Teil 155

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Am nächsten Morgen war Chris schon früh wach, saß mit einer Tasse Kaffee in der Hand auf der Treppe zu seinem Trailer und ließ den letzten Abend nochmal in Gedanken Revue passieren, wobei sich ein glückliches Lächeln auf seinem Gesicht breitmachte. Es war der absolute Wahnsinn gewesen. Etwas, was er bisher noch nicht erlebt hatte.
Er schreckte aus seinen Gedanken hoch, als ein paar Trailer weiter Gehämmer anfing. Chris schüttelte grinsend den Kopf. Selbst der Sonntagmorgen schreckte FP scheinbar nicht ab. Er stand auf und ging um FPs Trailer herum zum Anbau, wo FP auf der Leiter stand und dabei war, eine Regenrinne am unteren Rand des Daches anzubringen. Chris blickte kurz zum Himmel, der, wie es in LA die Regel war, vollkommen wolkenfrei war. Mit Regen war eigentlich erstmal nicht zu rechnen.
„Hey, was soll dieser Lärm?" beschwerte er sich gespielt verärgert.
FP drehte sich zu ihm um und grinste.
„Anstatt Sprüche zu klopfen könntest du mir auch helfen," erwiderte er.
„Umso schneller bin ich fertig."
„Hört sich verlockend an," grinste Chris, stellte die Tasse weg und ging zu ihm, um die Regenrinne festzuhalten, damit FP sie befestigen konnte.
Er betrachtete den Anbau.
„Du bist echt schon weit gekommen," stellte er fest.
„Ja, das stimmt," bestätigte FP.
„Morgen werde ich im Zimmer von Jughead und Jellybean die Trailerwand entfernen, damit wir zumindest da schon mal einen Zugang haben. Der Elektriker kommt am Dienstag und fängt an, die Leitungen zu verlegen. Das sollte hoffentlich nicht so lange dauern. Ein paar Tage vielleicht. Danach werden die Wasserrohre verlegt und ich kann mit der Isolierung und der Verkleidung der Wände anfangen. Wenn das alles fertig ist, fange ich erstmal mit dem Bad an. Dazu muss die Wand aus unserem Schlafzimmer raus. Und wenn das Bad fertig ist, können die Abflüsse an den Kanal angeschlossen werden."
FP sah zu Chris, als dieser keine Antwort gab, und stellte fest, dass er nachdenklich vor sich hin sah.
„Hallo? Erde an Chris," grinste er und stupste ihn kurz an.
Chris sah ihn verwirrt an.
„Was?"
„Nichts. Gestern Abend muss ja echt toll gewesen sein," scherzte FP und stieg von der Leiter, nachdem er die Regenrinne angebracht hatte.
„Toll ist untertrieben," antwortete Chris und grinste leicht.
„Atemberaubend trifft es auch nicht ganz, kommt dem aber schon näher. Sam ist eine absolute Granate."
FP lachte.
„Okay, zu viel Information."
„Das meine ich ernst. Ich weiß, es ist Claire gegenüber nicht fair, sie mit Sam zu vergleichen, aber sowas wie mit Sam habe ich mit ihr nie erlebt und unser Sexleben war damals ziemlich heiß," meinte Chris und griff nach seiner Kaffeetasse.
„Das mit Sam ist absolut mit nichts vergleichbar, was ich bisher erlebt habe, und nicht nur, was den Sex betrifft."
„Glaub mir, ich verstehe, was du meinst," sagte FP und setzte sich auf einen Stapel Bretter, ehe er einen Schluck Wasser trank.
„Das mit Gladys..."
Er schüttelte den Kopf.
„Es war okay. Das fand ich zumindest damals, aber wenn ich jetzt zurückblicke, war unser Liebesleben noch nicht mal 08/15. Es war langweilig und mehr Pflichtprogramm als alles andere. Klar, es lag sicher an uns beiden, dass es so war, aber Gladys war auch nicht gerade experimentierfreudig, wenn du verstehst, was ich meine."
Chris nickte.
„Ich habe versucht, Abwechslung reinzubringen, aber das wurde alles von ihr abgeblockt, und irgendwann hatte ich auch keinen Bock mehr, es zu versuchen," fuhr FP fort.
„Mit Lily ist das vollkommen anders. Sie überrascht mich immer wieder. Zum Beispiel als wir meine Harley zweckentfremdet haben."
Chris hob erstaunt die Augenbrauen.
„Bitte? Wie das denn?"
FP lachte.
„Finde es selbst heraus, wie man das macht. Ich nenne dir sicher keine Details."
„Gute Idee," grinste Chris.
„Jedenfalls wäre das mit Gladys absolut nicht denkbar gewesen. Dass sie nicht noch darauf bestanden hat, das Licht beim Sex auszumachen, war auch alles," erzählte FP weiter.
„Ich merke erst jetzt mit Lily, wie viel Spaß es machen kann und ich lerne immer wieder dazu. Eigentlich traurig, wenn man bedenkt, wie alt ich bin."
Chris schüttelte den Kopf.
„Nein, ist es nicht. Sei eher froh darüber, dass du die Chance bekommen hast, zu erleben, dass Sex nicht 08/15 sein muss. Oder noch langweiliger," meinte er leicht grinsend.
„Auch wieder wahr," antwortete FP.
„Aber das ist nicht der einzige Grund, weshalb ich Lily nicht mehr gehen lassen werde."
„Hast du schon eine Idee, wie du sie fragen wirst?" fragte Chris und FP schüttelte den Kopf.
„Nein. Auch noch nicht, wann. Am liebsten würde ich erstmal den Anbau fertig kriegen, obwohl es Blödsinn ist, es davon abhängig zu machen. Ach, keine Ahnung. Ich bin mir noch nicht mal sicher, ob sie überhaupt ja sagen würde."
FP stand auf und griff nach einem weiteren Stück Regenrinne.
„Jetzt mach mal halblang. Sie hat dir doch schon indirekt mitgeteilt, dass sie dich heiraten würde. Also brauchst du dir da gar keine Sorgen zu machen," meinte Chris und stand ebenfalls auf.
„Ja, eigentlich schon, aber du kennst mich," sagte FP und stieg auf die Leiter.
Chris stellte die Tasse weg und hielt die Regenrinne fest.
„Allerdings und deine Selbstzweifel solltest du dir ganz schnell abgewöhnen, Jones," antwortete er ernst.

