Teil 166

3 0 0
                                        


„Na, hast du sie schon irgendwo gesehen?" fragte Chris seinen Kollegen Liam, als sie etwas später im Club am Tresen saßen und ein Bier tranken.
„Nein, noch keine Spur von ihr, aber ich kann es schlecht beurteilen. Es ist ziemlich voll hier," antwortete Liam und sah sich um.
„Ich habe sogar unsere Kolleginnen aus den Augen verloren."
„Ich auch. Aber ich muss zugeben, dass sie Talent dafür haben, sich irgendwo einzufügen und somit quasi unsichtbar zu sein," meinte Chris und sah sich ebenfalls um.
„Sie sind nunmal erstklassige Agents. Wir können froh sein, dass sie sich dazu entschlossen haben, nach LA zu wechseln. Es macht Spaß, endlich mal wieder mit richtig professionellen Agents zusammenzuarbeiten, die wirklich was drauf haben und etwas von ihrem Beruf verstehen. Diese lockere Arbeitsmoral der anderen ging mir schon etwas auf die Nerven," gab Liam zu und Chris nickte.
„Ich weiß, was du meinst. Geht mir genauso. Ich habe mich schon selbst dabei erwischt, dass ich es selbst bei manchen Sachen nicht so genau genommen habe, obwohl das absolut nicht meine Art ist," sagte er und ließ seinen Blick über die Leute auf der Tanzfläche gleiten.
Dabei glitt die Menge für einen Moment auseinander und er konnte Lily und Sam an einem der Tische in der Ecke sitzen sehen.
„Ja, Faulheit ist scheinbar ansteckend," seufzte Liam.
„Aber wie gesagt, es ist gut, dass die beiden bei uns sind."
„Dem kann ich nur zustimmen," grinste Chris hob seine Bierflasche und stieß kurz mit Liam an.

Es verging eine Weile, bis Liam plötzlich sagte: „Michelle ist hier und sie hat uns gesehen."
„Okay, dann wird sie sicher gleich hier auftauchen," sagte Chris und bestellte sich noch ein Bier.
„Bereit?"
Liam nickte und setzte eine niedergeschlagene Miene auf, während er auf die Theke vor sich starrte.
„An dir ist echt ein Schauspieler verloren gegangen. Hast du es schon mal in Hollywood versucht?" fragte Chris scherzend.
„Bring mich nicht zum Lachen," raunte Liam ihm zu, wobei er sich bemühte, den niedergeschlagenen Gesichtsausdruck beizubehalten.
„Sie kommt her," teilte Chris ihm leise mit und fügte etwas lauter hinzu: „Rebecca hat dich tatsächlich vor die Tür gesetzt? Sie hat dich aus deinem eigenen Haus geworfen?"
Liam nickte.
„Und wo bist du untergekommen?" wollte Chris wissen und behielt Michelle unauffällig im Blick, die sich nun neben Liam an die Theke setzte und sich einen Drink bestellte.
„Ich habe mir ein Zimmer in einem Motel genommen. Ich hoffe, Rebecca hat sich bis morgen wieder beruhigt, denn das Motel ist echt grottig," antwortete Liam.
„Warum hast du mir nicht Bescheid gesagt? Du könntest auf meiner Couch pennen."
Chris sah ihn ernst an.
„Ich will niemanden nerven. Außerdem hat Rebecca sich bis morgen wieder beruhigt. Ich weiß gar nicht, wie sie auf die Idee kommt, ich würde mich für andere Frauen interessieren. Ich war nur nett zu der Kellnerin. Das ist alles. Ich liebe Rebecca. Wir sind seit 10 Jahren zusammen, heißt das etwa nichts?" fragte Liam verzweifelt und nahm einen Schluck von seinem Bier.
„Frauen drehen manchmal einfach so durch. Das hat nichts zu sagen. Sie wird sich sicher wieder beruhigen," versicherte Chris ihm.
„Oder aber.."
Chris ließ den Satz unvollendet.
„Oder was?"
Liam sah ihn fragend an.
„Ich will es wirklich nicht sagen, aber ich habe schon seit einiger Zeit den Verdacht, dass sie nur noch wegen deines Geldes mit dir zusammen ist," antwortete Chris und sah ihn entschuldigend an.
Liam erwiderte seinen Blick fassungslos.
„Nein, nicht Rebecca. Sie liebt mich. Ihr ist das Geld völlig egal," erwiderte er überzeugt.
„Ich sage ja nur, Mann.. Ich an deiner Stelle wäre vorsichtig," sagte Chris und trank einen Schluck Bier.
„Sorry."
Er griff nach seinem Handy, das in seiner Hosentasche klingelte und ging ran.
„Ja hallo?"
„Hey, ich bin's, Lily. Du solltest jetzt besser gehen."
„Alles klar. Ich bin gleich zu Hause. Ich wollte nur mit Liam was trinken gehen. Ihm geht es nicht gut. Krach mit seiner Freundin... ja, ich beeile mich.. okay, bye Babe."
Chris legte auf und steckte das Handy weg, ehe er die Bierflasche mit einem Zug leerte.
„Sorry Kumpel, aber ich muss nach Hause. Ich werde schon sehnlichst erwartet," sagte er entschuldigend.
„Lass dich nicht aufhalten. Riskier nicht, dass du auch Krach bekommst mit deiner Freundin," antwortete Liam und rang sich ein Grinsen ab.

UndercoverWo Geschichten leben. Entdecke jetzt