Sam hatte so gut wie nicht geschlafen. Sie saß im T-Shirt auf der oberen Stufe der Treppe zum Trailer mit einem Becher Kaffee in der Hand. Es war Sonntag und somit war es ruhig im Trailerpark. Auch kein Gehämmer von FP war zu hören. Die anderen Serpents schliefen auch noch. Sam nippte an ihrem Kaffee. Ihr gingen die Zeilen des Briefes nicht aus dem Kopf, aber auch nicht das Bild von Michelle mit dem Baby auf dem Arm wie sie vor Chris stand. Dann die Bilder, wie die 2 heißen Sex hatten. Sie wollte nicht daran denken, aber sie kam nicht dagegen an. Chris war nun mal heißer Kerl. Welche Frau konnte ihm schon widerstehen, wenn es sich anbot. Penny, Cheryl, Michelle und wer weiß wie viele es noch waren vor ihrer Zeit. Sie fragte sich, wie viele Frauen wie es Michelle war noch kommen würden mit so einer Geschichte. Sam schloss ihre Augen und schüttelte ihren Kopf. Sie hatte nicht bemerkt, dass sich jemand neben sie auf die Stufe gesetzt hatte. Es war Chris. Auch er hatte einen Becher Kaffee in seiner Hand. Sam drehte ihren Kopf zu ihm.
„Ich dachte, du schläfst noch?"
„Kann nicht."
Chris trank seinen Kaffee ohne sie anzusehen.
„Du bist enttäuscht von mir, weil ich nicht hinter dir gestanden habe. Ist mir schon klar."
„Allerdings. Stattdessen betrinkst du dich, hältst mir einen Vortrag und machst mir Vorwürfe. Das war alles vor dir, Sam, als wir uns noch nicht kannten. Was noch schlimmer ist: du amüsierst dich vor meinen Augen mit Cobra."
„Wir haben nur geredet, Chris. Was ist da jetzt schlimm dran?"
Verwirrt sah Sam zu Chris.
„Du weißt genau, was er für dich empfindet, und du weißt auch, was ich über Cobra denke", sagte Chris ohne sie anzusehen.
„Klar, aber deswegen werde ich Alex nicht meiden. Außerdem geht es hier nicht um Alex. Ja okay, ich habe wieder mal Scheiße gebaut. Ich, als deine Freundin hätte hinter dir stehen müssen, als diese Michelle vor dir gestanden hat, mit einem Baby auf dem Arm, und behauptet hat, es wäre von dir. Nur leider ist in diesen Moment eine Welt in mir zerbrochen, weil ich dachte, dass ich es sein würde, die dir irgendwann sagen würde, dass du Vater wirst. Es tut mir leid, Chris, dass ich mich betrunken habe. Ich wollte nicht immer so tun, als wäre ich die starke Sam, die nichts erschüttern kann. Vielleicht hätte ich Zeit gebraucht, mich daran zu gewöhnen, dass eine Andere die Mutter deines Kindes ist. Ich weiß nicht, wie du dich fühlen würdest, wenn ich dir sage würde, dass ich ein Baby erwarte, nur dass es nicht von dir ist. Ich kann dir sagen, wie es sich anfühlt. Scheiße fühlt es sich an."
Sam sah weiter zu ihm.
„Das würde nie passieren", meinte Chris trocken.
„Was macht dich da so sicher?"
„Weil du dich nie auf Sex ohne Gefühle einlassen würdest."
Jetzt sah Chris sie auch an.
„Wer sagt denn, dass ich es nicht getan habe? Menschen können sich ändern. Ich habe bisher auch keinen Jack Daniels getrunken."
Sam trank einen Schluck Kaffee. Chris sah sie nur an.
„Außerdem, hast du zu mir gestanden, als ich dir damals gebeichtet habe, wer ich wirklich bin? Nein, du hast mich sogar rausgeschmissen und unsere Beziehung beendet."
„Das war was ganz anderes, Sam. Du hast mich belogen."
„Ja, klar war es etwas anderes. Weil es um deine Gefühle ging. Auch ich habe mich beschissen gefühlt, Chris. Aber jetzt kannste ja froh sein, dass du nicht der Vater bist. Schmeißt du mich jetzt auch raus, weil ich nicht zu dir gehalten habe?"
Sam stand auf und sah zu Chris. Er sah schweigend in seinen Kaffeebecher.
