Teil 149

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„Ja, nicht schlecht," bestätigte Cobra und stieg aus.
„Allerdings sollte ich es auch mal ausprobieren. Immerhin bin ich derjenige, der den Mustang morgen beim Rennen fahren wird."
„Das stimmt."
Sam stieg ebenfalls auf und öffnete den Kofferraum, aus dem sie zwei volle Patronen mit Lachgas nahm. Sie tauschte die leeren Patronen mit ein paar geübten Handgriffen aus.
„Soll ich mitfahren und dir sagen, wann du den Knopf drücken sollst?" fragte sie und sah ihn fragend an.
„Nein, ich denke, das kriege ich hin," antwortete Cobra und stieg ein.
Sam sah ihm nach.
„Na gut," sagte sie zu sich.
„Ich fahre mit," meldete Mustang sich zu Wort und stieg auch gleich auf der Beifahrerseite ein.
„Irre ich mich oder sind die beiden uns gegenüber ziemlich unterkühlt?" fragte Lily Sam, nachdem Mustang die Beifahrertür geschlossen hatte.
„Du irrst dich nicht. Das liegt sicher daran, dass Chris und FP den beiden mal kräftig Bescheid gesagt haben," meinte Sam.
„Trotzdem. Dafür, dass wir ihnen aus dem Mist helfen, den sie sich eingebrockt haben, könnten sie schon ein wenig freundlicher sein. Naja, egal. Männer.." seufzte Lily und schüttelte leicht den Kopf.
„Du sagst es," grinste Sam und beobachtete Cobra, der gerade den Motor vom Mustang anließ.
Irgendwie hatte sie kein gutes Gefühl bei der Sache. Sie wusste zwar, dass er ein guter Fahrer war und eine Menge von Autos verstand, aber er hatte offenbar kaum Erfahrung mit Autos, die schneller als 130km/h fuhren. Deswegen war ihr nicht ganz klar, weshalb er sich überhaupt auf dieses Rennen eingelassen und Ryan mit reingezogen hatte.
Lily und Sam sahen dem Mustang nach, als Cobra plötzlich anfuhr und aufs Gas trat. Schnell entfernte er sich und sie konnten sehen, wie der Mustang noch ein paar km/h zulegte, als Cobra den Knopf für das Lachgas.
„Scheiße," entfuhr es Sam erschrocken, als sie sah, wie der Mustang in der Ferne auf einmal anfing zu schlingern und sich anschließend einige Male im Kreis drehte, während er sich gefährlich zur Seite neigte.
Sie meinte sogar zu sehen, wie die beiden Reifen auf der rechten Seite kurzzeitig vom Asphalt abhoben und einen Moment glaubte sie, dass der Wagen sich überschlagen würde. Doch so plötzlich er außer Kontrolle geraten war, so plötzlich kam er auch zum Stehen. Auf dem Asphalt waren dunkle, kreisförmige Reifenspuren zu sehen.
„Komm, lass uns hinfahren," meinte Lily genauso erschrocken und lief zu Ryans Auto.
Sam folgte ihr, stieg ein und gemeinsam fuhren sie zum Mustang und Ryan und Cobra, die mittlerweile ausgestiegen waren.
Cobra war deutlich blass um die Nase und Ryan ging es nicht anders. Sam stieg aus, kaum dass Lily Ryans Auto zum Stehen gebracht hatte, und knallte wütend die Beifahrertür zu, ehe sie auf Cobra zuging, der zum Mustang sah und aufgebracht gegen den Vorderreifen trat.
„Sag mal, spinnst du eigentlich?" fragte Sam aufgebracht und schubste Cobra mit beiden Händen, der darauf nicht vorbereitet war, das Gleichgewicht verlor und mit dem Hintern auf dem Boden landete.
„Oh oh," sagte Lily zu sich, die das Ganze beobachtet hatte und nun ebenfalls ausstieg.
Cobra blickte Sam einen kurzen Moment verdutzt an, bevor sich seine Miene veränderte.
„Das Gleiche könnte ich dich fragen. Was soll der Scheiß?" wollte er wütend wissen und stand auf.
„Was der Scheiß soll? Du Idiot hast absolut keine Ahnung, wie man mit diesem Wagen umgehen muss und schon gar nicht, wie man ihn mit diesem Lachgas fährt, und du willst ein Rennen fahren? Gegen jemanden, der schon jahrelang Erfahrung darin hat und sich vermutlich über dich totlacht? Hast du eigentlich einen Moment lang nachgedacht, als du auf diese Wette eingegangen bist?" regte Sam sich auf und schubste ihn erneut.
„Was geht dich das überhaupt an? Dir kann es doch scheißegal sein, ob ich verliere oder nicht," blaffte Cobra sie an.
„Halt dich aus meinen Sachen raus, okay? Ich brauche keine Hilfe. Fahr nach Hause, mach einen auf heile Familie mit Tall Boy und lass mich in Ruhe. Das solltest du sowieso besser machen. Ich hab keinen Bock auf noch mehr Stress mit ihm."
„Das hier hat nichts mit Chris zu tun. Ich will dir helfen. Geht das nicht in deinen Kopf?" fragte Sam und funkelte ihn wütend an.
