Kapitel 96

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Sean Carren stellte sich als Mädchenschwarm Nummer eins auf. Er war sehr beliebt in Slytherin. Die Mädchen vergötterten ihn, weshalb Tessa immer sehr neidisch aufblickte, wenn die beiden miteinander abhingen. Sean holte sie immer ab, wenn sie zusammen zum Unterricht spazierten. Ginny hatte sich auch schon mit ihm angefreundet, fand ihn aber immer noch etwas seltsam. Sie konnte ihm nicht trauen. Ebonee hatte ganz andere Sachen im Kopf. Sie wollte keinen Freund haben, mit dem sie zusammen sein kann, sie wollte ihn als Kumpel haben. Als Kumpel und als Spion. Da er sehr gut mit Malfoy befreundet war, konnte er ihn abhören. Ebonee wusste das sie noch warten musste, bevor sie Sean damit konfrontierte. Sie kannte ihn erst ein paar Tage und wer weiß, vielleicht war er doch jemand den man nicht trauen konnte. Harry fand diese Beziehung nicht sonderlich gut, sagte aber nichts dazu. Er meinte nur, dass sie aufpassen solle, wem sie sich anvertraut. Ebonee nahm sich die Worte ihrer Freunde zu Herzen, weshalb sie auch erstmal noch sehr unnahbar wirkte. Mit Beziehungen kannte sie sich noch gar nicht aus und sie wollte auch noch keine. Sie wollte einfach nur einen Kumpel haben aus einem anderen Haus. Es war ihre Chance. Als sie gerade zum Frühstück gingen, kam Sean auf sie zu. Harry schaute ihn kurz abwertend an und ging weiter zu ihrem Tisch, genauso wie Ginny, Hermine und Ron. ,, Ebonee. Ich habe hier was für dich!", sagte er und zeigte ihr ein kleines Armband mit einem Löwen und einer Schlange. Ebonee musterte dieses Armband kurz. Es sah für den ersten Blick sehr unheimlich aus, aber trotz allem bedankte sie sich. ,, Das ist aber ein tolles Schmuckstück!", meinte sie und ließ es von Sean umbinden, der über beide Ohren strahlte. Ebonee bemerkte wie viele Slytherins an den Tischen tuschelten, besonders Tessa. Malfoy saß eher abseits und beobachtete alles mit einem leeren Blick. Anscheinend hatte er ganz andere Sorgen im Kopf. Ebonee bemerkte auch den stechenden Blick ihres Vaters. Er mochte es bestimmt nicht, dass sein bester Schüler mit einer Gryffindor rummachte. ,, Bis dann. Wir sehen uns gleich!", verabschiedete sich Ebonee, doch bevor sie sich abwenden konnte, hielt Sean sie noch auf und drückte ihr einen Kuss auf die Hand. Ebonee wurde leicht rot und verschwand schnell an ihrem Gryffindortisch. ,, Was war das denn, bitte?", fragte Ginny leicht belustigend. Harry dagegen schaute Sean mit einem wütenden Blick an. Auch Snape schien leicht verärgert. Er schaute Ebonee mit einem abschätzigen Blick an und Sean mit einem wutentbrannten. Anscheinend konnte er es nicht haben, dass sein bester Quidditchspieler mit einer Gryffindor geht, mit einer die Snape so etwas von hasst.