„Ich hatte Angst, Chris. Angst, dich zu verlieren, weil eine andere ein Baby mit dir hat. Weil du dir immer eine Familie gewünscht hast. Es tut mir leid, dass ich nicht so bin, wie du es dir wünschst", sagte Sam leise nach einer Weile und betrat den Trailer.
Sie stellte den leeren Becher auf die Küchenzeile, ging ins Bad, zog sich aus und stieg in die Dusche. Chris saß immer noch auf der Stufe vom Trailer. Er dachte nach. Hatte Sam Recht? Ja, sie war verletzt und geschockt von dieser Nachricht, wie er vor ein paar Monaten von ihrer Beichte. Er hatte ohne zu überlegen reagiert, genau wie Sam es auch tat. Er trank seinen Kaffee aus, stand auf und betrat den Trailer. Er sah zu Sam, die aus dem Schlafzimmer kam. Sie trug ein pinkes T-Shirt, eine enge Blue Jeans, dazu ihre Adidas Turnschuhe. Sie legte ihr Holster um, steckte ihre Waffe ein und schnappte sich ihre Dienstmarke von der Kommode an der Wohnzimmerwand.
„Wo willst du hin?"
Verwirrt sah Chris Sam an.
„Es ist doch Sonntag."
„Japp, es ist Sonntag. Ich weiß."
Sam nahm den Zettel, den Michelle geschrieben hatte und steckte ihn in eine Tüte.
„Was hast du damit vor?"
Chris deutete auf den Zettel in der Tüte.
„Ich hab da so ein Bauchgefühl."
Sam ging zur Tür.
„Ich warte immer noch auf eine Antwort von dir."
Sie sah zu Chris.
„Antwort? Worauf?"
„Ob du mich rausschmeißt. Kannst sie mir ja geben, wenn ich zurückkomme", sagte sie und verließ den Trailer.
„Sam."
Er sah ihr nach. Sam stieg in ihre Corvette ein, startete den Motor und fuhr vom Trailerpark. Später saß sie im HQ vom FBI und ließ die Fingerabdrücke von Michelle von einem Kollegen überprüfen.
„Genau wie ich es mir gedacht habe. Sie arbeitet nicht alleine. Danke Tony."
Sie nahm die Akte, die sie für sich selber angefertigt hatte, an sich, verließ das Labor und fuhr mit dem Aufzug runter zum Schießstand. Sie wollte und musste auch wieder Schießübungen machen.
Lily wurde durch die Wärme im Zelt wach. Sie tastete neben sich, aber der Platz neben ihr war leer.
„FP?"
Sie krabbelte aus dem Zelt und sah zu FP, der gerade aus dem Meer kam. Er strich mit den Händen sein nasses Haar nach hinten und das Wasser tropfte von seinem gebräunten Körper. Lily konnte sich nicht an ihm satt sehen. Sie stand auf und ging ihm entgegen.
„Guten Morgen, Mr. Jones."
Schmunzelnd legte sie ihre Arme um seinen Hals und sah ihn verliebt an.
„Hallo Prinzessin", lächelte er sie an und legte ebenfalls seine Arme um sie.
„Ich hoffe, du hast gut geschlafen", grinste FP.
„Das habe ich. Es war so still. Keiner, der Krach machte", scherzte Lily.
„Hey, es ist schließlich für uns, und jeder hat was davon", verteidigte sich FP und küsste sie zärtlich.
„Hast ja recht. Aber doch nicht so früh am Morgen."
Lily verzog ihr Gesicht.
„Du kannst froh sein, wenn Sam dich nicht verhaftet wegen Ruhestörung am Morgen", grinste sie. „Sowas gibt es gar nicht. Und wenn, dann lasse ich mich gerne verhaften. Von dir, Agent Morgan, und nur von dir", schmunzelte FP.
„Führe mich nicht in Versuchung."
Lily zwinkerte ihm zu.
„Mal sehen", grinste FP.
„Sollen wir packen? Ich möchte schon gerne wissen, was Sam und Chris machen."
Lily sah FP bittend an.
„Ist okay."
Zwei Stunden später fuhren sie zurück nach LA.
„Danke für die schönen Stunden."
Lily griff nach seiner Hand und sah zu ihm, als sie vor ihrem Trailer angekommen und abgestiegen war.
