Teil 165

5 0 0
                                        


„Okay, bevor wir nach Hause fahren, sollten wir den Plan nochmal durchgehen," meinte Sam am nächsten Nachmittag kurz vor Feierabend.
„Wir treffen uns um 21:30Uhr am Club. Am besten in der Nebenstraße, damit es nicht auffällt, wenn wir uns noch kurz besprechen. Liam, du gehst als erstes rein, setzt dich an die Bar und bestellst dir etwas zu trinken, wie es jeder andere Gast auch machen würde. Etwas später betrittst du Chris, ebenfalls die Bar und setzt dich zu ihm. Ihr unterhaltet euch ganz normal und seht euch unauffällig dabei um. Sobald ihr Michelle seht und ihr euch sicher seid, dass sie euch auch bemerkt hat, geht das Schauspiel los. Liam heult sich bei dir aus und beschwert sich lautstark über seine Frau Rebecca. Lily und ich werden alles aus der Ferne beobachten, wo Michelle uns nicht bemerkt. Im Club wird es eh ziemlich dunkel sein, sodass wir unerkannt bleiben dürften."
„Sobald Michelle angebissen hat, wird eine von euch mich anrufen und ich muss plötzlich ganz schnell weg," fuhr Chris fort und Sam nickte.
„Ich werde mich mit Michelle unterhalten, hin und wieder in das Gespräch einflechten, wie reich ich doch sei und dass ich nicht wüsste, wohin mit dem Geld," warf Liam ein.
„Je nachdem wie es läuft, werde ich ihr die Adresse von einem Motel geben, in das ich mich einquartiert habe, da meine Frau mich rausgeschmissen hat. Ich bin gespannt, ob sie direkt bei diesem ersten ‚zufälligen' Zusammentreffen irgendwas dreht, mit dem sie versucht, mich zu erpressen."
Liam sah zweifelnd in die Runde.
„Doch, davon bin ich überzeugt," sagte Lily.
„Immerhin braucht sie Geld. Das ist vermutlich auch mit ein Grund, weshalb sie jetzt bei Pop arbeitet. Der Goldesel, auf den sie ein Auge geworfen hat, ist ja zu ihrem Pech hinter ihr Schauspiel gekommen. Sorry, verrat mich bitte nicht bei Chris, dass ich ihn so genannt habe."
Lily sah Sam grinsend an.
„Och, ich glaube, das fände er witzig," erwiderte Sam grinsend.
„Naja, jedenfalls hat sie mit diesem Geld sicher schon Pläne gemacht und da der Geldsegen ausgeblieben ist, muss sie es irgendwo anders her bekommen," fuhr Lily fort.
„Von daher bin ich mir sehr sicher, dass sie schon irgendwas im Schilde führt und 100%ig heute Abend im Club sein wird."
„Ja, das denke ich auch," stimmte Chris ihr zu.
„Sobald du denkst, dass alles so gelaufen ist, wie es sollte, verabschiedest du dich von ihr. Weil du früh rausmusst oder warum auch immer. Am besten macht ihr auch noch ein weiteres Treffen aus, damit Michelle nicht misstrauisch wird. Sie muss denken, dass sie dich am Haken hat," erklärte Sam weiter und sah Liam ernst an, der nickte.
„Verstanden."

„Gut, dann weiß jeder Bescheid. Ich wäre dafür, dass wir nach Hause fahren. Ich möchte mich ein paar Stunden hinlegen," sagte Lily und stand auf.
„Vorausgesetzt, FP lässt dich und hämmert nicht wieder rum," grinste Sam und griff nach der Jacke ihres Hosenanzuges, aus dessen Tasche ein Zettel fiel.
Lily bückte sich danach und reichte ihn Sam.
„Der ist gerade aus der Tasche gefallen. Ich glaube, das Gehämmere ist erstmal vorbei. Heute verlegt ein Kollege von FP die elektrischen Leitungen. Das sollte relativ leise zugehen, hoffe ich," meinte Lily und fuhr ihren Computer herunter.
Sam hatte in der Zwischenzeit den Zettel auseinander gefaltet und schmunzelte.
„Was ist es?" fragte Lily, während sie gemeinsam Richtung Aufzug gingen, der sie zur Tiefgarage brachte.
„Ach, Chris hat ihn mir in die Tasche gesteckt," antwortete sie lächelnd.
„Ich liebe dich. Chris," las sie vor, ehe sie den Zettel in die Hosentasche steckte.
„Süß," schmunzelte Lily.
„Ja, das ist er definitiv," lächelte Sam.
Gemeinsam gingen sie zu Lilys Scirocco und stiegen ein.

