Teil 146

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„Wow, da war aber jemand fleißig."
FP war am nächsten Tag nach Feierabend dabei, gemeinsam mit Jughead die ersten Bretter für die Außenwände des Anbaus anzubringen. Nachdem FP mit Fred die Dachpappe auf dem Dach angebracht hatte, konnte Jughead nun auch kräftig mit anpacken.
Als FP die überaus bekannte Stimme hinter sich hörte, drehte er sich um und starrte Penny für einige Augenblicke überrascht an. Er war eigentlich davon überzeugt gewesen, dass er ihr nie wieder gegenüberstehen würde, aber hier war sie. Kurz registrierte er, dass sie sehr viel besser aussah als zu dem Zeitpunkt, als er sie zuletzt gesehen hatte. Das war in seinem Trailer gewesen und sie hatte sich mit allerletzter Kraft hingeschleppt, nachdem Eastwood sie zusammengeschlagen hatte. Dennoch sah er ihr an, dass die vergangenen Wochen Spuren bei ihr hinterlassen hatten. Sie hatte dunkle Ringe unter den Augen und das Lächeln, das sie aufsetzte, war gezwungen. Doch was interessierte es ihn überhaupt? FP musste sich selbst daran erinnern, dass das nicht mehr die Penny war, mit der er mal befreundet gewesen war.
„Was machst du hier?" fragte er kalt und warf seinen Hammer auf ein paar zurechtgesägte Bretter.
Penny rang sich ein erneutes Grinsen ab, das wohl heiter aussehen sollte, aber in Wirklichkeit ziemlich erbärmlich aussah.
„Mit dieser Begrüßung habe ich gerechnet. Keine Sorge, FP. Ich nehme es dir nicht übel," meinte sie und ging ein paar Schritte auf ihn zu.
Sie steckte ihre Hände in die Hosentaschen und nickte Jughead kurz grüßend zu.
„Glaub, was du willst, aber es ist mir vollkommen egal, ob du mir das übelnimmst oder nicht," erwiderte FP.
„Was machst du hier?" fragte er sie erneut.
„Keine Ahnung. Auf Wiedersehen sagen," antwortete Penny und zwang sich zu einem Lächeln.
FP konnte sehen, wie ihre Augen feucht wurden und er wandte seinen Blick ab. Er würde einen Teufel tun und in irgendeiner Weise Mitleid mit ihr haben.
„Vor ein paar Wochen war meine Gerichtsverhandlung wegen der Drogensache und noch wegen ein paar anderen Dingen," erzählte sie schließlich, während FP vorgab, in seiner Werkzeugkiste etwas zu suchen.
Es nervte ihn selbst, dass es ihn interessierte, was mit Penny passieren würde, aber immerhin war er mal mit ihr befreundet gewesen. Das wog scheinbar schwerer als der Mist, den Penny verzapft hatte. Obwohl es eigentlich umgekehrt hätte sein müssen.
„Ich wurde zu 9 Monaten Haft und anschließenden 2 Jahren auf Bewährung verurteilt," erzählte sie weiter.
„Ich muss die Haftstrafe morgen antreten. Vorher war kein Platz im Gefängnis."
Sie lachte kurz bitter auf.
„Wenn ich daran denke, dass ich selbst ein paar der Leute, die dort einsitzen, dorthin gebracht habe.. ist schon seltsam, wie das Leben so spielt."
FP blickte sie an.
„Das Leben hat damit gar nichts zu tun, Penny. Du hast dich selbst dorthin gebracht und wenn man bedenkt, was du alles so verzapft hast, bist du mit 9 Monaten und 2 Jahren Bewährung noch gut davon gekommen. War wohl dein Glück, dass Eastwood nicht mehr aussagen konnte, was? Der hätte dir sicher alles angehängt, um seinen Hals zu retten," sagte er.

„Ja, das hätte er wohl. Ich habe leider viel zu spät gemerkt, was für ein Arschloch er ist," stimmte Penny ihm zu.
„Hör zu, es tut mir leid, okay? Alles. Ich kann mittlerweile nicht mehr nachvollziehen, weshalb ich alles, was ich hier hatte, aufs Spiel gesetzt habe und das für nichts."
„Du solltest dich bei Lily entschuldigen, nicht bei mir," entgegnete FP, griff wieder nach seinem Hammer und nach einem der Bretter.

„Mache ich. Ist sie hier?" wollte Penny wissen.
„Im Trailer, aber sie wird ganz sicher noch weniger begeistert sein dich zu sehen als ich," antwortete FP, zeigte Jughead, wo er das Brett festhalten sollte, und begann damit, es festzunageln.

„Ich habe gehört, dass ich mit meiner Vermutung damals gar nicht mal so falsch lag," sagte Penny vorsichtig, während sie FP beobachtete.
„Meine Vermutung, dass irgendwas an Sam und Lily faul wäre. Aber dass sie FBI-Agentinnen sind, damit hätte selbst ich nicht gerechnet."
FP lachte kurz, ehe er das andere Ende vom Brett festnagelte.
„Damit hat keiner gerechnet."
„Und trotzdem ist sie noch hier? Obwohl sie dich belogen und dir etwas vorgespielt hat?" fragte Penny.
„Was ist daraus geworden, dass du niemandem eine zweite Chance gibst? Immerhin ist es dir auch ziemlich leicht gefallen, mich einfach fallen zu lassen."
FP seufzte und schüttelte den Kopf, bevor er sich zu ihr umdrehte und ein paar Schritte auf sie zuging.
„Was du getan hast, war weitaus schlimmer, Penny. Du hast die Serpents mit in deine Drogenschäfte gezogen. Du hast riskiert, dass wir alle hinter Gitter wandern und dass ich meine Kinder verliere und meinen Job. Du hättest beinahe das Leben von uns allen hier zerstört. Ist dir das überhaupt klar?"
Er sah sie fragend an.
„Ja, Lily hat mich angelogen und vorgegeben, jemand anders zu sein als sie ist, aber dabei hat sie alles getan, damit ich meine Kinder wieder sehen kann. Ich weiß, was du jetzt sagen willst. Dass du schließlich die Scheidung und das gemeinsame Sorgerecht durchgeboxt hast. Klar, das stimmt. Aber Lily hat mir dabei geholfen, mein Leben wieder in den Griff zu bekommen, was dich nicht weiter gekratzt hat. Vorher war ich nur eine Marionette für dich, die du nach deinen Wünschen manipulieren konntest, oder?"
Penny sah ihn einige Momente schweigend an, ehe sie leise sagte: „Nein, das warst du nicht."
FP erwiderte ihren Blick und musste plötzlich daran denken, was Lily ihm vor einiger Zeit gesagt hatte. Dass Penny in ihn verliebt sei. Irgendwie konnte er das immer noch nicht glauben.
„Jedenfalls hat sie mehr für mich und meine Kiddies getan als du. Ich liebe Lily, Penny. Sehr viel mehr als Gladys in unseren ganzen Ehejahren zusammen. Mal ganz davon abgesehen, dass es dich nicht zu interessieren hat, wen ich in mein Leben lasse und wen nicht," fuhr er fort und sah sie eindringlich an.

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