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Der heiße Wüstenwind peitschte mir ins Gesicht als ich durch die demolierten Türen nach draußen huschte. Schnell verschaffte ich mir Überblick. Die Zellen lagen in einer Art Bunker, der zu einer größeren Anlage gehörte. Das Gelände von Area 51 war eigentlich riesig, allerdings waren nur einige wenige Quadratkilometer durch Magie geschützt und verhinderten Teleportation. Hier befanden sich ein paar Hangars, etwa ein Dutzend flache Gebäude, wahrscheinlich zur Unterbringung der Truppen und außerdem zwei Bunker. Und der zweite Bunker war unser Ziel. "Folgt mir", sagte ich leise und wir rannten geduckt auf die Baracken zu. In diesem Moment erklang rechts von mir ein lautes Brüllen und das Geräusch von Schüssen. Ich lugte um die Ecke und sah den Mantikor und die Chimäre, die von etwa zwanzig Jägern in Schach gehalten wurden, während der Basilisk über ihnen kreiste. Fasziniert sah ich dabei zu, wie der Ziegenkopf der Chimäre Säure auf die Jäger spuckte, während der Löwenkopf Feuer spie. Der Mantikor sprang immer wieder vor, fügte einem der Jäger mit seinen Klauen tiefe Wunden zu, während er seinen Schweif nutzte, um Stachel nach ihnen zu schleudern. Ab und an stieß der Basilisk nach unten und wollte einen der am Boden liegenden Jäger beißen, wurde aber von der Chimäre vertrieben. Klar, wer würde schon sein Essen versteinern lassen? Chimäre und Mantikor schafften es die Zahl der Jäger immer weiter zu reduzieren, weit mehr als die Hälfte lag blutend am Boden, manche brennend, manche verätzt, aber die meisten gelähmt durch das Gift des Mantikors. Gerade als die letzten Männer zu Boden gingen, öffnete sich mit einem Zischen die massive Tür des zweiten Bunkers. Eine Gestalt trat heraus, umhüllt von einem merkwürdig unförmigem Umhang und die Tür fiel wieder zu. Der rechte Arm war unter dem Umhang verborgen, aber er hielt einen langen, in schwarzes Tuch gehüllten Gegenstand in der Linken. Mit großen Schritten lief sie auf den Ort des Geschehens zu, wobei schwarze Stiefel und eine dunkle Hose zum Vorschein kamen. Im Laufen riss er das Tuch weg und enthüllte eine große, einschneidige Axt, mit rot glühenden Symbolen. Neben mir keuchte Jack kurz. "Das… Das ist eine dämonische Axt. Und auch noch eine alte und mächtige, nur wenige haben Zugang zu solchen Waffen." Also hatten wir es hier mit einem Dämonen zu tun. Mein Verdacht bestätigte sich, als er den rechten Arm nach der Axt ausstreckte. Einen muskulösen, roten Arm, mit einigen Stacheln an der Außenseite. Die Chimäre bemerkte den Neuankömmling als Erstes, brüllte laut und sprang auf ihn zu. Im letzten Moment trat der Dämon zur Seite und schwang seine Axt. Mit der Aufwärtsbewegung trennte er den Ziegenkopf ab und kaum knallte der Körper der Kreatur zu Boden, fraß sich die Schneide der Axt in den Nacken des Löwenkopfes und beendete das Leben der Chimäre. Als der Dämon die Axt herausziehen wollte, setzte der Mantikor zum Sprung an. Der Dämon wirbelte herum und schleuderte seine Waffe. Mit einem widerlichen Geräusch traf die Schneide das Gesicht des Monsters und spaltete seinen Schädel. Ein leises, aber eindeutig männliches Lachen erklang, in der eine Spur Wahnsinn lag. Der Basilisk warf einen letzten Blick auf das Massaker unter sich, dann flog er in Richtung Süden.  