehen will." Jules hatte mal wieder recht gehabt. Ich nickte und setzte mich wieder hin. Sie verschwand und so saß ich hier nun ganz alleine mit Schuldgefühlen da. Ich fühlte mich wirklich schlecht.
*Jules Sicht*
Vorsichtig klopfte ich an die Tür und lugte mit dem Kopf rein. Yun lag auf ihrem Bett und weinte sich die Seele auf dem Leib. Sie bekam gar nicht mit das ich an der Tür stand und nun hinein trat. Leise schloss ich die Tür hinter mir und kam auf sie zu. Yun krallte sich an einem Männer Pulli fest und weinte darin hinein. "Hey." flüsterte ich. Sie sah zu mir auf, drehte ihren Kopf wieder weg und vergrub ihn wieder im Pulli. "Darf ich mich neber dich setzen?" Als Antwort auf meine Frage bekam ich nur ein Schulterzucken. Ich setzte mich auf das Bett und strich behutsam über ihren linken Arm. Die Kleine tat mir so leid. Ich wusste wie sie sich fühlte. Ich hatte schon einmal in meiner Jugend so etwas ähnliches erlebt. Als Italienerin mit sehr gläubischen Eltern hatte es man nun mal nicht sehr einfach, ganz besonders wenn es um das Thema Beziehungen ging. "Ich weiß wie du dich fühlst." begann ich leise. "Du hast doch gar keine Ahnung!" kam es von Yun. Ich seuftzte und meinte: "Doch. Meine Eltern waren genauso wie dein Vater jetzt. Meine Eltern sind sehr gläubisch und was das Thema Jungs, Beziehungen und Sex vor der Ehe anging waren sie sehr streng. Sie wollten mich immer wieder von den Jungs fern halten und wenn sie irgendwie erfuhren dass ich einen Freund hatte, haben sie ihn immer vertrieben." Yun hob ihren Kopf an und sah mich mit ihren rot angeschwollenen Augen an. "Wirklich?" Ich nickte. "Warum?" - "Weißt du... meine Eltern sind Italiener und die meisten Italiener sind der gläubisch. So auch meine Eltern. Bis heute wissen sie nicht das ich schon lange keine Jungfrau mehr bin." erzählte ich ihr. "Wenn du aus Italien kommst. Was machst du dann hier in Finnland?" - "Meine Eltern sind mit mir als ich noch ganz klein war hier her ausgewandert." Yun setzte sich auf und drückte den Pulli ganz fest an sich. "Warst du schon mal in Italien?" Ich nickte lächelnd. "Ja. Vor einigen Jahren bin ich dort hin gezogen in die Stadt in der ich Geboren wurde und in der wir auch lebten, doch ich habe mich dort nicht wohl gefühlt. Ich bin nun mal hier in Finnland aufgewachsen und fühl mich auch eher als Finnin, obwohl ich weiß das ich aus Italien komme und meine Wurzeln auch sehr schätze." Yun lächelte leicht. "Ist Italien schön?" - "Ja in der Tat, doch sehr viel Verkehr. Daran konnte ich mich nie gewöhnen." Yun kicherte leise auf. Sie hatte aufgehört zu weinen was mich sehr glücklich machte. Ich mochte sie und ich hoffte das wir uns sehr gut verstehen würden. "Wem gehört der Pulli?" fragte ich neudierig nach und zeigte drauf. "Santtu." sprach sie leise und eher zu sich selbst als zu mir. Sie vergrub ihr Gesicht wieder darin und zog seinen Duft ein. Ich strich ihr mit der rechten Hand übers Haar. "Du liebst ihn sehr." Als Antwort nickte sie nur leicht. "Weißt du was dein Vater gegen ihn hat?" erkundigte ich mich. Samu war wirklich ein Rätsel für mich wenn es um seine Tochter ging. Sie war 16. In dem Alter interessierte man sich nun mal für Jungs. "Er ist nicht mein Vater." Dieser Satz ließ mich etwas schockieren. "Sag doch sowas nicht nur weil ihr euch gestritten habt." - "Er ist aber nicht mein Vater! Er hat mich nur adoptiert nachdem er mich auf der Straße gefunden hat." Yun sah auf den Pulli in ihren Armen. Ich sah ihr an das sie es gerade bereute es mir gesagt zu haben. Sehr wahrscheinlich dachte sie jetzt ich würde sie nun ausfragen wo ihre Eltern waren ecetera, doch das würde ich nicht tun. Wenn sie es mir erzählen wollte, dann würde sie das schon tun. Ich hob meinen Kopf an und sah auf die Wand. Wie sollte das Gespräch nun weiter gehen? Ich wollte sie nicht über Santtu ausfragen, da ich Angst hatte sie würde wieder weinen. "Yun." brach ich die Stille, die zwischen uns beiden