Einige Stunden später standen Sam und Chris hinter dem Tresen und hatten wie immer mehr als genug zu tun, als Ryan und Alex die Bar betraten. Wortlos setzten sie sich auf zwei Barhocker. Alex hielt seinen Blick gesenkt und Sam konnte absolut nichts aus seiner Miene lesen, aber sie deutete es als gutes Zeichen, dass die beiden in die Bar gekommen waren. Sie zapfte zwei Biere, die sie vor die beiden auf den Tresen stellte.
„Okay, wie sieht es aus?" fragte sie und sah zwischen den beiden Männern hin und her.
Alex warf einen kurzen Blick zu Ryan, der ihn auffordernd zunickte. Er seufzte und sah nun zu Sam.
„Wie willst du mir helfen?" fragte er.
„Indem ich fahre," antwortete Sam schlicht.
Alex hob erstaunt die Augenbrauen.
„Du?"
„Ja, ich. Mal ehrlich, wenn du darauf bestehst zu fahren, kannst du den Ghoulies direkt deinen Wagen überlassen und Ryans noch dazu, ohne überhaupt gefahren zu sein," erwiderte Sam.
„Ich habe schon sehr viele solcher Autos gefahren. Ich weiß, wie ich mit ihnen umgehen muss und ich weiß, wie ich mich verhalten muss, wenn sie Zicken machen. Außerdem denke ich, dass die Ghoulies vermutlich denken werden, dass sie gegen mich als Frau sowieso gewinnen werden und es locker angehen lassen. Nicht, dass sie das machen müssten, damit ich gewinne. Das werde ich so oder so."
Alex blickte sie einige Momente nachdenklich an, ehe er nickte.
„Okay. Wenn du das wirklich machen möchtest. Auch wenn es mir schwerfällt, das zuzugeben, aber ich würde wohl wirklich verlieren. Stellt sich nur die Frage, ob die sich darauf einlassen, dass du an meiner Stelle fährst," meinte er schließlich.
„Lass das mal meine Sorge sein," grinste Sam.
„Außerdem habe ich mir gedacht, dass du dir von Ryan eine Armschlinge verpassen lässt, damit es so aussieht als hättest du dich verletzt."
„Das ist eine gute Idee," warf Ryan ein, aber Alex verzog das Gesicht.
„Sie werden sicher darauf bestehen, das Rennen zu verschieben."
„Das denke ich nicht. Wie gesagt, lasst das mal meine Sorge sein," grinste Sam und zwinkerte ihm zu.
Alex seufzte.
„Na gut. Solange ich meinen und Ryan seinen Wagen behalten kann."
„Das werdet ihr," war Sam sich sicher.
„Allerdings habe ich da eine Bedingung."
„Und die wäre?" wollte Ryan wissen.
„Ihr checkt den Mustang nochmal komplett durch. Vom Motor bis zum Auspuff, aber ganz besonders die Reifen, die Radaufhängungen und die Achsen. Nach den Drehungen, die Alex hingelegt hat, ist das besonders wichtig," meinte Sam.
„Alles klar, das werden wir machen. Darauf kannst du dich verlassen. Wir fangen gleich sofort damit an, damit wir noch genug Zeit haben zum Reparieren, falls was kaputt sein sollte," versprach Alex ihr.
„Sehr gut. Wann genau findet das Rennen statt?"
Sam sah ihn an.
„Um 10 Uhr auf dem Verkehrsübungsplatz," antwortete Alex und trank einen Schluck von seinem Bier.
„Okay, dann sollten wir spätestens um halb 9 da sein," überlegte Sam laut und spülte ein paar Gläser.
Am nächsten Morgen um kurz nach 8 trafen Chris und Sam im Mustang, Alex und Ryan in Ryans Auto und FP und Lily in Lilys Scirocco am Verkehrsübungsplatz an. Von den Ghoulies war weit und breit noch nichts zu sehen.
„Warum genau sind wir hier?" fragte FP und schaute aus dem Beifahrerfenster.
„Ich hätte schon längst am Anbau weitermachen können."
„Genau und du hättest schon alle Serpents mit deinem Gehämmer aufgeweckt und gegen dich aufgebracht," grinste Lily.
„Wir sind hier als Unterstützung für Alex und Ryan. Und für Sam, weil sie fahren wird. Das Rennen wird sicher schnell vorbei sein und du kommst noch schnell genug zu deinen Brettern und Nägeln."
Lily sah schmunzelnd zu ihm. FP seufzte missmutig.
„Vielleicht sollte ich den Job als Leader an den Nagel hängen. Das wird mir echt zu stressig."
„Es kommen auch wieder andere Zeiten," versicherte Lily ihm, zog ihn an seiner Lederjacke zu sich und küsste ihn zärtlich.
Sie schraken auseinander, als plötzlich jemand ans Autofenster klopfte. Es waren Sam und Chris.
