Chris schreckte aus seinem Schlaf hoch, als plötzlich jemand gegen die Tür des Trailers hämmerte. Verschlafen sah er sich um und bemerkte, dass es Sam nicht anders ging.
„Wer ist das denn?" fragte sie verschlafen.
„Keine Ahnung," murmelte Chris und stand auf.
Wieder hämmerte es gegen die Tür.
„Hey, was soll der Scheiß?" rief er genervt und öffnete die Tür.
Vor ihm stand ein aufgebrachter Josh, der ihn einmal abschätzig von oben bis unten ansah.
„Was?" fragte Chris.
„Was willst du hier?"
„Josh?"
Sam war neben Chris getreten und sah Josh verwirrt an.
„Oh, sorry. Habe ich euch aus dem Bett geholt? Das tut mir wirklich gar nicht leid," meinte er gehässig.
„Wir haben noch geschlafen, ja," antwortete Sam.
„Was willst du hier?"
„Fragen, ob das hier wirklich euer Ernst ist?" blaffte Josh und hielt ein Schreiben hoch.
„Was ist das?" fragte Chris verwirrt.
„Ein Schreiben vom FBI, dass ich angezeigt worden wäre. Wegen Körperverletzung. Das ist doch lächerlich," antwortete Josh aufgebracht und warf Chris den Brief vor die Füße.
„Ja, die Anzeige kommt von mir. Allein von mir. Sam hat damit nichts zu tun," meinte Chris unbeeindruckt und hob den Brief auf.
„Naja, nicht ganz. Ich habe dich davon überzeugt, ihn anzuzeigen," warf Sam ein, ohne den Blick von Josh zu lassen, der sie nun hasserfüllt ansah.
„Das wirst du noch bereuen. Du hast meine Karriere zerstört," stieß Josh zwischen zusammengebissenen Zähnen hervor.
„Hey!"
Chris trat zwischen Sam und Josh und klatschte ihm den Brief gegen die Brust.
„Erstens hast du dir deine Karriere selbst kaputtgemacht und zweitens bist du der Einzige, der hier was bereuen wird, wenn du nicht abhaust," teilte er Josh mit, der sichtlich wütend zu Chris aufsah.
„Ich habe kein Problem damit zur Polizei zu gehen und dich nochmal anzuzeigen wegen Betretens von Privatbesitz."
„Uuh? Privatbesitz? Dieser Trailer?"
Josh sah Chris gespielt erstaunt an und betrachtete den Trailer kurz.
„Da hast du es ja ziemlich weit gebracht. Alle Achtung."
„Ich meine den Trailerpark," erwiderte Chris ungerührt.
Josh lachte verächtlich und sah an Chris vorbei zu Sam.
„Glückwunsch. Du verdienst Mr. Trailerpark. Du hättest es mit mir viel besser haben können. Eine Luxuswohnung und ein unbeschwertes Leben ohne jede Geldsorgen. Aber nein, du hast dich für diese Müllkippe hier entschieden. Wenn das nicht Karma ist, weiß ich es auch nicht," grinste er.
„Steck dir deine Luxuswohnung sonst wohin, Josh. Ich würde lieber mit Chris unter einer vergammelten Brücke hausen als nur einen weiteren Tag mit dir zu verbringen oder dich jemals wieder sehen zu müssen," konterte Sam scharf.
„Verschwinde," forderte Chris ihn auf.
„Nochmal sage ich es nicht."
Josh sah wütend mit einem hasserfüllten Blick zwischen den beiden hin und her, ehe er den Brief nahm, die Treppe hinunterstieg und zu seinem Auto ging.
„Wir werden uns wiedersehen," meinte er noch und stieg ins Auto.
„Ja, spätestens vor Gericht," murmelte Chris und sah dem Auto hinterher.
Er drehte sich zu Sam an, die ihn mit feuchten Augen ansah.
„Hey, was ist los, Babe?" fragte er besorgt und zog sie in seine Arme.
„Es ist erschreckend, dass ich ihn gar nicht wiedererkenne," antwortete Sam leise.
„Das ist nicht der Mann, der der beste Freund von Paul war oder der mein Partner war. Ich verstehe nicht, weshalb ich nie gemerkt habe, dass er so drauf ist."
Chris drückte sie an sich. Er konnte es gut nachvollziehen. Die gleichen Sachen hatte er noch nicht lange her von Penny gedacht.
„Manche Menschen können sich einfach gut verstellen. Oder irgendwas löst dieses Verhalten ganz plötzlich in ihnen aus. Da steckt man leider nicht drin," meinte er leise.
„Ich mache uns mal Kaffee."
Sam hauchte Chris einen Kuss auf seine Brust, löste sich aus seinen Armen und ging zum Küchenblock, wo die Kaffeemaschine stand. Sie füllte Wasser ein, gab die entsprechende Menge Kaffeepulver dazu und drückte den Knopf.
„Hey."
Chris' Stimme war leise, aber auch besorgt. Er ging zu ihr und legte seinen Arme um sie.
„Ich bin einfach nur enttäuscht, was Josh betrifft."
