Das Geflüster zweier Personen lässt mich aufhorchen. Es ist wie ein rascheln im Wind und lenkt meine Aufmerksamkeit auf sich. Egal, wie versunken ich in die Mitschriften war, ich bin mir ganz sicher, dass ich bis eben noch allein war.
Ich schließe das Buch und lege es auf den Tisch, dann erhebe ich mich lautlos. Die Anstandsregel, dass man nicht lauschen sollte, ignoriere ich bewusst. Es würde mich auch nicht interessieren, was da zwei Regale weiter vor sich ginge, wenn nicht die Wörter Hilfe und Prüfung gefallen wären.
Ich drücke mich mit dem Rücken gegen das Regal und schleiche mich so an die Kehrseite. Den Stimmen nach handelt es sich um ein Mädchen und einen Mann, vielleicht sogar eine Kandidatin und einen Kandidaten.
Ich möchte keine voreiligen Schlüsse ziehen, allerdings kommt mir die Situation schon ziemlich verdächtig vor. Was passiert, wenn man mich erwischt, will ich mir gar nicht ausmalen. Als es an mir wäre, zum nächsten Regel zu gehen und mich den beiden somit aufs Näheste zu nähern, stocke ich. Es wäre viel zu riskant, auch wenn es nur ein Meter ist.
Man könnte mich hören - die Schritte oder das Rascheln meines Kleides. Also verharre ich und bohre die Finger in das Brett hinter mir. Es ist kalt und glatt, kein einziges Staubkorn ist zu sehen. Mein Herzschlag beschleunigt sich. Ich bin aufgeregt, aber bleibe konzentriert.
"-nicht für dich getan. Du weißt, ich hatte keine andere Wahl", zischt die männliche Stimme. Es klingt, als würden sie streiten. "Und wenn schon. Ich wollte nur nett sein und Danke sagen. Ich dachte, du weißt, was sich gehört", spottet das Mädchen. Ohne die zwei zu sehen, kann ich ihre Stimmen niemandem zuordnen.
"Ich bitte dich. Das Ganze ist doch mehr Schein als Sein. Als ob ich mich je mit einem von ihnen identifizieren könnte." Das Ganze gefällt mir nicht. Werde ich wirklich einer Verschwörung Zeuge? Dabei bin doch ich es, die das Königreich zum Sturz bringen soll.
Wäre es möglich, dass sich auch innerhalb dieser goldenen Mauern ein Unwetter zusammenbraut? Ich befeuchte meine Lippen und versuche, meinen Atem flach und leise zu halten. Ganz automatisch spüre ich die Kette deutlicher, wie sie auf meiner Haut nur so brennt.
Leider gibt es danach nicht mehr besonders viel zu belauschen, denn die Stimmen entfernen sich von mir. Ich könnte es wagen, ihnen hinterher zu schleichen, aber das geht mir dann doch zu weit.
Wäre ich schon länger eine Rebellin und geübt darin, zu schleichen und mich vollkommen unsichtbar zu bewegen, würde das kein so großes Problem darstellen. Zweifel kommen auf, die mich meine tiefsten Unsicherheiten spüren lassen. Wozu bin ich überhaupt hier, wenn ich mich zu nichts traue?
Wo ich doch keine Erfahrung habe und es noch nicht einmal fertig bringe, mich gegenüber der Kandidaten nett zu verhalten.
Ich gehe zurück zu dem kleinen Tisch und nehme das Buch an mich, presse es gegen meine Brust. Die Gedanken kreisen durch meinen Kopf wie in einem Strudel, erst die Geschichte Caravels und dann dieses Gespräch. Nachdem ich mich etwas beruhigt habe, steure ich den Ausgang an.
Es könnte auch alles ganz harmlos sein, und ich habe den Zusammenhang nur falsch interpretiert. Sollten zwei Teilnehmende der Selection wirklich so dumm sein, sich an einem öffentlichen Platz zu treffen, ohne sich abzusichern, dass sie allein sind? Miranda beobachtet mich schon über den Rand der Tresen hinweg und rückt ihre Brille zurecht, als ich vor ihr zum Halt komme.
"Wäre es möglich, mir dieses Buch auszuleihen? Ich befürchte, die Zeit reicht wohl nicht mehr aus, um mich weiter zu belesen", sage ich. Die Frage, wer die beiden Personen waren, die vor mir die Bibliothek verlassen haben, brennt mir auf der Zunge. "Das ist nicht erlaubt. Würde es sich um einen gewöhnlicheren Roman handeln, dann gerne. Aber dieses Exemplar ist zu wertvoll."
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Selection - Futuria
Fanfiction"Du bist eine Rebellin", flüstert er fassungslos. "Falsch", sage ich. "Ich bin die rechtmäßige Thronerbin Caravels." ----------- Nivea ist gerade 18 geworden, als die erste Selection seit 150 Jahren beginnt. Seit den Kastensystemen hat sich viel ver...