„Wow, Babe. Ich weiß nicht, ob ich dich so gehen lassen soll," staunte Chris nicht schlecht, als Sam am späteren Abend den Whyte Wyrm betrat.
Sie hatte sich richtig aufgestylt und sie fühlte sich in ihrem neuen Minirock und dem engen, weit ausgeschnittenen Top einfach gut und dazu bereit, jede Tanzfläche in LA unsicher zu machen. Nur dass sie leider in den Club musste, um ihren Job zu machen, aber vielleicht hatte sie danach noch etwas Gelegenheit, ein wenig zu tanzen und vielleicht war Lily mit dabei. Sie waren schon seit Ewigkeiten nicht mehr zusammen um die Häuser gezogen und es war eigentlich schon längst wieder überfällig. In New York hatten sie es regelmäßig gemacht, wenn ihr Dienstplan es zugelassen hatte, und hatten Nächte durchgetanzt.
„Sorry, aber leider hält mich das nicht davon ab, so loszuziehen," grinste Sam und küsste ihn kurz.
„Ich kann auch schlecht in meinem Hosenanzug vom FBI dort auftauchen. Glaub mir, das würde mehr auffallen als dieses Outfit hier."
Chris zog eine Schnute und betrachtete sie noch eine Weile. Sam gefiel es, wie sein Blick anerkennend über ihren Körper glitt. Sie konnte ihn beinahe spüren und es machte sie kribbelig.
„Na gut, wenn du mir versprichst, dass du das auch mal trägst, wenn wir zusammen um die Häuser ziehen," meinte Chris schließlich und zwinkerte ihr schmunzelnd zu.
„Nichts lieber als das," schmunzelte Sam, schlang ihre Arme um seinen Hals, schmiegte sich an ihn und küsste ihn zärtlich.
Auch FP blieb der Mund offen stehen, als er Lily sah, die kurz nach Sam die Bar betrat. Ihr Outfit war Sams ähnlich, nur dass ihr Minirock ziemlich tief auf ihren Hüften saß und ihr Oberteil etwas kürzer war, sodass ihr Tattoo, das ihre Haut auf ihrer linken Seite schmückte, teilweise sichtbar war. An den Füßen trug sie die kniehohen Stiefel, die sie schon an dem Abend im Whyte Wyrm getragen hatte, als sie sich langsam kennengelernt hatten. FP dachte gerne an diesen Abend zurück.
„Sicher, dass ihr arbeiten geht?" fragte FP heiser, als Lily schmunzelnd zu ihm kam.
Er drehte sich auf dem Barhocker zu ihr um und betrachtete sie eingehend.
„Ja, ganz sicher. Es ist schließlich kein Kloster, sondern ein Club. Außerdem dürfen wir nicht auffallen. Wenn diese Michelle misstrauisch wird oder mich irgendwie erkennt, kann das den ganzen Fall gefährden," erklärte sie.
„Glaub mir, Prinzessin. Du wirst so oder so auffallen," schmunzelte FP, legte seine Hände auf ihre Hüften und zog sie zwischen seine Beine.
„Schade, dass du nicht mitkommen kannst," sagte Lily bedauernd und legte ihre Arme um seinen Hals.
„Das holen wir nach," schmunzelte FP.
„Auf jeden Fall," stimmte Lily ihm zu und küsste ihn zärtlich, was FP nur zu gern erwiderte.
„Na holla die Waldfee," hörten sie plötzlich jemanden neben sich sagen.
Es war Mustang, der Lily bewundernd ansah.
„Also ich kann diesen John verstehen, auch wenn er ein Mistkerl ist," fügte er hinzu.
„John? Inwiefern?" fragte Lily irritiert.
„Na, er meinte zum Abschied doch, dass FP dir ausrichten soll, dass er immer noch an dich denkt, wenn er sich einen runterholt. Wie gesagt, ich kann ihn verstehen," plauderte Mustang munter drauf los, bereits merklich angetrunken, und Lily riss überrascht die Augen auf.
Allerdings weniger wegen dem, was John gesagt hatte. Er war schon immer ziemlich direkt gewesen und hatte noch nie ein Blatt vor den Mund genommen, was diese Sachen anging. Sie war eher perplex, dass Mustang ihr mitgeteilt hatte, dass er John verstehen könne.
„Ähm.. das habe ich jetzt mal überhört, Ryan," meinte sie schließlich und sah zu FP, der Mustang warnend ansah.
„Sorry, ich meinte ja nur. Ich bin schon weg," grinste Ryan, nahm sich das Glas Bier, das Snake ihm hinstellte und verschwand wieder zu seinem Tisch.
Snake sah ihm kopfschüttelnd hinterher.
„Man könnte meinen, er steckt noch mitten in der Pubertät," murmelte er und zapfte weiter.
„Er hat wohl eher zu tief ins Glas geschaut," grinste Lily, die es mitbekommen hatte.

„Apropos Pubertät.." fing Lily an und sah FP amüsiert an.
„Ich glaube, Jughead war auch sehr angetan von dem Outfit."
FP lachte kurz.
„Er ist ein Teenager. Was erwartest du?" fragte er grinsend.

„Am besten laufe ich nur noch im Nonnenoutfit durch die Gegend," lachte Lily.
„Untersteh dich," raunte FP ihr schmunzelnd zu, zog sie zu sich und küsste sie zärtlich.
Lily erwiderte seinen Kuss, bis sie plötzlich ein Räuspern hörte. Sam stand mit neben ihnen und sah sie amüsiert an.
„Wir sollten langsam los. Meinst du, du kannst dich losreißen?" fragte sie.
„Hhm.. nur schwer, aber ist machbar," grinste Lily und sah wieder zu FP.
„Du brauchst nicht auf mich warten. Ich glaube, es wird ziemlich früh."
„Pass auf dich auf, okay?"
FP sah sie ernst an. Lily streichelte über seine Wange.
„Mache ich. Bis morgen. Ich liebe dich."
„Ich liebe dich auch, Prinzessin."

Sam und Lily verließen die Bar und gingen zu Lilys Auto, das sie neben der Bar geparkt hatte. Sie hatten sich für den Scirocco entschieden, weil er weitaus unauffälliger war als Sams Corvette.

UndercoverWo Geschichten leben. Entdecke jetzt