„Die beiden bekommen das schon wieder auf die Reihe," versicherte FP ihr und küsste sie kurz.
„Ich hoffe doch, dass ich mit dir nicht so eine Überraschung erleben muss," scherzte Lily und sah wieder zum Meer.
„Das würde mich selbst überraschen, Prinzessin," meinte FP amüsiert.
„Du bist die erste Frau seit Gladys mich verlassen hat."
Lily sah ihn überrascht an.
„Naja, abgesehen von der Sache mit Penny," schob FP hinterher.
„Aber scheinbar war ich, so betrunken ich auch war, trotzdem klug genug, ein Kondom zu benutzen."
Lily sah ihn weiterhin überrascht an und FP erwiderte ihren Blick amüsiert.
„Was?"
„Ich weiß nicht, ob ich dir das glauben soll, dass du fast ein Jahr nichts mit einer Frau gehabt hast. Du hast doch sicher jede Menge eindeutige Angebote bekommen, oder nicht?" fragte Lily.
FP verzog kurz das Gesicht.
„Das schon, aber ich war nicht interessiert. Wenn man von heute auf morgen verlassen wird und zum Abschied nochmal an den Kopf geworfen bekommt, was man doch für ein Versager ist, ist das nicht gerade besonders toll für das Selbstbewusstsein. Außerdem hatte ich erstmal die Nase voll von Frauen. Das mit Penny ist auch nur passiert, weil ich betrunken war. Mich wundert es, ehrlich gesagt, dass da überhaupt was passiert ist. Ich kann mich auch nicht besonders gut daran erinnern," meinte er.
„Vielleicht hat Penny dich angelogen und es ist gar nichts passiert. Möglich wäre es," dachte Lily laut nach.
FP stieß ein kurzes Lachen aus.
„Wundern würde es mich bei ihr nicht."
„Sie ist in dich verliebt," sagte Lily.
„Ach Quatsch. Sie konnte es nur nicht ertragen, dass sie mich nicht um den kleinen Finger wickeln konnte," winkte FP ab.
„Das ist kein Quatsch. Sie hat es mir erzählt, als Scott mich in diesem Gebäude festgehalten hat. Naja, wirklich erzählt hat sie es mir nicht. Ich hatte so eine Ahnung und habe sie gefragt. Sie hat es bestätigt," antwortete Lily.
FP schwieg und Lily sah zu ihm.
„Ich kann dir förmlich ansehen, wie du dich fragst, warum sie sich gerade in dich verliebt hat," sagte sie leicht grinsend.
„Hör auf damit, okay? Du bist ein toller Mann. Jede Frau, die dir nicht sofort verfällt, ist blöd."
„Ach, dann ist Sam auch blöd?" fragte er grinsend und hob seine Augenbrauen.
„Nein, Sam ist eine Ausnahme," lachte Lily.
Sie drehte sich zu ihm um und setzte sich rittlings auf seine Beine, damit sie ihn ansehen konnte.
„Ich war schon hin und weg von dir, als ich an meinem ersten Tag hier mit dir bei Pops zusammengestoßen bin, aber das weißt du ja. Nach dem Abend im Autokino, wo wir uns das erste Mal geküsst haben, war ich kurz davor, den Fall hinzuschmeißen, weil ich auf dem besten Wege war, mich in dich zu verlieben. Ich hatte keine Ahnung, wie ich weitermachen sollte. Ich hatte nicht damit gerechnet, dass du mir so den Kopf verdrehen würdest."
„Und trotzdem bist du geblieben. Warum?" fragte FP leise.
„Weil ich nicht glauben konnte oder glauben wollte, dass du tatsächlich irgendwas mit Drogen zu tun hast. Ich wollte unbedingt das Gegenteil beweisen," erklärte sie ihm.
„Naja und scheinbar habe ich irgendeine selbstzerstörerische Ader in mir, denn auch wenn ich Angst hatte, mich in dich zu verlieben, wollte ich dich trotzdem weiterhin sehen. Egal, zu welchem Ergebnis die Ermittlungen gekommen wären. Ich weiß, das ist bescheuert."
„Dem kann ich nur zustimmen," meinte FP trocken, aber sie sah das leichte Grinsen, das seine Mundwinkel umspielte.
Sie verdrehte grinsend die Augen.
„Erinnerst du dich noch an den Tag, an dem Sam und ich in den Trailer gezogen sind? An dem Abend sollte die Party stattfinden und du bist in deiner Mittagspause vorbeigekommen, um zu sehen, ob alles okay ist."