herrschte. "Mh?" Sie hob ihren Kopf an. Ihr liefen kleine Tränen über die Wange. Ich hielt einen Moment inne. "Ich werde alles dafür tun dass Samu die Liebe zwischen dir und Santtu zulässt." - "Pah. Viel Glück dabei. Das wirst du nie schaffen." - "Oh doch. Er macht sich jetzt schon Vorwürfe. Dein Satz, das du ihn hasst, hat ihn sehr getroffen und auch verletzt. Er würde mit Sicherheit alles dafür tun damit du ihm verzeihst." zwinkerte ich ihr zu. "Yun, du liebst Santtu und er liebt dich. Das sieht doch jeder Blinde mit Krückstock und Samu müsste es auch sehen. Wenn nicht, dann werde ich ihm eben die Augen öffnen." Yun lächelte mich glücklich an. "Das würdest du tun?" fragte sie unsicher nach und strich sich ihre Tränen aus ihrem Gesicht. "Natürlich. Komm mal her." Ich streckte meine Arme nach ihr aus und nahm sie in den Arm. Ihre legte sie um mich und vergrub ihr Gesicht an meiner Schulter. "Danke Jules." Sie löste sich von mir und meinte noch: "Du bist gar nicht so blöd wie deine Vorgängerinnen und wie ich es dachte." - "Ah, hör bloß auf mit Vorgängerinnen. Von denen will ich gar nichts wissen und auch nichts hören. Sag mir lieber wie ich dich ablenken kann." - "Erzähl mir mehr von Italien!" Ich lachte leicht auf. Sie wirkte auf einmal mit einem Schlag wie ein kleines Kind. Das war so süß, trotz ihren 16 Jahren. "Na gut. Was willst du denn alles wissen?" - "Was hast du in Italien alles gemacht? Hast du dort auch als Piercerin gearbeitet oder eher als etwas anderes?" - "Haha, du bist echt süß, wenn du neugierig bist. Wenn du willst kann ich dir auch Bilder zeigen." Freudig nickte sie. Ich stand auf und ging in Samu's Zimmer, um mein Handy zu holen. Nach nur wenigen Minuten saß ich auch wieder auf Yun's Bett und erzählte ihr von Italien und meinem Leben dort. Dabei zeigte ich ihr Bilder von der Stadt und von mir.
Gerade zeigte ich Yun ein Bild von mir in meiner Geburtsstadt als sie mir die Frage stellte: "Glaubst du, dass ich auch mal dorthin kommen werde?" Auf diese Frage musste ich erst mal schmunzeln. "Natürlich, wenn du willst können wir ja mal zu dritt dort hin fliegen. Du, Samu und ich oder auch nur Samu und du." - "Ne, du kommst mit. Du darfst unsere Reiseführerin spielen." - "Alles klar. Du bist der Boss." lachte ich. "Arbeitest du immer noch als Tattoo Model?" - "Ja. Ich verdiene mir so durch Geld dazu und spare um mir später einmal meine ganzen Träume zu verwirklichen und um mal eine Weltreise zu machen."
Gerade wollte Yun etwas sagen als es an der Tür klopfte. Die Tür öffnete sich und ein trauriger Samu steckte seinen Kopf durch den Spalt. "Yun, können wir reden? Bitte." Yun vergrub ihr Gesicht wieder in Santtu's Pulli und schüttlete den Kopf. "Bitte Yun. Ich war ein Idiot. Ich weiß und es tut mir unendlich mal leid. Ich habe einfach Angst um dich." Er trat hinein und kam auf das Bett zu. "Du bist doch mein kleines Mädchen. Ich habe einfach Angst davor das du verletzt wirst. Bitte. Bitte verzeih mir. Ich weiß das ich zu überführsorglich bin." - "Immer, wirklich immer wieder machst du mir alles kaputt! Warum? Warum machst du das?" wollte Yun wissen. Samu seuftzte und ließ seinen Kopf hängen. "Ich habe einfach Angst mein kleines Mädchen zu verlieren. Ich will einfach nicht das dich jemand verletzt und du wegen dem jenigen Liebeskummer hast. Das würde ich einfach nicht ertragen." - "Hau ab." flüsterte Samu's Tochter. "Yun." - "Hau ab!" schrie sie mit einem Mal. Samu zuckte zusammen und verschwand wieder. Ich legte meinen rechten Arm um sie, da sie wieder weinte. Sie wendete sich zu mir, krallte sich in Samu's Shirt und weinte sich bei mir aus.
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Lifesaver
FanfictionEin kleines Mädchen ganz alleine auf der Straße. Wo es wohl herkommt und wo ihre Eltern sind? Das ist unklar. Doch ihr Finder und somit auch Lebensretter wird es herausfinden und ob er die Kleine bei sich aufnimmt... das werdet ihr alles sehen.
