Teil 56

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Stella

Gott sei Dank hat mich Jackson gestern Abend nur vor der Tür abgesetzt. Er meinte, er müsste noch was erledigen. Mir nur Recht. Aber auf einen Abschiedskuss hat er trotzdem bestanden. Da läuft es mir jetzt noch kalt den Rücken runter. Da ich heute noch frei habe, genieße ich den Tag Freizeit. Eigentlich waren Lucy und ich verabredet. Wir wollten zusammen frühstücken und ein bisschen quatschen und Wellness machen. Aber meine beste Freundin habe ich wohl vergrault. Schon wieder kommen mir die Tränen, als ich an die Gesichter von Lucy, Enzo, Giovanni und vor allem Leonardo denke. Wenn die nur wüssten. Also vergrabe ich mich wieder unter meiner Decke und weine bitterlich. Ich wusste gar nicht wie viele Tränen ein Mensch produzieren kann.

Keine Ahnung wie lange ich hier liege. Ich bin so armselig und bemitleide mich selbst. Dabei bin ich doch selbst schuld. Da ich so ich meinem Selbstmitleid versunken bin, habe ich meine Umgebung gar nicht wahr genommen. Plötzlich senkt sich die Matratze neben mir und es legen sich zwei Arme um mich. Sofort nehme ich Lucys süßlich Parfum wahr. "Sshhh meine Süße. Ich bin hier. Weine dich aus. Alles wird gut!" flüstert sie mir beruhigend zu. Bei den Worten "Alles wird gut" wird mir übel. So schnell ich kann, springe ich aus dem Bett und laufe ins Badezimmer. Lucy kommt hinter mir her und hält meine Haare fest und streichelt mir den Rücken.

Nachdem mein ganzer Mageninhalt in der Toilette verschwunden ist, setze ich mich auf die kalten Badezimmerfliesen. Lucy reicht mir ein Glas Wasser, sagt aber nichts. So sitzen wir einige Zeit nebeneinander. Allein dass sie bei mir ist, tut so gut. Sie ist einfach die Beste!

Irgendwann ist es mir so kalt, dass ich mich schüttel. "So, genug getrödelt. Ab unter die Dusche, ich mach uns Frühstück!" befiehlt Lucy. Bei diesem Ton lässt sie keine Diskussionen zu. Also raffe ich mich auf und verschwinde in der Dusche. Das heiße Wasser tut so gut. Keine Ahnung wie lange ich hier in meinen Gedanken versunken stehe. Irgendwann klopft es an der Tür "Süße, hast du dich aufgelöst? Frühstück ist fertig und ein leckeres Schokocroissant wartet auf dich. Schnell, sonst esse ich es!" lacht sie.

Also steige ich aus der Dusche und mache mich fertig. Ich ziehe mir eine gemütliche Leggings und einen kuscheligen Hoodie an. Mit nassen Haaren komme ich in die Küche. Lucy hat sich wirklich selbst übertroffen. Frisches Obst, Müsli, Croissants und sogar Rührei hat sie gemacht. Schon wieder kommen mir die Tränen. Lucy nimmt mich vorsichtig in den Arm. Schon alleine, dass sie da ist, beruhigt mich. Kann ich es wirklich wagen, sie einzuweihen? Nichts würde ich lieber machen, als ihr alles zu erzählen.

Nachdem ich die ersten Bissen gegessen und einen heißen Kaffee getrunken habe fasse Mut. Fest entschlossen stelle ich meinen Becher zurück auf den Tisch. Wohl etwas zu doll, da es laut knallt. Lucy guckt mich erstaunt an, sagt aber nichts. Sie wartet einfach bis ich so weit bin.

Ich hole nochmal tief Luft. Die ersten Tränen laufen mir schon wieder die Wangen hinunter. Dann nehme ich all meinen Mut zusammen und fange an zu erzählen. Ich erzähle ihr alles. Jede Drohung von Jackson, das Chaos, welches er in der Wohnung angerichtet hat und die Grobheit mit der er mich behandelt. Als ich fertig bin sitzen wir beide Arm in Arm am Küchentisch und weinen beide.

"Scheiße, Süße. Was für ein Arsch. Ich werde ihm die Eier lang ziehen!" regt Lucy sich auf. Ein kleines Lächeln umspielt meinen Mund. "Ich bin froh, dass du es jetzt weißt, aber er darf nicht wissen, dass du es weißt. Sonst passiert Luca was!" flehe ich sie an. "Lass es uns Leonardo sagen, er kann doch was machen. Er ist doch die Mafia!" erwidert sie mir. "Ich will nicht, dass er wegen mir jemanden was antut. Das ist ja genau das, was ich so verachte!" erkläre ich ihr. "Ach Süße, aber er quält dich. Ist es das wert?" versucht sie es weiter. "Ich weiß auch, dass es so nicht ewig geht, aber bis wir eine Lösung gefunden haben, müssen wir die Füße still halten. Bitte Lucy, kein Wort zu niemandem!" sehe ich sie eindringlich an. "Auch nicht zu deinem Schnucki Giovanni!" zwinker ich ihr zu. Lucy guckt mich irritiert an. "Egal wie viel hier los ist, meinst du ich bekomme nicht mit, wenn meine Bestie verknallt ist?" lache ich. Lucy läuft wie eine Tomate rot an. Lachend liegen wir uns in den Armen. Mir fällt ein Stein vom Herzen. Ich habe meine Bestie nicht vergrault.

In aller Ruhe frühstücken wir noch zu Ende. Quatschen und albern rum, so als ob alles in Ordnung ist. Bis mein Handy eine Nachricht anzeigt.

"Hey Schatz. Ich schaffe es heute nicht mehr. Sitze bei einem Termin fest. Aber ich hole dich morgen früh zur Arbeit ab. Kuss dein Jackson!"

Oh ja wie schade. Ich kann mich kaum halten. Mit einem tiefen, entspannten Säufzer lasse ich mich aufs Sofa fallen.

Den restlichen Tag verbringen wir mit Maniküre, Pediküre, Gesichtsmasken und einer riesen Pizza.

Als ich abends im Bett liege, merke ich, dass die Last nicht mehr so schwer wiegt. Lucy und ich, wir bekommen das hin.

Der Mafia Daddy Wo Geschichten leben. Entdecke jetzt