Pop war am nächsten Morgen gerade dabei, die Tische abzuräumen, nachdem die ersten Frühstücksgäste gegangen waren, als Lily den Diner betrat. Er sah lächelnd zu ihr und begrüßte sie mit einer kurzen Umarmung.
„Guten Morgen Lily, lange nicht gesehen."
„Guten Morgen Pop. Ja, das stimmt. Die Arbeit beim FBI hat mich voll im Griff, sonst wäre ich schon viel eher mal vorbeigekommen," antwortete sie und sah sich um.
Liam, Chris und Sam waren noch nicht da, aber das war nicht das Einzige, das ihr auffiel.
„Bist du hier ganz alleine, Pop?" fragte sie stirnrunzelnd.
„Ja, Marie ist krank. Wohl irgendein Virus, der gerade rumgeht," sagte er und trug das dreckige Geschirr zum Tresen.
„Und du hast niemand anderen, der einspringen kann?"
Lily legte ihre Handtasche weg und räumte das Geschirr auf ein paar anderen Tischen zusammen, bevor sie es ebenfalls zum Tresen brachte.
„Nein, leider nicht. Tom hat Urlaub und meine neue Angestellte, Michelle, kann nur die Nachmittagsschichten übernehmen, weil sie ein kleines Kind hat und erst dann einen Babysitter hat," sagte Pop.
„Das ist ja Mist," meinte Lily.
„Kommst du denn morgens alleine klar?"
„Das geht schon. Tom hat ja nicht ewig Urlaub. Er ist nächste Woche wieder da," grinste Pop.
„Schade, dass ich dir nicht helfen kann. Ich würde sofort einspringen, wenn ich könnte."
Lily sah ihn entschuldigend an.
„Das weiß ich, aber mach dir mal keine Gedanken. Wie gesagt, ich bekomme das schon hin. Was kann ich dir bringen?" fragte Pop.
„Ich bin hier mit Sam und unseren beiden Kollegen verabredet. Eigentlich brauchen wir nur Kaffee. Um den kümmere ich mich aber, dann kannst du mit dem anderen Kram weitermachen," erwiderte Lily und ging hinter den Tresen, wo sie 4 Kaffeetassen aus dem Regal nahm.
Als sie gerade dabei war, Kaffee einzuschenken, öffnete sich die Tür vom Diner und Sam, Chris und Liam kamen herein.
„Oh, hast du deinen FBI-Job jetzt doch an den Nagel gehängt?" fragte Sam scherzend.
„Nein, ich nehme Pop nur Arbeit ab. Er ist ganz allein hier," antwortete Lily und stellte die Kaffeekanne weg.
„Marie ist krank, Tom hat Urlaub und die Neue kann nur nachmittags."
„Das ist ja echt blöd," kommentierte Sam, während sie zwei der Kaffeetassen nahm.
„Kannst du laut sagen. Ich würde am liebsten einspringen."
Lily grinste schief, nahm die anderen beiden Kaffeetassen, kam hinter dem Tresen hervor und ging mit Sam zum Tisch, wo Chris und Liam sich bereits gesetzt hatten.
„Okay, wie ist der letzte Stand der Dinge? Wir beide waren ja letzte Woche leider voll mit der Gang-Sache beschäftigt gewesen," meinte Sam und nahm einen Schluck von ihrem Kaffee.
„Moment, bevor wir darauf zu sprechen kommen.. was sehe ich da an deinem Finger?" wollte Chris erstaunt wissen und deutete auf Sams Ringfinger.
„Gibt es da etwa etwas zu feiern?"
„Ähm ja, Chris, also mein Chris, hat mir gestern einen Antrag gemacht," antwortete Sam schmunzelnd und blickte auf den Ring.
Sie konnte es noch immer nicht so richtig glauben, dass das passiert war, weshalb sie etwa alle 5 Minuten auf ihre Hand sah, um nachzusehen, ob der Ring tatsächlich da war. Natürlich auch, weil er atemberaubend schön war.
„Wow, gratuliere. Das freut mich für dich.. euch," schmunzelte Chris.
„Von mir auch alles Gute. Das ist wirklich toll," sagte Liam.
„Danke. Ja, das ist es," lächelte Sam und sah erneut auf den Ring.
„Ist bei dir auch in nächster Zeit eine Hochzeit geplant?" fragte Liam Lily grinsend und trank einen Schluck von seinem Kaffee.
„Oh, nein. Da gibt es keine Pläne," antwortete Lily grinsend.
„Die wird es vermutlich auch nie geben."
„Wie?"
Liam sah sie irritiert an.
„Willst du nicht heiraten? Ich habe gedacht, du bist völlig verrückt nach FP."
„Das bin ich. Nach wie vor und heiraten würde ich ihn auf der Stelle, aber er hat gerade erst eine langjährige Ehe hinter sich mit einer Frau, die ihn einfach hat sitzenlassen. Ich bin mir ziemlich sicher, dass er die Nase voll hat," antwortete Lily und zuckte mit den Schultern.
„Das ist Quatsch," mischte Sam sich ein.
„Er weiß, dass du ganz anders bist als Gladys und dass es bei euch ganz anders laufen würde. Vielleicht musst du ihm einfach noch ein bißchen Zeit geben."