„Ja, daran erinnere ich mich und wenn ich mich richtig erinnere, bin ich eigentlich nur vorbeigekommen, um dich zu sehen, da du ja an dem Tag nicht im Diner gearbeitet hast," grinste FP, legte die Arme um sie und drückte sie an sich.
„Ah ja, so kommt es raus," lachte Lily.
„Ach komm, als wenn du das nicht gewusst hättest," erwiderte FP amüsiert.
„Hhm.."
Lily tat gespielt nachdenklich.
„Vielleicht. Jedenfalls hat mir dieser heiße Kuss zum Abschied dann richtig den Kopf verdreht. Das war der Moment, in dem ich mich endgültig in dich verliebt habe," erzählte sie und streichelte über seine Wange, wo sie bereits leichte Stoppeln fühlen konnte, genau wie FP am Morgen noch gesagt hatte.
FP beugte sich zu ihr und küsste sie zärtlich.
„Bei mir war es etwas später," gestand FP ihr schließlich.
„Wobei das nicht ganz richtig ist. Umgehauen hast du mich sofort und ich erinnere mich leider viel zu gut an den einen Morgen, als du zu meinem Trailer gekommen bist und ich betrunken war. Es war mir unangenehm, dass du mich so gesehen hast, aber gleichzeitig auch völlig egal, weil ich mir sicher war, dass du spätestens danach sowieso abhauen würdest. Als du mir dann gesagt hast, dass du nirgendwo hingehst und du mir helfen möchtest und du mich dabei so entschlossen angesehen hast, habe ich dir das geglaubt, obwohl ich das eigentlich nicht wollte. Denn wer würde sich schon um so ein Wrack wie ich es war kümmern? Aber ich habe es dir geglaubt und dass du tatsächlich nicht die Flucht ergriffen hast, hat mich wieder umgehauen. Ich hatte gedacht, alle Frauen wären wir Gladys, aber du hast mich vom Gegenteil überzeugt."
Er hatte die ganze Zeit zum Meer gesehen, jedoch sah er Lily nun an.
„Einige Zeit lang hatte ich die Gefühle, die ich die ganze Zeit für dich hatte, verdrängt. Vermutlich aus Angst. Nachdem ich dann zufällig das Gespräch zwischen dir und Sam mitbekommen hatte, als du ihr gesagt hast, dass du in mich verliebt wärst.."
FP hielt inne und schüttelte lächelnd den Kopf.
„Das war unglaublich. Meine Angst war plötzlich verschwunden. Allerdings nicht nur deswegen. Du hast mir auf so viele Arten bewiesen, dass du für mich da bist, hinter mir stehst und mich nicht hängenlässt, wenn ich mal Mist baue. All die Jahre habe ich immer gedacht, Gladys sei meine große Liebe gewesen und es könnte nicht besser werden, aber das war Blödsinn. Du bist es und mit dir ist es tausendmal besser."
Lily sah ihn mit feuchten Augen an und hatte auf einmal einen dicken Kloß im Hals.
„Danke, dass du mir gezeigt hast, dass ich doch kein Versager bin," fügte er leise hinzu.
Lily legte beide Hände an seine Wangen, beugte sich zu ihm und drückte ihm einen langen, zärtlichen Kuss auf die Lippen.
„Danke, dass du mir gezeigt hast, dass es für mich nach all den Pleiten mit Männern doch noch die große Liebe gibt," sagte sie leise und streichelte über seine Wangen.
Plötzlich lachte sie kurz.
„Gut, dass uns keiner so sieht und uns zuhört. Das ist ja schlimmer als jede Liebesschnulze," scherzte sie und wischte sich eine Träne von der Wange, die sich aus ihrem Auge gelöst hatte.
„Ich stehe auf diese Liebesschnulze," grinste FP, drückte sie an sich und küsste sie zärtlich.
„Als ich festgestellt habe, dass ich schwanger bin, war ich geschockt. Ich meine, richtig geschockt. Das war sicher nichts, was ich geplant habe. Nicht in diesem Alter. Aber ich habe es auch nicht übers Herz gebracht, das Baby abtreiben zu lassen, obwohl ich darüber nachgedacht habe. Das gebe ich ehrlich zu. Als ich mich dann definitiv dazu entschieden hatte, das Kind zu bekommen, musste ich trotzdem erstmal damit fertig werden. Und ich habe gedacht, du würdest alle Verantwortung von dir weisen, wenn ich dir von der Schwangerschaft erzähle. Ich habe schließlich gesehen, wie du zu der Zeit drauf warst," erzählte Michelle Chris.
