„Miss Walker?"
„Ja?"
Sam drehte sich zu Hannah Smith, der Sekretärin ihres Chefs, um, die sie angesprochen hatte, als sie etwa eine Stunde später gemeinsam mit Liam, Lily und Chris auf dem Weg ins Büro war. Sie wollten noch ein wenig über den Club in West-Hollywood und dessen Besitzer herausfinden.
„Da wurde vorhin etwas für Sie abgegeben. Es steht auf Ihrem Schreibtisch," teilte sie Sam mit.
„Oh okay, danke," antwortete Sam lächelnd und fragte sich, was das wohl sein könnte.
Vielleicht waren es weitere Informationen über diese Michelle. Doch als sie das Büro betrat und einen Blick zu ihrem Schreibtisch warf, schnappte sie überrascht nach Luft. Darauf stand der größte Strauß roter Rosen, den sie je gesehen hatte.
„Oh wow," meinte Lily beeindruckt, ging hin und schnappte sich die kleine Karte, die in dem Strauss steckte.
„Hui, von deinem Verlobten," grinste sie, nachdem sie einen kurzen Blick drauf werfen konnte, bevor Sam sie ihr aus der Hand nahm.
„Hey, das ist privat," grinste Sam und öffnete die Karte.
„Hi mein Irish Vamp, nur eine kleine Aufmerksamkeit von deinem Verlobten. Ich denke an dich. Chris. PS.: Ich liebe dich."
„Irish Vamp?" fragte Lily grinsend, die ihr über die Schulter geschaut hatte und nun zu ihrem Schreibtisch ging.
Sam zuckte schmunzelnd mit den Schultern und roch an den Rosen. Ihr gefiel der Name. Ja, an ihn könnte sie sich gewöhnen. Sie setzte sich und zog ihr Handy aus der Tasche, um Chris eine Nachricht zu schreiben.
„Hey Cowboy, vielen Dank für die wunderschönen Rosen. Ich liebe dich. Dein Irish Vamp. :)"
„Hast du eine Ahnung, wann die beiden Feierabend haben?" fragte FP abends Chris, nachdem er schon vor Stunden Feierabend gemacht und bereits gemeinsam mit zwei anderen Serpents die Trailerwand zwischen Jugheads und Jellybeans Schlafzimmer und dem Anbau entfernt hatte.
„Nein, überhaupt nicht. Sam hat mich heute nachmittag angerufen, um mir Bescheid zu sagen, dass es heute später werden könnte," antwortete er und spülte ein paar Gläser.
„Hoffentlich ist nichts passiert," meinte FP und trank einen Schluck von seinem Bier.
„Glaube ich nicht. Sie sind doch nur im Büro," antwortete Chris und sah auf, als die Tür der Bar aufging.
„Wenn man vom Teufel spricht," grinste er.
Sam betrat mit ihrem Kollegen Chris die Bar und kam direkt zum Tresen.
„Hey Cowboy, sorry, dass es so spät geworden ist," meinte sie, sah ihn entschuldigend an und küsste ihn kurz.
„Kein Ding, ich wusste ja Bescheid," meinte er und nickte ihrem Kollegen zur Begrüßung kurz zu.
Dieser erwiderte den Gruß.
„Wo ist Lily?" wollte FP wissen, der sich suchend umgesehen hatte.
„Sie kommt gleich auch. Sie ist mit Liam im Diner, um einer Spur nachzugehen," antwortete Sam und setzte sich.
Chris sah sie erstaunt an.
„Im Diner?"
„Erzähle ich dir später, wenn sich unser Verdacht bestätigen sollte. Es ist sogar wichtig, wenn du eingeweiht wirst. Aber wie gesagt, noch haben wir nur Vermutungen," erklärte Sam ihm.
„Okay, hört sich interessant an," meinte Chris und stellte ihr ein Glas Cola Zero hin.
„Möchtest du auch was trinken?" fragte er Sams Kollegen Chris.
„Ja, ein Bier bitte," antwortete er und setzte sich auf den Hocker neben Sam.
Chris stellte ihm ein frischgezapftes Bier hin und sah erneut zur Tür, als sie sich öffnete.
„Oh nee," entfuhr es ihm, sodass FP und Sam sich gleichzeitig umdrehten.
„Was will der denn schon wieder hier?" fragte FP grimmig, als er John, Lilys Ex-Freund sah, der diesmal scheinbar alleine unterwegs war und sich in der Bar umblickte.
„Der ist lästiger als eine Schmeißfliege auf einem Kuhfladen im Sommer," kommentierte Sam trocken und trank einen Schluck von ihrer Cola.
„Du hast es auf den Punkt gebracht," stimmte Chris ihr zu.
FP seufzte, stand auf und ging auf John zu, der bereits den Tresen ansteuerte. Er streckte den Arm aus, um ihn aufzuhalten.
„Stop. Ich habe keine Ahnung, was du hier schon wieder willst, aber du warst das letzte Mal schon nicht willkommen hier. Also verschwinde besser," forderte er John auf, der FP amüsiert ansah und abwehrend die Hände hob.
„Hey, ich komme in Frieden. Keine Sorge. Es gibt keinen Grund, sich in die Hose zu machen," grinste er.
„Tatsächlich bin ich hier, um mich für mein Verhalten beim letzten Mal zu entschuldigen. Es war wirklich nicht okay von mir, vor deiner Nase diese ganzen Sachen von Lily und mir auszuplaudern. So unhöflich."
John sah FP so übertrieben entschuldigend an, dass selbst ein Blinder gemerkt hätte, dass es vollkommen unehrlich war. FP erwiderte seinen Blick unbeeindruckt.