„Das Geknutsche müsst ihr euch leider für später aufheben. Die Ghoulies rücken an," informierte Chris sie und Lily und FP stiegen aus.
Lilys Blick fiel auf die geschätzt 20 Motorräder, die auf sie zu kamen, gefolgt von einem Wagen, dem man seine Schnelligkeit schon von außen ansehen konnte.
„Wow, die fahren nicht gerade klein auf," bemerkte FP.
„Soll ich ein paar der anderen anrufen?" fragte Chris.
„Damit wir nicht ganz so unterlegen sind?"
FP schüttelte den Kopf.
„Nein. Wir sind hier nur wegen des Rennens und nicht, um ihnen zu zeigen, wer hier überlegen ist. Wenn sie das brauchen, um sich irgendwie stark zu fühlen, ist das ihre Sache," meinte er.
„Trotzdem würde ich mich besser fühlen, wenn die anderen dabei wären," erwiderte Alex, dessen rechter Arm nun in einer Schlinge hing.
„Sorry, dass ich dir das sagen muss, aber du bist nicht hier, um dich gut zu fühlen, okay?"
Chris sah ihn ernst an.
„Bleibt mal locker," mischte Lily sich nun ein.
„Die können Unsicherheit sicher auf eine Entfernung von 10 Kilometern riechen und das brauchen wir gerade echt nicht."
Sam beobachtete, wie der blonde Leader der Ghoulies, der sich ihr als Jax vorgestellt hatte, von seiner Harley stieg, seinen Helm abnahm und dann auf sie zu kam.
„Hey, was sehe ich denn da? Du bist verletzt?" begrüßte er Alex, während er auf seinen Arm deutete.
„Ja, leider. Ich kann den Arm kaum bewegen und deswegen auch nicht fahren," antwortete er.
Jax sah ihn einige Momente schweigend an.
„Tja, so leid es mir auch tut, aber das heißt dann, dass der Mustang uns gehört und auch der andere Schlitten," meinte er schließlich und streckte die auffordernd die Hand aus, um die Schlüssel entgegen zu nehmen.
„Moment, nicht so schnell. Ich werde fahren," schaltete Sam sich nun ein und trat zwischen Jax und Alex.
Jax sah sie grinsend an.
„Bitte?"
„Du hast mich schon verstanden. Ich werde fahren," wiederholte Sam und erwiderte seinen Blick unbeeindruckt.
Jax stieß ein Lachen aus und drehte sich zu seinen Männern um, die nun auch anfingen zu lachen.
„Habt ihr das gehört? Die Lady hier will fahren," sagte er amüsiert und sah sie nun wieder an.
„Wie kommst du auf die Idee, dass ich darauf eingehe?"
Sam zuckte mit den Schultern.
„Weil jeder Mensch mit gesundem Menschenverstand auf diesen Deal eingehen würde," antwortete sie.
„Und wie kommst du darauf, dass ich gesunden Menschenverstand besitze?" grinste er.
„Eine vage Vermutung. Ich kann mich allerdings auch irren. Tue ich öfter," konterte Sam und sah ihn herausfordernd an.
Jax erwiderte ihren Blick erst, sah dann jedoch kurz nachdenklich zu seinen Leuten, zum Mustang, zu Alex und wieder zu ihr.
„Okay," meinte er schulterzuckend.
„Von mir aus. Ich weiß allerdings nicht, wie Chibs das sieht."
Sam sah zu dem Mann, der sich nun zu Jax gesellte.
„Ganz ehrlich, wir sollten das Rennen einfach sein lassen, die Schlüssel einkassieren und wieder abhauen," sagte er und sah Sam abschätzig an.
„Wenn du dir so sicher bist, dass du das Rennen gewinnst, warum sollten wir es dann sein lassen?" wollte Sam wissen.
„Oder hast du etwa doch Angst, dass du verlieren könntest?"
Sie stemmte ihre Hände in die Hüften und sah ihn provozierend an.
„Genau Chibs, hast du etwa Angst, du könntest verlieren?" fragte Jax ihn ebenfalls grinsend und kassierte einen scharfen Blick von seinem Kumpel.
Chibs sah Sam wieder an.
„Na gut. Wenn du das unbedingt willst, aber heul später nicht rum, wenn ich gewinne. Frauen heulen immer für jeden Scheiß. Das nervt mich wahnsinnig," knurrte er und drehte sich um, um zu seinem Wagen zu gehen.
„Warten wir mal ab, wer heulen wird," murmelte Sam und sah zu Alex, der sie besorgt ansah.
„Bist du dir wirklich sicher, dass du das machen willst?" fragte er.
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Undercover
FanfictionSam Walker und Lily Morgan sind zwei FBI-Agentinnen aus New York, die ihren Kollegen aus LA bei einem Gang-Problem unter die Arme greifen sollen. In LA wird ihnen schnell klar, dass sie nicht nach Anhaltspunkten für die Schuld der Southside Serpent...