Die Unterrichtsstunden gingen schnell vorbei. Heute war ein schöner Tag, da wollten sich alle draußen treffen. Ginny traf sich mit Dean irgendwo anders. Aber Harry wollte mit Hermine, Ron und Ebonee seine Theorie besprechen von Malfoys Plänen. Es hängt immer noch schwer in der Luft, das Geheimnis mit sich rumzutragen. Aber sie konnte nichts tun, als immer nur zu nicken und immer wieder Warnungen loszulassen. Da Harry, Hermine und Ron schon früher frei hatten, ging Ebonee nun mit schnellen Schritten die Gänge entlang um unten aufs Schlossgelände zu gelangen. Alles war menschenleer. Alle Schüler waren entweder draußen oder woanders, aber auf den Gängen war keine Menschenseele. ,, Ebonee!", rief die Stimme von Sean.  Das Armband hatte sie immer noch um dem Arm. Auch wenn es etwas einschüchternd wirkt, ist es eben Seans Humor. ,, Sean!", sagte sie leicht überraschend. ,, Warte. Ich wollte dir etwas wichtiges sagen!", meinte er in einem ernsten Tonfall. Ebonees Ohren stellten sich sofort auf und sie musste an Malfoy denken. Wollte er ihr etwas mitteilen? Er führte sie in die Kerker. ,, Was wird das?", fragte sie leicht gereizt. Sean hielt sein Finger auf ihre Lippen. Dann ging er mit schnellen Schritten zum Slytheringemeinschaftsraum, sagte das Passwort und ließ Ebonee als erste hinein gehen. Keine Menschenseele war in diesem Raum. ,, Was soll das, Sean?", fragte Ebonee verwirrt. Sean setzte ein kleines Lächeln auf, worauf bestimmt viele Mädchen abgefahren wären, nur Ebonee runzelte die Stirn. ,, Komm. Wir setzten uns. Keiner wird uns stören. Die meisten sind draußen oder anderswo!", sagte Sean und setzte sich auf ein schwarzes Sofa. Ebonee setzte sich nervös neben ihn. ,, Also was wolltest du mir dringendes sagen?", fragte Ebonee sofort. Sean setzte sich bequem aufs Sofa und betrachtete Ebonee. ,, Du bist ganz schön anders, als die anderen Mädchen. Deshalb bewundere ich dich auch....!", weiter kam er nicht. In dem Moment kamen Tessa und ihre Mädchenclique in den Raum. Als sie Ebonee entdeckten, sah Tessa entsetzt zu den beiden hin. ,, Was macht die hier? SEAN? Was soll das?", fragte sie gereizt und deutete mit ihren Finger auf Ebonee, die sich total fehl am Platz fühlte. ,, Wir gehen ja schon. Du kannst uns nicht eine ruhige Minute gönnen, heh!", fuhr Sean sie an, woraufhin sie sofort verstummte. Sean führte sie aus dem Gemeinschaftsraum heraus. Sie bemerkte noch einen tödlichen Blick von Tessa, den sie gekonnt ignorierte. Sean führte sie in einen dunklen Gang, wo es sehr kühl war. ,, Was willst du mir so dringendes sagen?", fragte Ebonee schon ungeduldig. ,, Ganz locker, Evans. Ich wollte dir nur sagen, bald steht ja unser Quidditchspiel an und du bist meine Gegnerin. Ich wollte dir sagen das du nichts zu befürchten hast. Egal wer gewinnt oder verliert, für mich bleibst du meine kleine Ebonee!", sagte er sanft und strich eine Strähne aus Ebonees Gesicht. Ebonee fuhr es kalt über den Rücken. Was sollte das? Das war jetzt so wichtig? Doch bevor Ebonee etwas sagen konnte, presste Sean seine Lippen auf ihre. Ebonee wehrte sich. Sie wollte nicht. Was sollte das? Sie versuchte sich zu lösen, aber Sean hielt sie fest gegen die Wand gedrückt, biss sogar auf ihre Lippe. ,, Halt locker!", knurrte er und küsste ihren Hals entlang. Ebonee wollte schreien, aber Sean hielt seine Hand auf ihren Mund. Sie war ihm ausgeliefert. Sie konnte nichts tun. Ihren Zauberstab hatte sie auch oben gelassen. ,, Ich möchte doch nicht, dass wir verlieren. Du bist nichts weiter als eine nervige Göre. Sobald du aus Quidditch ausgeschieden bist, werden wir gewinnen!", brummte Sean und küsste Ebonee wieder auf dem Mund. Ebonee versuchte alles um ihn abzuwehren, aber er war einfach viel zu stark. Harry und Ginny hatten recht. Er war ein Betrüger. Ebonee verlor Tränen. Sie hatte Angst. Große Angst. Jetzt machte sich Sean an ihren