Teil 175

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Erschrocken starrten FP und Lily auf das Foto, ehe Lily es Chris aus der Hand riss und es von Nahem betrachtete.
„Was ist passiert? Woher hast du das?" fragte sie Chris, der sich nun mit einem verzweifelten Gesichtsausdruck mit beiden Händen durch die Haare fuhr.
„Es lag im Trailer. Irgendwer ist eingebrochen und hat es in einem Umschlag auf den Couchtisch gelegt. Seit ihr beide in die Stadt gefahren seid, habe ich nichts mehr von ihr gehört und als ich versucht habe, sie anzurufen, habe ich nur die Mailbox erreicht. Verdammt, wer tut sowas? Wir müssen sie finden," antwortete er verzweifelt und sah FP und Lily mit feuchten Augen an.
Lily betrachtete das Foto, so sehr es ihr auch widerstrebte, es zu tun. Während sie es ansah, schaltete sich automatisch ihr FBI-Verstand ein. Sam lag auf dem Rücksitz eines Autos. Dem abgenutzten Stoff der Rückenlehnen nach zu urteilen war es kein neuer Wagen, aber sie war sich sicher, dass man zumindest die Marke des Wagens anhand des Aussehens der Kopfstützen herausfinden konnte. Sie wusste auch schon, welchen Kollegen sie damit beauftragen konnte. Die Farbe des Lackes konnte man an der Innenseite der Tür erkennen. Es war ein dreckiges Braun. Noch etwas, was die Suche nach dem Wagen erleichtern würde.
„Jetzt steht doch nicht hier so rum, tut etwas," fuhr Chris die beiden an.
FP legte ihm eine Hand auf die Schulter.
„Beruhige dich, okay? Ich weiß, dass dir das im Moment schwerfällt, aber es bringt gar nichts, wenn du jetzt durchdrehst. Wir müssen da mit Vorsicht rangehen," versuchte er ihn zu beruhigen, aber Chris schüttelte seine Hand ab.
„Erzähl mir nicht, dass ich mich beruhigen soll, FP. Du weißt doch selbst nur zu gut, dass man sich in einer solchen Situation nicht beruhigen kann," fuhr er ihn an.
„Okay," mischte Lily sich nun ein und sah Chris ernst an.
„Ich werde sofort zum HQ fahren und das Bild an meinen Kollegen weiterleiten. Der kann feststellen, was das für ein Auto ist und wer ein solches Auto fährt. Die Besitzer werden anschließend nacheinander überprüft und wenn sich einer nur ein bißchen seltsam verhält, wird er verhaftet. In der Zwischenzeit sollten wir überlegen, wer zu sowas fähig ist. Mir fällt da momentan nur eine Person ein."
Chris sah Lily an und fast gleichzeitig sagten sie: „Josh."
„Genau," stimmte Lily zu.
„Er war vor ein paar Wochen hier, nachdem er darüber benachrichtigt worden war, dass ich ihn angezeigt habe. Er war ziemlich wütend und hat Sam gedroht, obwohl sie gar nichts damit zu tun hatte," erzählte Chris etwas ruhiger.
Nun, wo er wusste, wer vermutlich dahintersteckte und dass derjenige sicherlich schnell gefunden werden würde, war die Panik, die in ihm aufgestiegen war, deutlich zurückgegangen.
„Das ist ein perfektes Motiv," meinte Lily.
„Ich werde dann mal losfahren. Wenn ich meine Kollegen informiert habe, werde ich zu ihrem Partner Chris fahren. Zu ihm wollte sie, nachdem wir uns voneinander verabschiedet hatten. Sie wollte sich erkundigen, wie es ihm geht."
Lily ging kurz ins Schlafzimmer, um ihre Marke und ihre Waffe zu holen und griff nach ihren Autoschlüsseln.
„In der Zwischenzeit vermeide es, in den Trailer zu gehen. Ich werde ein paar Kollegen der Spurensicherung vorbeischicken, die Fingerabdrücke nehmen werden," sagte Lily, während sie zur Tür ging.
„Moment," hielt Chris sie auf.
„Was? Chris, hier zählt jede Minute, ist dir das klar? Je schneller ich zum HQ komme, umso schneller können wir nachforschen und umso schneller können wir Sam befreien," antwortete sie, küsste FP kurz und öffnete die Tür, ehe sie sich nochmal zu Chris umdrehte.
„Glaub mir, egal, wer ihr das angetan hat, derjenige wird es bereuen."
Sie verließ den Trailer und ging zu ihrem Auto. Als sie gerade einsteigen wollte, hörte sie Chris, der ihr gefolgt war, hinter ihr sagen: „Ich will nicht, dass du irgendwas mit dem Fall zu tun hast."