Cobra trat einen Schritt auf sie zu und beugte sich zu ihr, sodass sein Gesicht nur wenige Zentimeter von ihrem entfernt war.
„Ich will deine scheiß Hilfe nicht. Geht das nicht in DEINEN Kopf?" zischte er.
Sam und er starrten sich einige Augenblicke an, bis Cobra sich abwandte und zum Mustang zurückging. Er stieg ein und knallte die Tür zu.
„Arschloch," schimpfte Sam und stapfte zu Ryans Auto zurück.
Lily sah zu Ryan, der genauso ratlos aussah, wie sie sich fühlte.
„Sam und ich fahren mit deinem Auto zurück. Du fährst mit Cobra und rückst ihm den Kopf zurecht. Es ist schließlich auch in deinem Interesse, dass er zur Vernunft kommt, wenn du dein Auto behalten willst," meinte sie und ging zu Ryans Auto zurück, in das sie einstieg.
Sam sah dem Mustang schweigend hinterher, als Lily den Motor startete und den beiden Männern hinterher fuhr.
„Alex hat wirklich keine Ahnung, auf was er sich da eingelassen hat, und er kann mit dem Wagen nicht umgehen, wie du gesehen hast. Ich verstehe nicht, weshalb er sich nicht helfen lassen will," sagte Sam schließlich, als sie auf dem Weg zum Trailerpark waren.
„Ich glaube, das ist so ein Männerding. Er will sich nicht eingestehen, dass er den Wagen nicht unter Kontrolle hat und ist wütend, dass er vorhin die Kontrolle verloren hat. Wahrscheinlich ärgert er sich auch selbst am meisten darüber, dass er sich auf diesem Mist eingelassen hat. Sein Ego hat vermutlich einen ziemlich großen Knacks bekommen," mutmaßte Lily.
„Ja, vermutlich, aber das kann er sich gerade wirklich nicht leisten. Er soll verdammt nochmal die Zähne zusammenbeißen und sein Ego hintenanstellen. Außerdem hat er nicht gerade viel Zeit, um die beleidigte Diva zu spielen. Das Rennen soll immerhin schon morgen stattfinden," erwiderte Sam.
„Darf ich dich was fragen?"
Lily sah kurz zu ihr und Sam nickte.
„Warum setzt du dich so für ihn ein? Ich meine, klar, er gehört zu den Serpents und die sind füreinander da, aber das heißt ja nicht, dass jeder wahllos irgendeinen Mist bauen kann und die anderen holen sie jedes Mal da raus. Das muss selbst Alex klar sein," meinte Lily.
„Ich will ihm helfen, weil er verdammt viel Geld und Arbeit in das Auto gesteckt hat. Du hast den Mustang vorher nicht gesehen. Er war ein Wrack und wurde eigentlich nur von Rost zusammengehalten. Alex hat an dem Wagen sowas wie ein Wunder verbracht und es wäre schade, wenn er ihn durch so einen Mist verlieren würde," antwortete Sam.
„Und ja, ich will Alex auch helfen, weil ich ihn mag. Rein platonisch. Er ist ein guter Freund geworden und Freunden hilft man nunmal. Egal, ob er zu den Serpents gehört oder nicht."
Lily nickte stumm. Sie konnte Sams Motive, Alex zu helfen, gut nachvollziehen. Schließlich wollte sie Ryan aus dem gleichen Grund helfen.
„Vielleicht schafft Ryan es, ihn zur Vernunft zu bringen. Alex muss einfach einsehen, dass es besser wäre, wenn du morgen fährst," meinte Lily und parkte Ryans Auto vor der Werkstatt.
Den Mustang hatte Alex reingefahren und von ihm selbst war nichts zu sehen. Als Sam und Lily ausstiegen kam Ryan auf sie zu.
„Ich werde mit Mustang reden. Egal wie stur er ist, er muss einfach einsehen, dass er schon verloren hat, wenn er selbst fährt. Oder viel mehr, dass wir verloren haben," sagte er.
„Hoffen wir es, dass er das tut," seufzte Lily.
„Wenn er sich wieder eingekriegt hat und vernünftig geworden ist, könnt ihr gerne vorbeikommen und wir besprechen alles Weitere," meinte Sam und sah Ryan eindringlich an.
„Am besten noch bis heute Abend."
Ryan nickte.
„Ich werde mein Bestes geben. Immerhin will ich mein Auto behalten. Ohne bin ich aufgeschmissen," erwiderte er und grinste schief.
„Ich hoffe, das alles ist dir eine Lehre."
Lily sah ihn ernst an.
„Darauf kannst du Gift nehmen," meinte Ryan.
„Ich werde sehen, was ich tun kann. Bis später."
Lily und Sam sahen ihm nach, ehe sie zu ihren Trailern gingen.
„Oh, FP ist wieder zurück. Das heißt, Jellybean ist auch da," grinste Lily, als sie FPs Truck sah.
„Dann viel Spaß. Ich sage dir Bescheid, wenn Alex sich melden sollte," meinte Sam.
„Alles klar. Ich hoffe für ihn, dass er das tut. Bis später," verabschiedete Lily sich, ging die Treppe vom Trailer hoch und ging rein.

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