„Keine Ahnung. Es wäre aber auch kein Weltuntergang, wenn er nicht nochmal heiraten will. Er hat nunmal seine Gründe. Ich möchte einfach nur mit ihm zusammen sein. Dazu muss ich nicht unbedingt heiraten," meinte Lily.
„Ach, ich bin trotzdem der Meinung, dass du abwarten solltest. Er überrascht dich sicher," grinste Sam.
„Wenn nicht, ist es auch okay," sagte Lily nur und wechselte dann das Thema.
„Also wie sieht es aus mit dieser Michelle?"
„Wir hatten eine Spur, der wir nachgegangen sind. Die führte uns zu einem Club in West-Hollywood und es hat sich herausgestellt, dass es scheinbar eine Art Stammclub von ihr ist. Wir haben sie einige Tage beschattet und sie war fast jeden Abend dort. Allerdings hat sie da nichts anderes gemacht außer zu feiern. Trotzdem denken wir, dass sie sich dort auch mit ihren Komplizen trifft. Immerhin ist so ein Club, der einen wirklich guten Ruf hat, dafür bestens geeignet. Niemand würde denken, dass dort im Hinterzimmer irgendwelche krummen Sachen ablaufen," fing Liam an und holte ein Notizbuch aus seiner Jackentasche, in dem er herumblätterte.
„Wir haben auch den Besitzer überprüft, denn es ist ziemlich wahrscheinlich, dass er da mit drin hängt. Er heißt Franco Solis und ist bisher noch nicht aufgefallen, aber das hat nichts zu heißen. In den letzten Tagen war diese Michelle, oder wie immer sie sich jetzt nennt, jedoch wie vom Erdboden verschluckt. Sie ist nicht in dem Club aufgetaucht und an dem Apartment-Komplex, in dem sie wohnt, ist sie auch nicht gesehen worden," fuhr Liam fort.
„Entweder hat sie die Stadt wieder für einige Zeit verlassen oder sie hat einen anderen blöden Typen gefunden, dem sie das Kind anhängen konnte und sie macht jetzt mit ihm einen auf Familie. Oder was auch immer," sagte Chris und sah in die Runde.
Sam schüttelte den Kopf. Sie musste an das Kind denken, das ständig aus seiner gewohnten Umgebung gerissen und für diese hinterhältigen Spiele missbraucht wurde. Es machte sie wütend, daran zu denken. Mittlerweile war es für sie zur Priorität geworden, erstmal das Kind zu finden und es in Sicherheit zu bringen. Diese Michelle würden sie auch irgendwann schnappen. Irgendwann würde sie einen Fehler machen.
„Vom Kind ist weit und breit gar nichts zu sehen," redete Chris weiter.
„Wir vermuten, dass sie irgendeinen Babysitter engagiert hat, der sich um den Kleinen kümmert, während sie feiern geht, krummen Geschäften nachgeht oder wonach ihr sonst noch der Sinn steht," sagte Liam.
Lily sah nachdenklich aus dem Fenster. Ihr war plötzlich etwas eingefallen. Sie blickte zu Pop, der hinter dem Tresen beschäftigt war.
„Pop, wie heißt deine neue Angestellte nochmal?" fragte sie ihn.
„Michelle," antwortete er.
„Und sie kann nur nachmittags arbeiten wegen ihrem Kind?"
„Ja, das ist richtig," bestätigte er.
„Wann hat sie denn angefangen, hier zu arbeiten?"
„Oh, erst letzte Woche Donnerstag," erwiderte Pop.
Lily sah zu Sam, Chris und Liam.
„Ein seltsamer Zufall, oder?" fragte sie.
„Stellt sich nur die Frage, ob sie tatsächlich so dreist wäre, hier vor unserer Nase in einem Diner zu arbeiten."
Die vier FBI-Agents wechselten ein paar Blicke, während sie darüber nachdachten.
„Naja..."
Sam räusperte sich.
„Sie ist ursprünglich wegen Chris hier aufgetaucht und wollte ihm das Kind unterschieben, weil sie an sein Geld wollte. Was ist, wenn sie bisher keinen anderen reichen Trottel gefunden hat? Ich meine, Chris' Geld ist sicher ziemlich verführerisch für sie und vielleicht denkt sie, sie könnte ihn trotz allem doch noch um den kleinen Finger wickeln? Ich weiß, für uns hört sich das vollkommen abwegig an, aber sie ist so dreist und sie will das Geld. Da kennt sie sicher keine Grenzen oder Tabus."
„Ich bin dafür, dass Lily und ich heute Abend nach Feierabend nochmal hier vorbeikommen, um zu schauen, ob sie es wirklich ist. Wir haben ja ihr Foto und es ist besser, wenn du, Sam, dich hier nicht blicken lässt. Dich kennt sie schließlich," schlug Liam vor und Lily nickte.
„Ja, gute Idee. Sam und ich sind derweil im Whyte Wyrm. Sollte diese Michelle wirklich die sein, hinter der wir her sind, besprechen wir dort die weitere Vorgehensweise," meinte Chris.
„Alles klar, so machen wir es," stimmte Sam zu.
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Undercover
FanfictionSam Walker und Lily Morgan sind zwei FBI-Agentinnen aus New York, die ihren Kollegen aus LA bei einem Gang-Problem unter die Arme greifen sollen. In LA wird ihnen schnell klar, dass sie nicht nach Anhaltspunkten für die Schuld der Southside Serpent...