„Ich habe zu danken, Prinzessin", zwinkerte er ihr zu, nahm seinen Helm ab und hängte ihn über den Lenker seiner Harley.
Lily nahm ebenfalls ihren Helm ab und sah sich um.
„Die Corvette ist weg."
„Das hat nichts zu bedeuten. Vielleicht ist sie nur weggefahren, um den Kopf frei zu bekommen", versuchte FP Lily zu beruhigen.
„Frag Chris. Da kommt er."
FP deutete zur Trailertür.
„Oh, die Ruhe ist vorbei", grinste Chris zu ihnen rüber.
„Ja, der Baumeister ist zurück", lachte FP und stieg von der Harley.
„Wo ist Sam?" wollte Lily wissen.
„Zum HQ. Sie hatte ihre Waffe und Marke dabei. Ach ja, ich habe eine Nachricht bekommen. Der Zettel war in der Tür eingeklemmt, als wir heute Morgen zurück kamen. Von Michelle", sagte Chris.
„Und? Jetzt mach es nicht so spannend", meinte FP ungeduldig.
„Ich bin nicht der Vater. Sie wollte nur mein Geld."
„Und wie kam es zu der Einsicht, es dir zu sagen?" wollte Lily wissen. "Ich hab nur Vaterschaftstest gesagt", kam es von Chris.
„Und bist du jetzt erleichtert?"
FP und Lily nahmen das zusammengerollte Zelt und den Rucksack.
„Ich hab's schon geahnt. Allerdings tut mir der Kleine leid", gab Chris zu.
Er sah zu der Corvette, die vor dem gemeinsamen Trailer parkte und aus der Sam ausstieg.
„Und was ist mit euch?"
Lily sah zu Chris, der immer noch zu Sam sah.
„Ich glaube, Sam hat mit einigen Dingen recht, die sie heute Morgen gesagt hat", antwortete er.
Sam ging auf die 3 zu.
„Wieder zurück?"
Sam rang sich ein Lächeln ab.
„Sorry, die Ruhe ist vorbei", grinste FP.
„Kann man nichts machen."
Sam zuckte mit den Schultern.
„Du warst im HQ?"
Lily sah Sam fragend an.
„Japp, auch wenn es Sonntag ist. Auch Sonntags laufen böse Jungs und Mädchen rum, denen man das Handwerk legen sollte", meinte Sam.
„Sam, können wir reden?"
Chris sah bittend zu ihr.
„Wir müssen das hier auspacken", meinte FP und ging mit Lily in ihren Trailer.
Sam sah Chris an.
„Lass uns reingehen, okay?" bat er sie.
Sam folgte Chris in den Trailer und schloss die Tür hinter sich. Sie nahm die Waffe aus dem Holster, legte sie in den Safe, setzte sich zu Chris auf die Couch und sah zu ihm.
„Du hattest Recht. Ich war enttäuscht über dein Verhalten", fing Chris an.
„Auch dass du vielleicht Zeit gebraucht hättest. Aber es entschuldigt nicht, dass du mich ignoriert hast, Sam, und mit Cobra deine Scherze gemacht hast. Und das im Beisein anderer Serpents."
Chris sah sie ernst an.
„Okay, das war nicht korrekt von mir und war kindisch."
Sam sah ihn zerknirscht an.
„Es tut mir leid. Aber in dem Moment, als sie sagte, du wärst der Vater und ich dich mit dem Kleinen gesehen habe, ist es mit mir durch gegangen. Da wusste ich nicht, was ich tat. Ich weiß, das entschuldigt nicht mein Verhalten, aber mehr als mich dafür zu entschuldigen, kann ich nicht. Ich habe nun mal Angst dich zu verlieren, Chris. Du bist ein heißer Kerl und ich wette mit dir, dass es auch einige Frauen hier bei den Serpents gibt, die dich gerne haben möchten. Ich hoffe, nein ich bete, dass du meine Entschuldigung annimmst", sagte Sam leise und sah ihn bittend an.
DU LIEST GERADE
Undercover
FanfictionSam Walker und Lily Morgan sind zwei FBI-Agentinnen aus New York, die ihren Kollegen aus LA bei einem Gang-Problem unter die Arme greifen sollen. In LA wird ihnen schnell klar, dass sie nicht nach Anhaltspunkten für die Schuld der Southside Serpent...