„Dass ich dich erst jetzt aufgesucht habe.. Keine Ahnung, warum. Ich habe, ehrlich gesagt, nicht damit gerechnet, dich hier überhaupt noch vorzufinden. Ich habe gedacht, du wärst wieder zurück nach Australien gereist oder wärst zumindest irgendwo in ein richtiges Haus gezogen. Ich verstehe nicht, wie du immer noch in diesem Trailer hausen kannst."
Sie sah ihn verständnislos an, Chris zuckte jedoch nur mit den Schultern. Er hatte keine Lust, sich vor ihr zu rechtfertigen. Es ging sie nichts an, was er machte oder warum er es machte. Er kannte sie ja noch nicht mal richtig.
„Was hast du dir denn überhaupt vorgestellt, was ich dir monatlich zahlen soll?" fragte er geradeheraus.
„Ich weiß nicht. Das, was du für angemessen hältst," antwortete Michelle.
Er lachte kurz.
„Auf dieses Spielchen habe ich keinen Bock. Sag mir, was du dir vorstellst. Ich bin mir ziemlich sicher, dass du dir das schon überlegt hast."
„Drei- bis viertausend Dollar monatlich," sagte sie schließlich.
Ein Betrag, mit dem Chris schon gerechnet hatte, weswegen er nicht weiter überrascht war. Dennoch sah er sie erstaunt an.
„Wie kommst du auf die Idee, dass ich dir jeden Monat so viel Geld zukommen lassen kann und das für die nächsten 18 Jahre?" wollte er wissen.
„Ich besitze zwar eine Bar, die gut läuft, aber so viel wirft sie dann doch nicht ab."
„Du hast damals damit herumgeprahlt, dass du stinkreich bist. Damit, dass dir dieser Trailerpark gehört und du ganz Los Angeles samt dem Pazifik kaufen könntest, wenn du wolltest," antwortete Michelle.
Chris nickte. Er verstand auf einmal.
„Okay. Ich zahle dir 4000 Dollar. Jeden Monat. Für die nächsten 18 Jahre. Es sei denn, du heiratest. Dann zahle ich dir nur noch das Kindergeld, das dir laut Gesetz zusteht. Ich zahle auch für seine Ausbildung oder sein Studium oder was auch immer er später vorhat," sagte er und er sah wie ihr Gesicht förmlich aufleuchtete.
„Dafür will ich einen Vaterschaftstest. Bei einem Arzt, den ich aussuche, und ich werde dabei sein, wenn ihm und mir Blut angenommen wird, damit alles mit rechten Dingen zugeht," fügte er hinzu.
Beinahe hätte er aufgelacht, als er nun Michelles Gesicht sah. Ihr siegessicheres Lächeln war schneller verschwunden als er „Vaterschaftstest" hatte sagen können. Allein das war für ihn schon Beweis genug, dass es nicht sein Kind war und sie nur wegen des Geldes bei ihm war. Ihm tat der Kleine in diesem Moment wirklich von Herzen leid, aber er hatte sich die Mutter schließlich nicht aussuchen können.
„Na gut, wir machen es so," sagte Michelle schließlich und rang sich ein Lächeln ab.
„Dann gib mir bitte deine Nummer, damit ich dich erreichen kann, wenn ich einen Termin bei einem Arzt gemacht habe," meinte Chris.
„Klar."
Er beobachtete, wie sie in ihrer Handtasche herumkramte, bis sie schließlich einen Stift und einen Zettel gefunden hatte, den sie ihm reichte, nachdem sie eine Handynummer drauf notiert hatte.
Chris schob ihn sich in die Hosentasche und stand auf.
„Wie gesagt, ich melde mich bei dir."
Mit diesen Worten verließ er den Diner, stieg in seinen Prius und fuhr zum Trailerpark zurück. Als er den Trailer betrat, lag Sam noch immer schlafend auf der Couch. Chris ließ sich in den Sessel fallen und sah zu ihr.
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Undercover
FanfictionSam Walker und Lily Morgan sind zwei FBI-Agentinnen aus New York, die ihren Kollegen aus LA bei einem Gang-Problem unter die Arme greifen sollen. In LA wird ihnen schnell klar, dass sie nicht nach Anhaltspunkten für die Schuld der Southside Serpent...