Immer noch lachte der Dämon, riss die Axt aus der Leiche des Mantikors und drehte sich um. Ein leichtes Funkeln war unter der Kapuze zu sehen, ein kleiner roter Punkt in der Dunkelheit. Und dann richtete sich dieser Punkt auf uns. "Ich sehe euch…", kicherte die Stimme. "Und mit zwei von euch habe ich noch ein Hühnchen zu rupfen." Ich hob meine Pistole und gab drei Schüsse ab, gleichzeitig schleuderte Leonie einen Blitz. Der Dämon blockte mit seiner Axt mühelos den Blitz und wehrte die Kugeln ab, dann schwang er seine Axt in einem weiten Bogen. Eine gewaltige Energiewelle schoss auf uns zu, blitzschnell sprang ich vor und absorbierte den Angriff. "Du bist es also wirklich, du kleiner Bastard.", knurrte der Dämon und warf den Umhang ab. Zum Vorschein kam eine perverse, okkulte Version von Frankensteins Monster, zusammengehalten von dicken Nähten. Der rechte Arm war tatsächlich dämonisch, aber angenäht an einen menschlichen Körper. Unzählige Nähte zogen sich kreuz und quer über seinen nackten Oberkörper und sein linkes Auge glühte tiefrot. Das Auge eines Dämonen. Und dann breitete dieses… Ding seine Schwingen aus. Einst waren sie wohl strahlend weiß gewesen, nun waren sie zerfleddert und mit getrocknetem Blut überzogen. Die Flügel eines Engels. Was zur Hölle war das? Wie konnte jemand Teile von Engeln und Dämonen an einen Menschen nähen? Dieser Anblick war so verstörend, dass ich erst jetzt das Gesicht dieses Geschöpfes genauer musterte. "Marcus?", fragte ich, als ich die hohen Wangenknochen, die sonnengegerbte Haut und die indianischen Züge erkannte. "Ich dachte du hast ihn erledigt." Der Brite fluchte laut, während er und Jack ihre Äxte beschworen. "Dieser räudige Sohn einer Hündin!", knurrte der Magier. "Ich habe ihm sein verdammtes Herz aus der Brust geschnitten, habe ihm den Arm ausgerissen und meine Axt immer wieder in seinen Körper getrieben! Wie ist das möglich?" Ich steckte meine Pistole weg und beschwor Handschuh und Speer. "Das würde mich auch interessieren!", rief ich. "Was ist mit dir geschehen, Maxwell Anderson?  Wie konntest du zulassen, dass dein Körper so verunstaltet wurde?" Anderson knurrte mich an, seine Flügel bauschten sich auf. "Ich wollte Rache! Mit meinem letzten Atemzug schwor ich, dich zu töten. Und ich wurde erhört, mein Meister hat meinen Schwur gehört und gab mir die Möglichkeit ihn zu erfüllen!" Mit seiner menschliche Hand packte er den leblosen Körper der Chimäre und schleuderte sie wütend davon. Der Leichnam flog fast einhundert Meter weit, Anderson musste verdammt stark geworden sein. "Jack, versuch die Bunkertür zu öffnen.", flüsterte ich. "Emilia, gib ihm Deckung. Leonie, Marcus, wir knöpfen ihn uns vor." Ich erhob meine Stimme. "Und wer ist dein Meister, Anderson? Wer wäre töricht genug einen Mann wie dich ins Leben zurück zu holen? Und wenn SOL wirklich im Auftrag des Himmels handelt, warum trägst du dann die Flügel eines Engels?" Die Kreatur, die einst Maxwell Anderson gewesen war, lachte höhnisch. "Oh, kleiner Nephilim. Du kennst doch gar nicht das Ausmaß des Ganzen. Wie bedauerlich, dass ich dich am Leben lassen soll, es hätte so viel Spaß gemacht dich zu töten." Mit ein paar unbeholfen, aber kräftigen Flügelschlägen erhob er sich in die Luft und flog auf der Stelle. "Aber das wird mich nicht daran hindern dich zu verstümmeln", schrie er, seine Stimme verzerrt vor Wut und Wahn. "Lass mich dir ein paar meiner neuer Brüder vorstellen." Der sandige Boden um uns geriet in Bewegung und fing an zu brodeln, dann erhoben sich drei Gestalten aus dem Sand. Sie sahen abartig aus, ähnlich wie Anderson nur noch die groteske Karikatur eines Menschen, ausgestattet mit den Körperteilen von Monstern. Einer von ihnen hatte Flügel, ledrig und blutverschmiert. Reiszähne ragten aus seinem Mund, von denen das Gift eines Basiliken tropfte. Ein anderer hatte anstelle des linken Armes eine Schlange an den Torso genäht und der kleine, verkümmert Löwenkopf einer Chimäre ragte aus seiner Brust. Der dritte sah fast normal aus, aber beide Arme waren gespickt von Stacheln, wie der Schweif eines Manikors und seine Augen hatten nichts menschliches mehr. "Ich werde deine Freunde töten, du mieser Bastard!", brüllte Anderson und schoss auf uns zu. " Wie diesen erbärmlichen, kleinen Magier in Budapest! Und wieder wirst du nichts tun können!"

Rogue HeroWo Geschichten leben. Entdecke jetzt