Am nächsten Morgen stehen wir beide schon früh auf und fahren dann gleich mal in den Stall. „Was musst du heute alles machen?" fragt mich May als wir schon fast da sind. „Ich werde erstmal ein bisschen Stallarbeit erledigen und dann Arames einmal raus auf den Reitplatz bringen. Mal schauen wie er so ist und sonst habe ich eigentlich nichts vor. Wegen Reitunterricht hat sich noch niemand gemeldet." „Oh ja diese schöne Zeit wo es draußen für die meisten noch zu kalt ist und im Stall nicht viel los ist. Einfach herrlich" fängt May neben mir zu schwärmen an. Leicht lachend frage ich sie „Und dir gefällt die Kälte?" „Nein das doch nicht, vergiss es ich mag den Sommer viel lieber. Aber für, naja das gemütliche Leben im Stall, nehme ich die kühleren Temperaturen in Kauf." Und dann sind wir auch schon da. Ich mache mich gleich mit Catch auf den Weg zum Stall und stelle schon einmal ein paar der Pferde auf die Koppeln. Danach miste ich diese Boxen aus und füttere sie wieder ein. Als ich gerade Arames holen wollte treffe ich auf die Stallbesitzerin Nadja. „Hey Shirin." „Hey Nadja, wie geht's?" „Ja ganz gut und bei dir? Hab dich ja schon ewig nicht gesehen." „Ja ich war viel unterwegs. Bin den kalten Temperaturen hier entfleucht." „Ja das kann ich verstehen. Ich habe gesehen du hast schon einen neuen bekommen." „Äh ja, ja das ist Arames. Er sieht wirklich toll aus nicht wahr?" „Ja allerdings. Wirklich schön. Er ist ein Hengst oder?" „Ja das ist er. Er kommt von einer Zuchtstation in der Nähe von Carlisle in England." „Wow da hat aber jemand einen weiten Weg gemacht nur um ihn hier bei dir ins Training zu geben." Und als ich ihm dann seine Halfter überstreifte und ihn gerade aus der Box führe antworte ich ihr noch grinsend „Tja bin ja auch eine Spitzentrainerin."
Als ich dann beim Reitplatz mit ihm angekommen bin lasse ich ihn dort gleich einmal frei Laufen. Ich schließe das Gatter wieder hinter ihm zu und beobachte ihn dann dabei wie er erst einmal ganz gemächlich in die Mitte des Platztes geht und sich dort erstmal ein schönes Sandbad gönnt. Danach streift er einfach etwas durch die Gegend und beobachtet die anderen Pferde auf der Weide. Dann höre ich wie Mays Hunde denn Weg zu uns hinauf gelaufen kommen und drehe mich um. „Hey und wie ist er so? Tobt er sich fest aus?" ruft May noch von weiten zu mir. „Tja sie es dir selbst an" rufe ich ihr zurück. Als May dann neben mir am Zaun steht sagt sie dann „Wie jetzt? Der macht ja gar nichts?" „Ja und das macht er jetzt schon volle 15 Minuten so" antworte ich ihr als ich auf mein Handy schaue. Da sehe ich auch das ich eine Nachricht von Fabio oben habe. Fabio: Hey mein Schatz. Wie geht's dir so? Das Haus hier ist schrecklich leer ohne dich... Und mir ist auch mega langweilig hier ohne dich. Ich vermisse dich und hoffe das du deine Zeit jetzt besser nutzt als ich. Ich liebe dich Fabio. Doch dann werde ich von schnippenden Fingern vor mir wieder zurück gerissen ins hier und jetzt. „Erde an Shirin." „Was denn?!" frage ich May kopfschüttelnd. „Ich habe dich eigentlich gefragt ob du ihn ein bisschen herumlaufen lassen willst?" „Oh ja sorry. Ich schreibe nur schnell Fabio zurück" sage ich ihr noch während ich bereits eine Nachricht eintippe. „Oh eine Nachricht von Fabio. Kein Wunder das du so abgelenkt bist." „Haha sehr witzig" äffe ich zurück. „Ach das hast du gehört." Ich stecke mein Handy wieder weg und nehme die Gerte in die Hand die am Boden liegt. Als ich dann zu Arames hinein steige fragt mich May „Soll ich ein paar Fotos machen? Die kannst du dann auf Sozial Media stellen für deine Fans." „Ha ja der war gut. Aber ja kannst du gerne machen" antworte ich ihr noch bevor ich Arames dann etwas mit Gerte nachjage. Und siehe da, er kann ja doch laufen. Und wie er läuft. Einfach ein Traum dieses Pferd. Seine Bewegungen sind unglaublich geschmeidig und rhythmisch. Als er sich dann ausgiebig bewegt hat werfe ich die Gerte zu Boden und drehe mich von ihm weg. Ich atme ruhig ein und aus und hoffe das es klappen wird. Ich schließe meine Augen und da höre ich ihn. Seine Huftritte kommen näher auf mich zu. Als er mich dann von hinten leicht anstupst öffne ich meine Augen wieder und drehe mich langsam um. Und da steht er tatsächlich. Es hat geklappt. Er kam freiwillig und aus vertrauen zu mir. Ich streiche ihm über die Stirn und bewundere sein leuchtend blaues Auge. Ein leichtes Lächeln kommt über meine Lippen und damit drehe ich mich wieder von ihm weg und gehe ein paar Schritte. Und da ist es. Genau das was ich mir erhofft hatte. Er folgt mir. Nach ein paar Wendungen gehe ich wieder in Richtung Gatter und lege ihm dann wieder den Strick an. „Wow, das war toll" sagt May gleich zu mir. „Ja, das war es. Ich hatte einfach so ein Gefühl bei ihm das es klappen wird. Ich weiß auch nicht. Aber er kommt mir so besonders vor." „Ja und dank mir hast du das Ganze auch auf Video" antworte mir May nur grinsend während sie ihr Handy schüttelt. Ich grinse nur zurück und lasse dann Arames noch eine Weile etwas Gras zupfen. Auch wenn das braune Gras das wir jetzt im Februar haben wohl kaum lecker schmecken kann.