Lily wurde wach, als das Gehämmer draussen von neuem anfing. Obwohl sie wusste, dass es nur FP sein konnte, blinzelte sie kurz neben sich, wo sie eine leere Bettseite vorfand.
Sie schloss die Augen und versuchte nochmal einzuschlafen, als sie plötzlich von einer starken Übelkeit überwältigt wurde. Lily sprang auf und lief aus dem Schlafzimmer ins Bad, wo sie gerade noch rechtzeitig ankam, um sich zu übergeben.
Sie spülte sich gerade den Mund aus, als sie die Trailertür hörte. Ihr Magen rebellierte immer noch etwas, schien sich jedoch langsam wieder zu beruhigen. Sie verließ das Bad und sah zu FP, der sich in der Küche eine Flasche Wasser aus dem Kühlschrank nahm.
„Guten Morgen Prinzessin," schmunzelte er, als er sie sah und nahm einen Schluck von dem Wasser.
„Irgendwelche Wünsche für das Frühstück?"
Sie schüttelte den Kopf und ging zu ihm.
„Nur Tee," antwortete sie und drückte ihm einen Kuss auf die Wange.
„Ist alles okay?"
Er sah sie forschend an.
„Du bist ein wenig blass um die Nase."
Lily winkte ab und schaltete den Wasserkocher ein.
„Mir ist nur ein bißchen schlecht. Ich hätte das Stück Schokokuchen vor dem Schlafengehen nicht essen sollen, aber der ist so lecker," meinte sie und hängte einen Teebeutel in eine Tasse.
„Ich sag ja, wer weiß, was Gladys reingetan hat," scherzte FP.
„Na, sie weiß sicher, dass Jellybean den Kuchen auch essen würde und allein deswegen würde sie schon nichts Bedenkliches reintun," wandte Lily ein.
„Selbst wenn, Jellybean fehlt nichts und dir auch nichts. Du hast schließlich gestern Abend auch davon gegessen."
„Gezwungenermaßen, weil du mich gefüttert hast," grinste FP.
Er ging zu ihr, schlang die Arme von hinten um sie und hauchte ihr einen Kuss in den Nacken.
„Was du übrigens gerne öfter machen darfst. Vielleicht aber eher mit Schoko-Erdbeeren und Champagner."
„Hört sich gut an, aber erst, wenn mein Magen sich wieder beruhigt hat. Ist sicher nur ein Virus, der rumgeht. Du solltest also besser Abstand halten," meinte sie und sah zu ihm.
„Kommt gar nicht in Frage. Wenn es ein Virus ist, habe ich ihn mir eh schon eingefangen. Immerhin habe ich die ganze Nacht neben dir gelegen," erwiderte FP und drückte sie an sich.
„Okay. Mein Virus ist dein Virus," grinste Lily und schüttete das kochende Wasser in die Tasse.
FP lachte.
„Hört sich ganz schön eklig an."
„Na, du willst es ja nicht anders," lachte Lily.
„Stimmt," bestätigte FP und drückte ihr einen Kuss auf die Wange.

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