Ihre Enttäuschung konnte Chris aus ihrer Stimme hören. Sam schmiegte sich mit ihrem Rücken und Kopf an seine Brust.
„Ich denke, dass er einfach nur frustriert ist, weil er dich nicht haben kann und dass du dich in mich verliebt hast. Worüber ich übrigens sehr froh bin."
Er hauchte ihr einen Kuss in den Nacken.
„Ich auch, Cowboy", flüsterte Sam leise und schloss ihre Augen.
„Du würdest also mit mir unter einer vergammelten Brücke hausen?" fragte Chris leise und legte seinen Kopf auf ihre Schulter.
„Ja, das würde ich."
„Josh könnte dir Luxus bieten", amüsierte sich Chris.
„Ich habe doch Luxus."
„Sam drehte sich in seinen Armen zu ihm und sah ihn an.
„Du bist alles, was ich brauche."
Sanft streichelte sie ihm über die Wange.
„Das hast du schön gesagt."
„Ich habe es auch so gemeint, Cowboy. Du bist mein Seelenverwandter, mein Partner, mein Freund, mein Lover. Du gibst mir das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Auch wenn es manchmal nicht so aussah. Ich vertraue dir blind."
Sie küsste ihn kurz und sah ihn wieder an.
„Mir geht es nicht anders mit dir, Babe. Obwohl ich gestern wieder mal ein unmoralisches Angebot bekommen habe."
Chris schüttelte den Kopf.
„Diese blonde Barbie?"
„Du hast es mitbekommen und nichts gesagt?"
Chris sah sie überrascht an.
„Ich sagte doch, ich vertraue dir."
Sam nahm zwei Becher aus dem Hängeschrank und schüttete den inzwischen durchgelaufenen Kaffee hinein. Einen der Becher reichte sie Chris.
„Schwarz, wie du ihn magst", schmunzelte sie.
„Konntest du deswegen nicht schlafen? Sei ehrlich", bat er Sam und nahm den Becher.
„Ja, vielleicht. Aber sie hat dich richtig angegraben, sorry. Echt billig. Es fiel mir echt schwer, sie nicht zu killen", scherzte Sam.
„Sie war sichtlich enttäuscht, dass ich nicht mit ihr ins Hotel gegangen bin", meinte Chris und trank einen Schluck Kaffee.
„Ach was?"
Sam sah ihn gespielt überrascht an.
„Warum nur nicht?"
Sam nahm auch einen Schluck Kaffee.
„Weil ich an keinen Abenteuer interessiert bin, außer mit meiner Freundin, die ich liebe."
Er sah sie sehr ernst an.
„Das hast du gesagt? ", grinste Sam.
„Aber selbst das Wort Freundin hat sie nicht davon abgehalten, weiterzumachen. Ich würde ja keinen Ring mehr tragen."
Chris verdrehte seine Augen.
„Naja, ein Ring ist etwas Symbolisches und schreckt schon manche ab", versuchte Sam zu erklären.
„Aber sie scheint blind zu sein, denn du trägst Ringe, nur nicht den besagten Ring. Vielleicht hättest du ihr das Tattoo zeigen sollen", meinte Sam.
„Meinst du?"
„Mich würde es abschrecken, ja. Mal abgesehen davon, dass ich mich sowieso nicht so an einen Mann ranschmeißen könnte wie sie es bei dir gestern getan hat," antwortete Sam.
„Aber um wieder auf Abenteuer zu kommen.. An welche Abenteuer mit deiner Freundin hast du denn da so gedacht?"
Sam stellte ihren Becher auf die Arbeitsplatte vom Küchenblock ab, legte ihre Arme um seinen Hals und sah ihn schmunzelnd an. Chris tat das Gleiche mit seinem Kaffeebecher, ehe er seine Arme um Sams Taille legte.
„Was Neues auszuprobieren. Ich sage nur Handschellen", schmunzelte Chris.
Sam sah ihn überrascht, aber auch gleichzeitig beeindruckt an.
„Vielleicht sollte ich meine Handschellen beim nächsten Mal parat legen", zwinkerte Sam ihm zu.
„Okay Agent Walker, es ist dein freier Tag heute. Wozu hast du Lust?" fragte Chris.
„Hmmm, ich war schon lange nicht mehr shoppen, ehrlich gesagt", kam es nachdenklich von Sam.
„Gut, ich begleite dich", grinste Chris.
„Sicher?"
Sam sah ihn skeptisch an.
„Warum nicht? Ist das so ungewöhnlich, wenn ein Mann seine Freundin beim Shoppen begleitet?"
„Ja, ist es Cowboy", grinste Sam und küsste ihn kurz.
„Aber vorher gehen wir kurz zu Lily rüber und gratulieren."
„Jawohl, Boss", lachte Chris und salutierte.
„Spinner", lachte auch Sam.
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Undercover
Hayran KurguSam Walker und Lily Morgan sind zwei FBI-Agentinnen aus New York, die ihren Kollegen aus LA bei einem Gang-Problem unter die Arme greifen sollen. In LA wird ihnen schnell klar, dass sie nicht nach Anhaltspunkten für die Schuld der Southside Serpent...