Sachen zu schaffen. ,, Potters Schwester. Ich hätte niemals gedacht, dass sie so gut küssen kann", höhnte er und wollte ihre Sachen ausziehen. Aber Ebonee wehrte diesesmal mit ihrer Hand seine ab. Dann wimmelte sie die Hand von ihrem Mund kurz ab und brüllte was das Zeug hielt. ,, AHHHHHHHHHHRRRRHJJ!", schrie sie, doch Sean sah sie erdolchend an und drückte sofort wieder seine Hand auf ihren Mund und bedeutete sie still zu sein. Als keiner kam, machte er weiter. Er küsste sie wieder ab. Plötzlich spürte Ebonee auch etwas an ihrem Arm. Das Armband verwandelte sich in eine echte Schlange, die sich um ihr Handgelenk einquetschte. Ebonee kreischte, aber man konnte nichts hören, durch die Hand. Es schmerzte so sehr und dann noch diese widerlichen Küsse. Sean küsste sie wieder auf dem Mund. ,, Du schmeckst gut!", sagte er und wollte immer mehr. Doch kaum eine Sekunde später, flog Sean zur Seite. Er lag bewusstlos auf dem Boden, die Schlange die sich um ihr Handgelenk gebunden hatte, verschwand. Ebonee fiel kurz auf dem Boden und weinte bitterlich. Wer auch immer sie gerettet hatte, hatte ihr Leben gerettet. Sie stand sofort wieder auf und rannte die Kerker entlang. Wut, Angst und bitterlicher Scham machte sich in ihr breit. Es war so widerlich. Sie wusste nicht wo sie hinrannte, bis sie plötzlich gegen Harry lief. Als er seine Schwester erkannte, zeigten sich alle Alarmstufen. ,, Ebonee! Was ist passiert?", fragte er voller Besorgnis. Ebonee fiel in seine Arme und weinte. 

Snape war gerade auf dem Weg zu seinen Kerkern, als er ein Schreien mitbekommen hatte. Seit dem er seine Tochter mit Sean sah, konnte er kein Auge mehr zudrücken. Sean war ein guter Quidditchspieler, aber er war sehr eitel und wollte alles haben, was sein Herz begehrt. Als er das Schreien gehört hatte, schlich er sich an die Situation heran. Es führte zu einem dunklen, kühlen Gang. Was er dann sah, ließ sein Herz gefrieren. Er musste seine Wut zügeln. Am liebsten hätte er Sean einen Fluch auf den Hals gesetzt und ihn zur Strecke gebracht. ,, Stupor!", hauchte er und Sean glitt sofort zur Seite. Ebenfalls entdeckte er die Schlange die sich um den Arm seiner Tochter gemütlich machte. Sofort vernichtete er die Schlange, dann sah er wie seine Tochter am Boden lag. Wie gerne er seine Tochter in die Arme geschlossen hätte, Sean aus der Schule verbannen würde. Er würde alles für seine Tochter tun. Aber er wusste das er damit nur alles noch schlimmer machen würde. Dann sah er wie seine Tochter schluchzend davon rannte. Er würde Sean dieses mal schärfer im Auge behalten müssen. Er ließ Sean am Boden liegen und ging mit schnellen Schritten zu seinem Büro. Er trank ein ganzes Whiskey Glas aus. Er vermisste seine Tochter so sehr. Jedes mal wenn er sie runter machte, fühlte er sich schlecht. Niemals hätte er so etwas getan, aber es gab keinen anderen Ausweg. Er musste es durchziehen. Er musste wenn Malfoy es nicht schaffte, Dumbledore umbringen. Es fiel ihm schwer, die Gefühle seiner Tochter ernst zu nehmen. Sie hasste ihn abgrundtief. Und das zurecht. Er hatte ihr falsche Erinnerungen gezeigt. Hoffentlich würde seine Tochter ihn eines Tages verzeihen und sie könnten glücklich leben. Das wäre der größte Traum, den Snape sich sehnlichst wünscht. Jeden Abend wenn er ins Bett geht, muss er an den Dunklen Lord und an seine Tochter denken. Wie kann er sie beschützen? Was soll er machen wenn Dumbledore nicht mehr da ist? Jeden Abend verschlägt er sich den Kopf darum und jedes mal hofft er instinktiv das seiner Tochter niemals wieder etwas schlimmes passiert, wo er sie verlieren könnte. Er musste jetzt noch mehr auf sie Acht geben, besonders wegen Sean Carren. Snape hatte sich schon etwas überlegt, was Sean eine Strafe bekommen lässt, ohne zu wissen das die Strafe von ihm kommt. 

Harry Potters HalbschwesterWo Geschichten leben. Entdecke jetzt