Nachdem ich ihn dann wieder zurück in seine Box gebracht habe, haben May und ich beschlossen mit ihren beiden Pferden etwas reiten zu gehen. Wir holen also die zwei Riesen aus ihrer Koppel und putzen sie erstmal ordentlich. „Das ist schon lang her das du ihn geritten bist" sagt May. „Ja allerdings. Ich bin gespannt wie er geht. Ob du ihn schon wieder komplett verhauen hast..." „Hey das habe ich gehört." Als wir beide lachen müssen höre ich dann plötzlich Gracys Stimme wie sie sagt „Naja ist aber auch sehr naheliegend. Immerhin lässt du ihn ja oft was durchgehen." Ich schaue hinter dem Riesen Pferde Po von Antonie vorbei und sehe dann tatsächlich Gracy bei der Sattelkammer stehen. „Hey Gracy!" schreie ich leicht als ich auf sie zu gehe und sie gleich umarme. „Hey, schön dich zu sehen. Wie geht's dir?" „Gut und dir?" sage ich als ich mich aus der Umarmung wieder löse. „Ja ich habe ein paar tolle Neuigkeiten. Ich bin jetzt offiziell die Assistentin der Hundetrainerin Lara Laika." „Oh mein Gott das ist ja großartig!" schreie ich abermals und falle ihr wieder in eine Umarmung. „Gratuliere dir!" fügt auch May hinzu bevor auch sie sie umarmt. „Siehst du ich wusste du schaffst es" sage ich ihr voller Freude. „Ja danke und vor allem danke dafür das du mir Mut zugesprochen hast letzten Monat, um sie anzurufen. Obwohl du ja in Amerika warst und sicher besseres zu tun hattest." „Ach was für meine Freundin habe ich doch immer Zeit. Egal wo ich gerade bin oder was ich mache" antworte ich Gracy daraufhin. „Ja jetzt muss ich mir nur noch eine Wohnung suchen dort." Da wird es mir plötzlich klar. Sie muss wegziehen. Meine beste Freundin die ich seit Kindertagen kenne, neben der ich schon wohne seit wir beide auf die Welt gekommen sind, mit der ich an meinem Lieblingsbaum herumgeklettert bin, mit der ich meine ersten Reitversuche und Reitunfälle gemacht habe und mit der ich praktisch meine ganze Kindheit verbinde, zieht nun weg. Mit etwas getrübter Stimmung sage ich dann aber, „Wenn du willst können wir dir auch dabei helfen." „Ja das wäre toll." „Aber jetzt holst du dir erstmal dein Pferdchen und dann gehen wir alle zusammen reiten" wirft May dann noch ein. Lächelnd sagt dann Gracy schließlich „Alles klar." Als dann Gracy sich auf den Weg macht um Imrie von der Koppel zu holen kommt May zu mir her und fragt mich „Ist alles in Ordnung bei dir?" „Hmm ja, wieso?" versuche ich gespielt glücklich zurück zu sagen, doch May kennt mich nun mal zu gut und sagt dann „Komm schon. Ich kann sehen das was nicht stimmt. Jetzt sag schon." Kopfschüttelnd antworte ich ihr dann „Ach es ist einfach nur so.... Es verändert sich so vieles gerade und..." „Das macht dir Angst, was?" Mit leichten Tränen in den Augen antworte ich ihr „Ja schon etwas. Ich meine ich wohne neben Gracy seit ich denken kann. Wir sind praktisch Schwestern und jetzt ist das alles auf einmal vorbei. Wir entwickeln uns in völlig verschiedene Richtungen. Aber versteh mich nicht falsch. Ich freue mich riesig für sie. Ich weiß das das immer ihr Traum war. Und ich unterstützte sie dabei zu hundert Prozent aber es ist trotzdem schwer, die Vergangenheit einfach so zurück zu lassen." May streicht mir über den Rücken und sagt dann darauf „Das kann ich gut verstehen. Aber hey wer hätte gedacht das ausgerechnet von uns dreien, die schüchterne Gracy als erstes das Nest verlässt." Daraufhin lächle ich sie an und putze Antonie weiter, May weiß einfach immer wie sie mich zum Lächeln bekommt.

DU LIEST GERADE
When your life changes, do you keep going or do you go back?
FanfictieShirin steht an einem wichtigen Punkt in ihrem Leben. Doch plötzlich wird alles was sie sich für die Zukunft vorgenommen hat durcheinander gebracht. Für was wird sie sich entscheiden? Für das Leben auf das sie schon seit Jahren hin gearbeitet hat un...