„Aber es war nicht gerade mein bester Tag. Lily zu treffen hat mich vollkommen aus der Bahn geworfen. Sie hat mir so viel bedeutet und dass sie mich von einen Tag auf den anderen einfach hat fallen lassen, tut immer noch weh," fuhr John theatralisch fort und legte eine Hand auf seine linke Brust.
„Ich hoffe, dass dir das nie passieren wird, aber ich befürchte fast, dass es dir nicht anders ergehen wird. Also genieß jeden Tag mit ihr, bevor sie dich einfach so abschießt."
John sah ihn grinsend an.
„Vielleicht hättest du dich nicht durch halb New York vögeln sollen, als du mit ihr zusammen warst. Dann wäre es eventuell anders ausgegangen," erwiderte FP ungerührt.
John lachte.
„Ach, sie hat dir davon erzählt? Hhm.. tja, was soll ich dazu sagen? Erwischt. Es stimmt, ich war alles andere als brav. Aber einen Versuch war es wert," meinte er und zuckte mit den Schultern.
„Weswegen ich hier bin.. ich würde gerne mit dir als Leader der Southside Serpents sprechen und dir ein Angebot machen."
„Kein Interesse," erwiderte FP gleich.
John sah ihn an und schüttelte tadelnd den Kopf.
„Warum immer so unhöflich? Ich versuche doch wirklich, freundlich zu sein, obwohl ich nur mit den Finger schnippen müsste und meine Leute würden den Laden ruckzuck auseinandernehmen."
„Kannst du ja gerne versuchen, aber bei dem Versuch würde es bleiben. Glaub mir, du willst dich nicht mit uns anlegen," mischte Chris sich nun ein, der neben FP getreten war.
„Und jetzt verschwinde und erzähl deinen Mist irgendjemand anders."
„Ich bin daran interessiert, euch beizutreten. Nicht nur ich, meine Leute auch," meinte John und sah FP an, wobei er Chris gekonnt ignorierte.
FP lachte kurz.
„Vergiss es. Keine Chance," antwortete er.
„Na na, nicht so voreilig. Denk nur mal darüber nach, welche Vorteile das für euch haben könnte. Nicht nur, dass die Serpents noch Verstärkung gebrauchen könnten," wandte John ein.
„Verstärkung für was?" unterbrach Chris ihn.
Nun sah John ihn an.
„Verstärkung, wenn es mal Ärger mit anderen Gangs geben sollte. Ich habe gehört, dass es da vor Kurzem eine Auseinandersetzung mit den Ghoulies gegeben hat," antwortete John und sah wieder zu FP.
„Das war keine Auseinandersetzung. Nur eine Wette, die sie verloren haben. Nicht mehr, nicht weniger. In der Regel haben wir keine Probleme mit anderen Gangs. Wir lassen sie in Ruhe und sie uns. Daher brauchen wir keine Verstärkung," erklärte er.
„Oh, aber das könnte sich ja ganz schnell ändern. Wer weiß. Vielleicht wenn jemand, sagen wir ich, zu den anderen Gangs geht und sie ein wenig aufmischt," grinste John.
FP und Chris warfen sich einen kurzen Blick zu und FP war sich sicher, dass sie das Gleiche dachten. Nämlich, dass John nicht mehr alle Tassen im Schrank hatte.
„Außerdem könnte ein Beitritt von mir und meinen Leuten noch zu anderen Vorteilen führen. Wir sind sehr geschickt darin, Geld ranzuschaffen, wenn ihr versteht, was ich meine," fuhr John grinsend fort.
„Wie gesagt, kein Interesse," wiederholte FP.
„Wir haben mit solchen Sachen nichts zu tun und das wird auch so bleiben."
„Sehr schön gesagt," sagte John gespielt ernst.
„Hätte ich vermutlich auch gesagt, wenn ein FBI-Agent in der Nähe ist."
Er deutete zu Sam.
„Das hat damit gar nichts zu tun. Wir haben nichts mit krummen Dingern am Hut und auch nicht mit Leuten, die krumme Dinger laufen haben," sagte Chris scharf.
„Und jetzt verschwinde hier, bevor ich dich rauswerfen lasse."
John sah grinsend zwischen FP und Chris hin und her, ehe er lachte.
„Okay, wie ihr wollt. Ich muss mir noch überlegen, ob das Konsequenzen haben wird oder ob es sich nicht lohnt. Ihr werdet es auf dem einen oder anderen Weg mitbekommen," meinte er und wandte sich um zum Gehen.
John war schon halb an der Tür, als er sich nochmal umdrehte und FP ansah.
„Grüß Lily von mir, ja? Richte ihr bitte aus, dass ich immer noch jedes Mal an sie denke, wenn ich mir einen runterhole," grinste er und verließ anschließend die Bar.
„Was für ein Widerling," meinte Chris.
„Wem sagst du das," antwortete FP und fragte sich nicht zum ersten Mal, weshalb Lily jemals mit so einem Typen zusammen gewesen war.
„Was meinst du? Müssen wir uns Sorgen machen? Immerhin hat er uns gedroht."
Chris sah ihn an, aber FP schüttelte den Kopf.
„Nein. Der klopft nur große Sprüche, mehr nicht," erwiderte er und ging zurück zum Tresen, wo er sich setzte.
„Hoffentlich."
Chris ging zurück hinter den Tresen und fuhr damit fort, die Gläser zu spülen.
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Undercover
أدب الهواةSam Walker und Lily Morgan sind zwei FBI-Agentinnen aus New York, die ihren Kollegen aus LA bei einem Gang-Problem unter die Arme greifen sollen. In LA wird ihnen schnell klar, dass sie nicht nach Anhaltspunkten für die Schuld der Southside Serpent...