Lily sah verwirrt zu ihm.
„Bitte?"
„Du hast mich schon verstanden, Lily," sagte er ernst.
„Was soll das? Sam ist meine Freundin, meine Partnerin. Natürlich werde ich mich um den Fall kümmern," meinte Lily.
„Vielleicht ist gerade das ein Grund, weshalb du nichts damit zu tun haben solltest," erwiderte Chris.
„Jetzt mach mal halblang, Tall Boy," mischte FP sich ein.
„Lily ist verdammt gut in ihrem Beruf.."
„Ach, ist sie das?" unterbrach Chris ihn.
„So gut, dass sie beim letzten Fall angeschossen wurde, weil sie sich verantwortungslos verhalten hat? Sorry, aber ich will nicht, dass das Gleiche nochmal passiert. Dass SAM etwas passiert, weil sie sich unprofessionell verhält."
„Du hast doch gar keine Ahnung, was passiert ist. Du warst gar nicht dabei. Du hast keine Ahnung von unserem Beruf. Ich habe mich nicht unverantwortlich verhalten. Ich habe nur meinen Job gemacht, wie ich es immer mache," sagte Lily aufgebracht.
„Also sag mir nicht, was ich zu tun und zu lassen habe."
Mit diesen Worten stieg sie ins Auto und fuhr los zum HQ des FBIs.
Chris sah ihr sprachlos nach und wandte sich schließlich an FP.
„Wenn Sam irgendwas passiert, weil sie Mist baut, ist sie die längste Zeit beim FBI gewesen. Dafür werde ich sorgen," sagte er kalt.
„Tall Boy.."
„Spar es dir, FP."
Chris drehte sich um und ging zurück in den Trailer. FP sah ihm seufzend nach. Ja, er musste zugeben, dass er auch Bedenken hatte. Vor allem, weil der Fall mit dieser Michelle noch nicht allzu lange her war und Lily sich langsam wieder gefangen hatte, aber er vertraute ihr, dass etwas Ähnliches nicht wieder passieren würde. Andererseits konnte er gut nachvollziehen, wie es Chris gerade erging. FP konnte sich leider nur allzu gut daran erinnern, dass er beinahe wahnsinnig geworden war vor Sorge, nachdem Lily von Eastwood entführt worden war. Er ging ebenfalls zurück in den Trailer und sah zu Chris, der auf der Couch saß, seine Ellenbogen auf die Oberschenkel und seinen Kopf au die Hände gestützt hatte. FP setzte sich zu ihm.
„Ich weiß, wie es dir gerade geht, Chris. Nur allzu gut," fing er an.
„Ich weiß, dass du dich gerade selbst verrückt machst und dich fragst, ob du Sam jemals wiedersehen wirst. Ob der Typ seine Finger bei sich behält. Ob es vielleicht deine Schuld war. Glaub mir, diese Sachen sind mir vor gar nicht allzu langer Zeit selbst durch den Kopf gegangen, aber wenn ich was daraus gelernt habe, dann das, dass man nicht zulassen darf, dass diese Gedanken überhandnehmen und man irgendwelche dummen Sachen macht. Zum Beispiel den Scheißkerl, der dafür verantwortlich ist mit einer Waffe bedrohen. Naja, die hast du zum Glück nicht, aber du weißt, was ich meine."
Chris sah auf und starrte vor sich hin.
„Die hätte ich schon. Sams Waffe ist im Safe und ich kenne die Kombination. Die Adresse von diesem Josh ist sicher auch leicht herauszubekommen," sagte er kalt.
„Oh nein, vergiss das ganz schnell wieder, hörst du."
FP sah ihn eindringlich an und hätte sich am liebsten selbst eine Ohrfeige dafür verpasst, dass er Chris überhaupt erst auf diese Idee gebracht hatte. Chris schwieg.
„Ich kann hier nicht rumsitzen und nichts tun, FP," sagte er schließlich und sah ihn verzweifelt an.
„Das wirst du gezwungenermaßen machen müssen, auch wenn es dir schwerfällt. Lass das FBI und Lily ihre Arbeit machen. Sie werden Sam und denjenigen, der dafür verantwortlich ist, finden. Du solltest Lily vertrauen, denn ich tue es," antwortete FP.
Chris sah ihn einige Momente schweigend an, ehe er sich zurücklehnte, tief ausatmete und die Augen schloss.
„Es bleibt mir ja nichts anderes übrig."

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⏰ Letzte Aktualisierung: 9 hours ago ⏰

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